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Sonntag, 11. Juni 2017, 11:08

Kreuzbandriss durch Ligamys behandeln lassen

Hallo,
es gibt jetzt eine neue OP-Technik bei der man das eigene Kreuzband erhalten kann und hiermit die körpereingenen Funktionen erhalten bleiben.

Durch Ligamys soll die Sehne erhalten bleiben. Wird seit ca. 2013 in Deutschland angewandt. Man soll auch sämtliche Kontaktsportarten damit wieder ausüben können.

Wer hat damit Erfahrungen?

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Donnerstag, 29. Juni 2017, 09:00

Ligamys ist eine Kreuzband erhaltende Operationstechnik nach einem Riss des vorderen Kreuzbandes VKB (eine Sehne ist mit einem Muskel verbunden, ein Band wird rein passiv aufgespannt). Alternativ wird das InternalBrace- System verwendet.
Beide Verfahren ziehen im Verlauf des gerissenen Bandes ein künstliches, nichtauflösendes (dünneres) Band ein, welches in der Zeit der Heilung des VKBs dessen Funktion übernimmt und dies deshalb in dieser Zeit schützt. Das VKB selbst wird wieder "genäht". Das VKB wurde schon führt genäht, hat aber auf sich alleine gestellt nicht gehalten, da die einwirkenden Kräfte zu hoch sind. Dies sollen nun die Bänder abfangen. (Gleichzeit werden zusätzliches Schäden im Gelenk -wie Meniskusrisse- gesucht und gehoben. Dies ist sehr wichtig, da man nicht alle Schaden immer im MRT sieht, diese aber auch zur Stabilität beitragen und bei Schaden eine Arthroseentwinklung begünstigen)
Der grosse Unterschied liegt beim Ligayms in einer im Unterschenkel implantierten Feder, welche dem künstlichen Band als Aufhängung dient. Da natürliche Bänder anatomischer Weise auch eine Eigenelastizität haben, soll die Feder gerade diese (aber nicht mehr) Dynamik zulassen. Das InternalBrace ist hingegen an beiden Enden starr aufgehängt. Hierzu existiert auch eine biomechanische Vergleichsstudie.
Die Erfahrungen seit Einsatz zeigen, dass jedoch nicht alle Rissformen auf diesen Weise versorgt werden. U.U. muss auch ein gleich eine Kreuzbandersatz durchgeführt werden (s.u. Patientselektion). Dieses "Risiko" kann man anhand des MRIs und der Arthroskopie abschätzen.
Ärzte, welche schon über 100Stk. eingesetzt habe sehen das "Risiko" im Zweistelligen Bereich. Auch warnen diese vor überambitionierter Eigennachbehandlung des Patienten nur weil es ihm gut geht. Bei diesen übermotivierten Patienten sind die Ergebnisse nicht so gut, wie bei anderen.
MRI Verlaufsstudien nach diesen Operationen sind in Arbeit, jedoch noch nicht vorhanden. Nach einer regulären VKB- Ersatzoperation ist in solchen MRI Studien das Kreuzband ein halbes Jahr nach Operation jedoch "am schlechtesten"/stärkste Flüssikeitsansammlung im gesamten Band. Dies ist aber genau der Zeitpunkt, wo sich der Patient wieder gut fühlt und auf's Feld geht. Häufig ist dies der Zeitpunkt an welchem es wieder zu Rerupturen kommt (Steinhäuser, Badstuber).
Auch kommt es mit veröffentlichten (s.u.) 60% häufig vor, dass die Felderschraube wieder entfernt werden muss. Kleiner Eingriff, jedoch ein Eingriff.
Diese misst bisher 1cm Breite, so dass eine eventuell VKB Ersatzplastik zu einem späteren Zeitpunkt -aus welchem Grund auch immer- genau in diesem "Knochenloch" stattfinden muss. Der Hersteller will dies noch auf 8mm reduzieren, so dass dieses "Loch" ggf. einfach noch direkt über bohrt/angefrischt werden kann. In der u.g. Studie waren dies 10%.
90% waren nach zwei Jahren mit der Stabilität ihres operierten Knies zufrieden und gute Stabilitätscores. Da die Grunddaten schon aus den Jahren 2012 stammen und hier noch alle VKB-Rupturstypen gleichermassen versorgt wurden, könnte die Stabilitätsrate durch vorherige oder intraoperative Patientenselektion nun ev. auch höher ausfallen.

Zusammengefasst handelt es sich um eine neue, durchaus überlegenswerte Methode zur Stabilisierung des Gelenkes nach frischer VKB Ruptur. Die OP muss in den ersten drei Wochen nach Ruptur durchgeführt werden (!) und kann bei erfolgreichem Verlauf ev. eine reguläre VKB Ersatzplastik umgehen. Diese kann bei Bedarf dann immer noch durchgeführt werden (Wahrscheinlichkeit ca. 10%). Durch die gleichzeitige Kniearthroskopie können Zusatzpathologie noch besser als im MRI erkannt und vor allem gleichzeitig behoben werden.
Es handelt sich um ein kreuzbanderhaltendes, kniestabilisierendes Verfahren (Erfolg ca. 90%). Ob hierdurch die langfristigen Arthroseraten reduziert werden können, muss die Zeit zeigen.

Weiterführende Literatur zu Ergebnissen:
Bone Joint J. 2016 Jun;98-B(6):793-8. doi: 10.1302/0301-620X.98B6.35040.
Dynamic intraligamentary stabilisation: initial experience with treatment of acute ACL ruptures.
Kohl S1, Evangelopoulos DS1, Schär MO1, Bieri K1, Müller T1, Ahmad SS1.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »SLN!« (29. Juni 2017, 09:00)


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