Das Kernproblem, das ich generell bei der Parteiendemokratie hier in Deutschland sehe, liegt etwas anders begründet. Wenn man sich innerhalb der Parteien anschaut, wer dort für Ämter vorgesehen wird, so sind es im Allgemeinen nicht diejenigen mit den besten Fähigkeiten für das jeweilige Amt. Ganz oft sind es diejenigen, die innerhalb der Parteienhierarchie sich einen Posten verdient haben und die vielleicht etwas mehr wissen über ein bestimmtes Spezialgebiet als ihre Parteikollegen, was sie aber noch lange nicht zu Fachspezialisten macht.
Ein kleines Beispiel: Während der Regierungszeit von Helmut Kohl gab es in der Legislaturperiode 1987-1991 alleine vier Umbesetzungen, bei denen ein Minister von Ministeramt A zu Ministeramt B wechselte. Darunter so "naheliegende" Ressortwechsel wie Inneres > Verkehr oder Verkehr > Wirtschafliche Zusammenarbeit. Getreu dem Motto: Eigentlich ist es doch egal, wen wir dahinsetzen. Es gibt im Ministerium eh genug Leute, die Ahnung von der Materie haben, da muss nicht auch noch der Minister Ahnung davon haben.
Sicherlich ist ein wenig dran an dieser Einstellung. Aber wenn ich als Bürger eines Landes eine Regierung wähle, dann will ich nicht, dass die Personen dort beliebig ausgetauscht werden, sondern ich will tatsächlich Leistung von den Personen dort sehen. Und das verhindert unser Parteiensystem größtenteils recht effektiv. Genauer: Das System der Nominierungen innerhalb der Parteien.
Innerhalb der Parteien sieht es so aus, dass man sich mit Eintritt in die Jugendorganisationen Seilschaften aufbaut, mit deren Hilfe man immer wichtigere Posten erlangt, bis man an die Pfründe gelangen kann, sprich dorthin, dass man einen Parlamentsposten direkt (oder indirekt) ergattert. Direkt, indem man gewählt wird, indirekt, indem man einem direkt gewählten Parlamentarier zuarbeitet und bezahlter Assistent wird. Wer diese Knochenmühle jahrelang aushält und sich stets brav innerhalb seiner Seilschaften loyal verhält, hat sehr gute Chance, später auch mit einem Posten belohnt zu werden (ich habe nach einem Jahr zuviel davon gehabt). Man brät im eigenen Saft und sieht kaum noch / nicht mehr über den Tellerrand, so dass man die echten Probleme zum Teil gar nicht erkennt, die es im Land gibt. Und was das wichtigste ist: Man ist letztlich der Partei so stark verpflichtet, dass die Verpflichtung dem Land gegenüber, dem man eigentlich gemäß Treueeid verpflichtet ist, dahinter zurücksteht.
Die Folgen sind offensichtlich: Keine Partei hat den Mut, notwendige Reformen soweit anzupacken, dass sie einen wirklichen Schub bringen, aus Angst, man würde zu viele Wähler vergraulen, so dass die Partei bei der nächsten Wahl schlechtere Karten hätte. Im Gegenteil, der Misserfolg bei irgendwelchen Teilreformen wird stets dem politischen Gegner untergeschoben.
Wenn alle Politiker die Energien, die sie in parteiinterne Klüngelei und in gegen konkurrierende Parteien gerichtete Angriffe stattdessen in politische Reformen stecken würden, wäre ich hinsichtlich der Zukunft unseres Landes deutlich optimistischer. Aber man will wiedergewählt werden, will noch möglichst lange vom Steuerzahler bezahlt werden, so dass man alles tut, um dem Steuerzahler bis zur nächsten Wahl in guter Erinnerung zu bleiben.
Nein, ich sehe keine wirkliche Alternative zu einer Demokratie. Und eigentlich bin ich auch für mehr direkte Demokratie in unserem Land, weil es dann vielleicht mal um Themen geht statt um Parteien.
Direkte Demokratie hat natürlich den immensen Nachteil, dass die Medien noch mehr als derzeit an Macht gewinnen würden. Ohne, dass die Medien groß eingestiegen wären, hätte es Ullas Auto-Affäre gar nicht gegeben, da jetzt ja alles gut ausgegangen ist (also Auto wieder da) und auch der Rechnungshof keinerlei Beanstandungen hatte. Aber die Medien suchten nach einem Opfer und haben ein dankbares Opfer gefunden.
Wenn es wie im Falle der direkten Demokratie angedacht darum geht, ein Thema pro oder contra abstimmen zu lassen, wird der Focus sehr stark auf denjenigen liegen, die diese Themen eingebracht haben, da die Medien ein solches Thema viel besser über eine Person rüberbringen können. Und wenn nun die Person, die mit dem Thema identifiziert wird, einen Fehler macht, würde der Sache dadurch geschadet werden, selbst wenn es mit dem Thema absolut nichts zu tun hatte.
Und ja, ich halte den deutschen Durchschnittswähler für fremdbestimmt genug, um sich von den Medien leiten zu lassen. 11,5 Mio. Bild-Leser pro Tag können nicht irren. 
Was diese Wahl angeht, tendiere ich derzeit zur Piraten-Partei. Ihre Agenda finde ich in Ordnung und es ist eine sinnvolle Proteststimme, wenn man sie wählt. Und Schäuble ärgert sich. 
Sorry, etwas lang geworden... 