Aus welchem Grund die Kasi-Group nicht in Kiel als Hauptsponsor aktiv werden wird, ist ja nun völlig spekulativ. Verschiedene Szenarien sind denkbar:
1.) Die wenig professionelle Außendarstellung im Kieler Sommertheater hat bei den Verantwortlichen der Dänen nicht eben den Eindruck der Seriosität ihrer Gesprächspartner hinterlassen.
2.) Der THW konnte mit der Provinzial keine Einigung über einen möglichen vorzeitigen Ausstieg erzielen. Die Kasi-Group wollte nicht länger warten und unbedingt schon zur kommenden Saison in der HBL präsent sein.
3.) Der THW musste der Kasi-Group absagen, weil er keine Chance sah, aus dem Vertrag mit der Provinzial herauszukommen.
Man darf allerdings sicher davon ausgehen, dass die Krösis nicht der attraktivere Partner sind. Die öffentliche Wahrnehmung des THW dürfte schon durch die Erfolge der vergangenen Jahre deutlich größer sein als die des Hoppschen Spielzeugs. Schließlich erfolgte die Kontaktaufnahme mit dem THW durch die Initiative der Dänen, was ja ihr Interesse deutlich untermauert.
Was auffällt: Früher zeichnete sich die Kieler Führung dadurch aus, dass nur Tatsachen an die Öffentlichkeit gelangten - und zwar vollendete. Über Transfers etwa wurde nicht öffentlich spekuliert, man schwieg und verkündete schließlich unterschriebene Verträge.
Inzwischen aber wirkt das Kieler Management häufiger unprofessionell: Abgesehen vom leidvollen Sommertheater tauchten auch die Verhandlungen mit Kasi in der Öffentlichkeit auf und wurden auch von den Kieler Protagonisten in den Medien Wasserstandsmeldungen gleich kommentiert.
Mir drängt sich wiederholt der Eindruck auf, dass in Kiel nicht alle mit den Erfolgen der letzten Jahre souverän umzugehen verstehen. Im Gegenteil: Provinzialität und Selbstgefälligkeit schreiten gemeinsam händchenhaltend an der Förde entlang und begeistern sich eitel an vergangen Erfolgen.
Mit der erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit, der aufbegehrenden nationalen Konkurrenz und der veränderten finanziellen Landschaft des deutschen Handballs wirkt die Kieler Führung zunehmend überfordert.
Zu Storm: Natürlich sind die RNL ein absoluter Kandidat für Titel. Nicht erst zukünftig, sonder ab sofort. Ihr Kader platzt geradezu vor sehr namhaften Spielern. Da liegt allerdings umgekehrt auch die Krux: Gemessen an den Möglichkeiten, die offensichtlich zur Verfügung stehen, muss der sportliche Ertrag bislang als mau angesehen werden. Wenn im kommenden Jahr nicht endlich Erfolge zu verzeichnen sind, muss man die Verantwortlichen eigentlich als gescheitert betrachten. Storm hat bislang eigentlich nur bewiesen, dass er Talent darin besitzt viel Geld auszugeben.
Mit viel Geld prominente Spieler zu verpflichten, braucht man aber nicht als Managementleistung abzufeiern. Spieler zusammenzustellen, die eine funktionierende Mannschaft ergeben, ist die Kunst. Sollte das bei den RNL nicht endlich gelungen sein, dürften die Tage von Trainer und Management gezählt sein. Mit Recht.