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Dienstag, 15. Januar 2013, 15:53

Knorpelzelltransplantation im Knie - Erfahrungen

Hallo zusammen,

bei mir wurde im Januar 2012 ein 4.gradiger Knorpelschaden im linken Knie diagnostiziert. Daraufhin wurden mir im März 2012 Knorpelzellen entnommen und im Labor angezüchtet. Im April hat man mir dann diese wieder eingepflanzt. Zusätzlich wollten sie noch eine Beinachskorrektur vornehmen (Oberschenkelknochen brechen und mit Platte fixieren), was ich aber abgelehnt habe. Versuche dies seither mit Beinachsentraining ohne OP in den Griff zu bekommen. Eine genaue Diagnose, wann ich wieder Handball spielen kann, wollte mir in der Klinik keiner geben. Mein behandelnder Arzt hat mir vor ca. einem Monat wieder da "GO" gegeben. Seither spiele ich wieder 100 %. Zum Großteil geht dies auch wieder sehr gut, jedoch machen mir manche Dinge (z.B. auf diesem Bein abspringen) noch ziemlich Probleme.


Hat jemand von euch Erfahrungen mit einer solchen OP und dem Heilungsverlauf??

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Mittwoch, 16. Januar 2013, 15:34

Wie haben Sie das Anheilen der Knorpelzellen/die Dicke der neuen Knorpelschicht beurteilt? Per MRI/MRT, neuerlicher Arthroskopie oder nur aufgrund der Besserungstendenz ohne weitere Diagnostik? Wie dick ist die Schicht? Kann man davon ausgehen, dass Du Jg 1985 bist? Wie gross war die Fläche, die gedeckt wurde? War der Defekt innen oder aussen am Knie? Wie ist deine Beinachse (O- oder X-Bein, man besten wieviel Grad weicht die Mitte deines Knie aus dem Lot)? Sind sonstige Patholgien wie z.B. ein Meniskusschaden oder ein Kreuzbandriss vorhanden? Leider sind dies und nicht allein die Technik der Knorpelzelltransplation die entscheidenen Parameter. Vorallem wie dick ist die Knorpelschicht und wie viel Zeit ist seit der OP vergangen?

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »SLN!« (16. Januar 2013, 15:34)


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Mittwoch, 16. Januar 2013, 15:56

Es wurde kein MRT o.ä. mehr gemacht. Es wurde nur aufgrund meines Schmerzempfindes, Belastbarkeit, Beweglichkeit etc. beurteilt...habe mich darüber sehr gewundert, jedoch wurde mir bei der Nachuntersuchung in der Klinik gesagt, dass keine weitergehenden Untersuchungen wie MRT o.ä. mehr gemacht werden, solange ich keine Probleme habe. Der Meinung war dann auch mein weiterbehandelnder Arzt (welcher viel mit Handballern zu tun hat, also auch die Belastung in dem Sport einschätzen kann).
Ich bin Jg 85, richtig.

Die Fläche, die abgedeckt wurde, war ca. 1,5 cm² groß. Der Schaden war an der Innenseite des Knies, ich hatte an diesem Knie keine weiteren Schädigungen wie Kreuzband-/Meniskusriss. An diesem Knie hatte ich zuvor nie eine schwerere Verletzung.

Ich habe eine X-Bein-Stellung, wieviel Grad weiß ich jedoch leider nicht mehr genau. In der Klinik wollte man es unbedingt per OP berichtigen, meine Physiotherapeutin meinte aber, dass das in meinem Fall auch konservativ behandelt werden kann.

Wie dick die Knorpelschicht nun ist, kann ich gar nicht sagen, da ja keine weiteren Untersuchungen mehr gemacht wurden. Eingepflanzt wurden die Knorpelzellen im April 2012, also vor acht Monaten.

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Freitag, 18. Januar 2013, 07:32

Knorpelzell- Transplantation

Wie ich schon einmal geschrieben habe, ist die Dicke (neben der Dichte und Verbindungsfestigkeit) der Knorpelschicht entscheidend. Einfach gesagt verhält es sich wie dein Bankkonto, je mehr drauf ist (und strapazierfähig der Knorpel) desto besser ist es. Da man keine Kontrolle hat, weiß man nicht genau wie viel Reserven du angereichert hast. (Später geht es hier noch weiter)

Dass keine zusätzlichen Schäden vorhanden sind und Du ein X-Bein hast, ist dies in deinem Fall als sehr gut zu bezeichnen. Durch das X wird dein Körpergewicht mehr über die Außenseite „auf den Boden“ übertragen und damit deine Reserven auf der Innenseite geschont. Ein spezielles „Achsentraining“ hat meines Erachtens hierauf keinen grossen Einfluss. Ggf. können –wenn nötig/Schmerzen- Schuheinlagen die Achse noch mehr beeinflussen.

Es gilt die Reserven weiter zu schonen, da das Tissueengeniering meines Wissens noch keine stabilitätsoptimierten Knorpel“platten“ entwickelt hat. Das bedeutet, dass Dir eine mehr oder weniger flüssige Masse aus Knorpelzellen unter eine Schutzmembran eingebracht wurde. Diese flüssige Masse muss sich erst einmal wieder zusammen finden. Wie stabil (über die Zeit) die Knorpelzellen untereinander vernetzen und einheilt, ergibt zusammen mit der Dicke des Regenerats deine Reserven. (Später geht es hier noch weiter)

Auch solltest Du den Dehnungszustand der gesamten Beinmuskulatur optimieren, um den Druck von Gelenk zu nehmen. Auch zuviel Körpergewicht sollte vermieden werden. Die Muskulatur sollte vor allem in Richtung Propriozeption und Koordination verbessert werden, damit das Kniesystem schnell und optimal auf veränderte Situationen reagieren kann und somit die Knorpelzellen vor einer Überbelastung schützt.
Die Knorpeltransplantationen sind teuer, da die Zellen nach Entnahme aus Deinem Knie im Labor vermehrt werden müssen und in einer zweiten Operationen reimplantiert werden. Meist sind die Fallzahlen der einzelnen Studien klein, so dass hieraus keine unzweifelhaften Endschlüsse gezogen werden kann. In einer neueren Metaanalysen (wissenschaftliche Zusammenfassung der Arbeiten über ein Thema über mehrere Jahre) resümierten die Autoren an überblickten 460 Patienten mit „autologous and matrix assisted chondrocyte implantation demonstrated both 'good to excellent' histological results and significant improvement in clinical outcomes„ (The present state of treatments for articular cartilage defects in the knee.Perera JR, Gikas PD, Bentley G., Ann R Coll Surg Engl. 2012 Sep;94(6):381-7 Review). Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass in den zugrundeliegenden Arbeiten meist nur ein kurzer Zeitraum von ca. 5 Jahren überblickt wird. Dies liegt daran, dass die Methoden einfach erst vor 5 bis 10 Jahren erst so richtig angewendet werden. Grundsätzlich scheint sich jedoch die Matrix assoziierte Chondrogenese durch zu setzen. Hier werden in den freiliegenden Knochen (=Knorpelschaden Grad IV) kleine Bohrungen/Löcher gemacht und mit einer Kollagenmembran gedeckt. Das Anbohren des Knochens macht man schon seit Jahrzenten (=Bridie-Bohrung oder Mikrofrakturierung). Die Deckung mit einer Mebram ist jedoch neu. Die aus deinem Knochenmark austretenden, eigenen Stammzellen im Blut werden so vor Ort gehalten und bilden vor Ort eine „neue“ Knorpelschicht, den man Regeneratsknorpel nennt. Die Ergebnisse sind wohl so gut wie bei der Transplantation. Es muss jedoch nur einmal operiert werden und die Gesamtkosten sind auch viel tiefer. Wie gesagt, gibt es keine Langzeitergebnisse. Die American Association of Orthopedic Surgeons schlägt sogar vor Läsionen <4cm nur mit Mirkofrakturierung zu behandeln (Evidence-based therapy for cartilage lesions in the knee - regenerative treatment options, .Proffen B, von Keudell A, Vavken P., Z Orthop Unfall. 2012 Jun;150(3):280-9. doi: 10.1055/s-0031-1298387. Epub 2012 Jun 21. Review. German). Dies wohl auch unter dem Hintergrund, dass man sich die Volkswirtschaft/-versicherung die Masse an teuren Behandlungen schlicht weg nicht leisten kann und die anderen Methoden auch gute Ergebnisse erzielen. Nach dieser zusammenfassenden Arbeit gibt es jedoch noch keinen einheitlichen Anhandlungsalgorhythmus für Knorpelschäden.

D.h. Du hast zwei Möglichkeiten: Ich will einfach Handball spielen, egal was dann noch –operativ- kommt. Oder Du schonst Deine Ressourcen und suchst dir kniegeeignete Sportarten. Egal welche Sportart Schmerzen und Schwellungsneigung sollten jedoch unbedingt vermieden werden, da diese eine Überlastung anzeigen.Gruss SLN

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SLN!« (18. Januar 2013, 07:32)


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Sonntag, 17. Februar 2013, 13:43

Ich finde es sehr verwunderlich, dass keine weiteren Untersuchungen wie ein MRT mehr gemacht wurden.

Klar ist auf jeden Fall, wenn Du noch Probleme hast, dass noch nicht alles 100 prozentig in Ordnung ist.

Ich würde auch immer eine konservative Methode vorziehen, bevor ich zu einer OP greife - gut ich bin auch kein Profisportler - aber bei einer X-Bein-Stellung würde ich mich vor dem Brechen der Knochen auch graußen. Was sagt denn Deine Physio dazu, dass Du wieder zu 100 Prozent eingestiegen bist?

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Dienstag, 19. Mai 2015, 15:57

Nachdem jetzt ein paar Jährchen vergangen sind, dachte ich, ich gebe mal nochmal Rückmeldung wie sich alles so entwickelt hat. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre noch schmerzfrei Handball spielen können. Habe nun aber aufgehört, was aber nicht an der damaligen Verletzung liegt. Ich kann also sagen, dass sich die OP bei mir damals absolut gelohnt hat. Vielleicht macht das ja auch ein paar anderen Leuten Mut, da ich gerade immer wieder von diversen Knorpelschäden und dergleichen höre.

7

Mittwoch, 28. November 2018, 18:16

Mittlerweile hat sich in Sachen Knorpeltransplantation Einiges getan, so dass die Ausführungen von 2013 nicht mehr aktuell sind.

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8

Mittwoch, 28. November 2018, 22:42

Kannst Du das erwas ausführen, oder Info Quellen angeben. Das würde mich sehr interessieren!

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