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Summer85

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Saturday, April 3rd 2004, 8:24am

Patti Johannesson in Spanien

Naja, so schlecht ist Frau Hannen von der Neuen Ruhr Zeitung ja nun auch wieder nicht ;). Heute findet man dort einen Bericht über das Leben von Johannesson in Spanien mit Familenfoto.

"Pattis schwerer Grenzübertritt

"HANDBALL / Ehemaliger Tusem-Kapitän Johannesson und seine Familie vermissen ihre Freunde in Essen. Sprachprobleme.

Der Blick von hier oben aus den grünen Hügeln von Hondarribia auf den aufgewühlten Atlantik ist wirklich atemberaubend, er reicht bis hinüber nach Frankreich. Grenzen zu überschreiten ist für Patrekur Johannesson ja nichts Neues. Zuerst der Riesenschritt von Island nach Essen zum Tusem. Acht Jahre Ruhrgebiet. Dann im letzten Sommer der Umzug ins Baskenland zu Bidasoa Irun. Eine neue, sehr fremde Welt.

Fluchtgedanken wieder verdrängt

"Das war ein echter Schock. Alles war anders. Und alles anders, als wir es uns gedacht hatten", berichten Rachel und Patti bei unserem Wiedersehen offen und ehrlich. Die Fluchtgedanken kamen schon nach wenigen Wochen, wurden aber trotzig-tapfer wieder verdrängt. Patti hatte Probleme an seinem neuen Arbeitsplatz, Rachel mit dem Alltag. Nach dem Umzug in das großzügige Haus eines belgischen Ehepaares mit Garten und Pool entspannte sich die Lage. Aber von Zufriedenheit noch keine Spur.

Johannesson im Clinch mit dem laschen Trainer und der unstrukturierten Spielweise, Rachel im Kampf gegen Langeweile und Vereinsamung. Morgens brachte die attraktive Brünette die beiden Kinder Baldur (6) und Johannes (4) zur deutschen Schule ins 20 Kilometer entfernte San Sebastian, am Nachmittag holte sie die beiden wieder ab. Schularbeiten beaufsichtigen, Abendessen vorbereiten. Und immer warten.

Spätschicht im Training

Ihren Mann bekam sie erst spät am Abend gegen halb elf Uhr nach dem zweiten Training zu sehen. Am Anfang wartete sie auf Patti. Aber die späte Kost "schmeckte" ihr gar nicht. "Eigentlich wollte ich nur für meine Männer da sein, aber ich bin vor Einsamkeit verrückt geworden", gesteht Rachel. Ihr Entschluss, an der Uni von San Sebastian das Grafik- und Designstudium fortzusetzen, entpuppte sich als wichtiger Schritt aus der Isolation.

Während Patti in seinem Landsmann Helmar Felixsson eine große Sprachhilfe fand, mussten sich Rachel und ihre Kinder auf eigene Faust durchschlagen. Ihre Versuche, Kontakt zur spanischen Nachbarschaft aufzunehmen, endeten in einer sprachlichen und menschlichen Sackgasse. "Die Leute hier leben in sehr engen Familienzirkeln. Als Fremder hast Du keinen Zutritt", lautet das bittere Fazit nach fast einem Jahr.

Schon gar nicht, wenn man kein Baskisch spricht. Der Pflichtsprache, auch in der Schule. Englisch - krasse Fehlanzeige. Französisch ja, aber da heißt es für die Isländerin "rien ne vas plus". Umso wichtiger war die Kontaktpflege zu Familie und Freunden auf Island und in Deutschland per Internet oder Handy.

Besucher waren und sind mehr als willkommen in dem vanillegelb getünchten Haus, in das vor wenigen Wochen der weiche und wollknäuelige Welpe "Rex" einzog. Jetzt ist noch mehr Leben in den gemütlichen vier Wänden mit alten Weichholzmöbeln, riesigen Silberleuchtern und Bildern der kreativen Hausherrin.

Besserung nach Trainerwechsel

Nach einem Trainerwechsel läuft es endlich für den ehemaligen Tusem-Kapitän zufriedenstellender, auch wenn er seine Tusem-Kumpels noch immer schwer vermisst. "Das war Freundschaft unter Männern. So etwas gibt es hier nicht." An dem kleinen und quirligen Spanier Julian Ruiz, der auch schon als Trainer in Niederwürzbach arbeitete, kann sich Patti so richtig reiben. So, wie er es mag. "Er ist hart, aber direkt. Damit kann ich arbeiten."

Sein absoluter Lieblingstrainer aber ist und bleibt Iouri Chevtsov. Heutzutage telefonieren sie häufig miteinander. In lockerem Ton. "Wir können uns jetzt mehr sagen, weil ich nicht mehr sein Spieler bin."

Kontakt hält die Familie auch mit Sigurdssons, Lauritzens, Krebietkes. Am 4. April gibt es ein Wiedersehen in Essen. Rachel und die Kinder fliegen für zehn Tage über Ostern ein. Die Vorfreude ist schon groß. Und die Sorge um den Tusem.

Patti liest im Internet geradezu gierig alles nach, was er finden kann über die aktuelle Lage des Traditionsvereins. Er gehörte zu den ersten Gratulanten nach dem Einzug ins Europapokal-Halbfinale. Und er gehörte zu den Ersten, die das Aus gegen Portland San Antonio bedauerten. "Portland hat schon ein Top-Team. Aber so darf man nicht verlieren."

Es gibt viel mehr Freiheiten

Manchmal sehnt er sich förmlich nach dem Druck in Handball-Deutschland. In der spanischen Liga geht alles einen ganz anderen Gang. Trainiert wird auch zweimal täglich, aber längst nicht so hart oder so taktisch ausgerichtet wie in Alemania. Es gibt viel mehr Freiheiten.

So, wie sie sie hier vor zwei Jahren noch der französische Nationalspieler Patrick Cazal genoss. "Er wird hier noch immer regelrecht verehrt. Er war der absolute Star und Publikumsliebling." Überall, wo Bidasoa auftauchte, hängt ein Trikot von Cazal. Auch in einer der berühmten Ciderias, wo aus riesigen alten Eichenfässern der prickelnde Apfelwein in Strömen läuft.

Patti hat oft an seinen ehemaligen Teamkollegen Patrick gedacht. Auf den bis zu 13 Stunden langen Busfahrten zu den Meisterschaftsspielen bis hinunter nach Almeria zum Beispiel ist dafür mehr als ausreichend Zeit. "Ich kann ihn jetzt in vielen Punkten viel besser verstehen. Der Schock nach einem solchen Wechsel ist schwer zu verdauen. Aber man darf sich auch nicht verschanzen, sondern muss auf die Leute zugehen oder sie sogar in den Allerwertesten treten und sich durchsetzen. Wenn er das nicht kann oder der Zeitpunkt dafür verpasst ist, muss er die Konsequenz ziehen und sich was anderes suchen."

Jahrhundert-Sommer

Noch ein Jahr will Familie Johannesson an der wilden und auch mondänen Atlantikküste bleiben. Danach geht es wohl zurück auf ihre Heimatinsel. Das Fernweh überkommt sie oft. Gerade auch dann, wenn die Temperatur in Irun auf atemraubende 48 Grad ansteigt, so wie im letzten Jahrhundert-Sommer. "Dafür sind wir Isländer nicht gemacht." Aber für Freundschaften.

02.04.2004 SABINE HANNEN"

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