Max Merkel ist verstorben

  • Trauer in der Bundesliga: Max Merkel ist tot

    Max Merkel galt als einer der erfolgreichsten Bundesliga-Trainer. Am Dienstag verstarb der gebürtige Österreicher im Alter von 87 Jahren. Foto: AP

    MÜNCHEN -
    Der große Zampano ist tot. Trainer-Legende Max Merkel starb am Dienstagabend im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Putzbrunn bei München. Der gebürtige Wiener hinterlässt Ehefrau Marion und seine Tochter Maxi (34). "Sein Tod erfüllt mich mit Trauer", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger in seiner ersten Reaktion, "er war ein großartiger Trainer und auch ein Unterhaltungskünstler." Uwe Seeler, der beim Urlaub in Österreich von der Nachricht überrascht wurde, bezeichnete Merkel als "tollen Trainer, netten Menschen und Spaßvogel, der bis ins hohe Alter immer einen Spruch auf den Lippen hatte."

    Merkel hatte gleich drei erfolgreiche Karrieren erlebt. Zunächst als eisenharter Verteidiger, wo er sowohl für Österreich, als auch für Deutschland jeweils ein Länderspiel bestritt. Anschließend als Trainer, wo er mit Rapid Wien (1957), 1860 München (1966), dem 1. FC Nürnberg (1968) und Atlético Madrid (1973) insgesamt vier nationale Meistertitel gewann. Und schließlich 28 Jahre lang als Kolumnist der "Bild".

    Nicht erst dort war Merkel für seinen Wiener Schmäh gefürchtet. Als Trainer der Münchner "Löwen" wurde er 1967 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu einer Geldstrafe von 10 000 Mark verdonnert, weil er bemerkte, das einzige Positive am 1. FC Köln sei der Geißbock: "Und der stinkt auch noch."

    Über deutsche Funktionäre behauptete er: "Die wissen nicht einmal, dass im Ball Luft ist. Die glauben doch, der springt, weil ein Frosch drin sitzt." Und seine Trainings-Methoden erklärte er mal mit einer Anekdote: "Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da hab i g'sagt: Sauft's weiter."

    Doch Merkel war auch ein harter und vor allem erfolgreicher Arbeiter. "Er war in seiner Zeit einer der besten Trainer in Deutschland", sagte Bayern Münchens Trainer Felix Magath nach der Kunde von Merkels Tod: "Der deutsche Fußball beklagt den Verlust einer Persönlichkeit."

    Auch beim 1. FC Nürnberg, der unter Trainer Merkel 1968 seine bislang letzte deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, herrscht große Trauer. "Max Merkel war ein erfolgreicher, großer Fußballtrainer. Der 1. FCN und der Fußball in Deutschland haben ihm unendlich viel zu verdanken", sagte Club-Präsident Michael A. Roth.

    Merkels Motto war "Zuckerbrot und Peitsche", damit musste er bei seiner ersten Station als niederländischer Nationaltrainer (1954 bis 56) in 18 Spielen nur eine Niederlage hinnehmen, besiegte unter anderem Weltmeister Deutschland 1956 mit 2:1. In München und Nürnberg wurde er allerdings im Jahr nach dem Titel jeweils entlassen, der FCN stieg anschließend sogar als bis heute einziger Titelverteidiger ab.

    Anschließend ging Merkel nach Spanien, zunächst zum FC Sevilla. "Das war vielleicht die schönste Zeit", sagte er: "Weil das alles mit menschlicher Wärme verbunden war." Zu seiner Zeit in Madrid Mitte der 70er-Jahre kaufte er sich ein Reihenhaus in Putzbrunn vor den Toren Münchens, wo er zuletzt mit seiner Ehefrau Marion zurückgezogen lebte. Seitdem er auf Grund von Rückenbeschwerden auf das Tennisspielen verzichtete, widmete er sich mehr und mehr klassischen Konzerten. Auch ein Wein-Liebhaber war Merkel, aber andere als österreichische kamen ihm nicht auf den Tisch.

    Seine Kolumne pflegte Merkel, der für zwei Kurzgastspiele (Schalke 1975/76 und Karlsruhe 1981/82) noch mal in die Bundesliga zurückkehrte, bis zuletzt. Noch in diesem Sommer hieß es in der "Bild": "Max merkelt wieder". Es sollte das letzte Mal gewesen sein.

    HA
    erschienen am 30. November 2006

    http://www.abendblatt.de/daten/2006/11/30/646342.html

    "Mit dem Ende des Kinos werden wir vertrieben worden sein aus einem Paradies"
    ( Peter Handke)

    "Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung"
    ( Theodor W. Adorno )