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Oleg Velyky: „Handball ist kein Medikament“
Endlich mal eine gute Handball-Nachricht, eine ermutigende gar: Nationalspieler Oleg Velyky (31) hat nach 14monatiger Pause für seinen HSV gegen Kiel, begleitet von Standing Ovations und ergreifenden Sympathiebekundungen des Publikums – auch der THW-Fans –, ein Comeback gegeben – trotz seiner noch nicht überstandenen Hautkrebserkrankung. Im Interview für handball-world.com sprach Oleg Velyky mit Frank Schneller.
Mit zwei brillanten Anspielen gegen die Abwehr des Rekordmeisters unterstrich der ehemalige Rhein-Neckar Löwe während seiner kurzen Einsatzphasen seine Extraklasse. Das erste Spiel – übrigens auch für den HSV – nach zudem erlittenen Kreuzbandriss (am 17.1.2008 bei der EM) hat den gebürtigen Ukrainer (seit 2004 Deutscher) sichtlich bewegt. Wie es ihm wirklich geht, wissen bislang jedoch die Wenigsten ...
Herr Velyky, ist Ihnen die herzliche Begrüßung der Fans bei Ihrem Kurzeinsatz letzten Samstag noch gegenwärtig?
Oleg Velyky:
Ja. Es wurde ein Traum wahr. Aufs Spielfeld zu kommen war ein Riesengefühl. Ich habe mich sehr gefreut und es genossen. Ich kann das kaum beschreiben, habe schließlich lange für diesen Tag und diese Momente gekämpft.
Wie haben Sie Ihren Auftritt und die Reaktionen auf den Rängen in Erinnerung?
Oleg Velyky:
Ich habe ein Geschenk bekommen, mitspielen zu dürfen. So sehe ich das. Und ich wollte helfen, weil wir so viele Verletzte haben. Es war ein Geben und Nehmen. Und zu den Reaktionen der Leute: Diesen Zuspruch und diese Emotionen – das kann man nicht kaufen. Da das Publikum überrascht war, dass ich plötzlich ein Trikot trage und ein paar Minuten mitspiele, konnte nichts vorbereitet werden. Applaus und Reaktionen auf den Rängen waren spontan. Und das sind dann die ehrlichsten.
Sehen wir Sie ab jetzt wieder häufiger in Aktion? War das Spiel gegen Kiel tatsächlich ein echtes Comeback?
Oleg Velyky:
Ich habe auf diese Frage noch keine klare Antwort. Ich weiß noch überhaupt nicht, wie es weitergeht. Für ein richtiges Comeback ist es noch zu früh. Jeder neue Tag erfordert seine eigene Strategie. Da sind Zukunftspläne schwer möglich. Ich werde aber weiterhin alles dafür tun, Handball spielen zu können, solch wunderbare Gefühle wie letzten Samstag zu genießen. Jede Gelegenheit, dabei zu sein, will und werde ich nutzen. Mehr kann ich nicht garantieren.
Sie haben demnach Ihre Erkrankung noch nicht überwunden?
Oleg Velyky:
Einzelheiten mag ich nicht verraten. Ich bin unter ständiger Kontrolle und in Behandlung, das stimmt schon. Die Sache ist noch nicht ausgestanden, aber ich fühle mich gut. Ich habe auch kein Sportverbot bekommen, bin – vom Hautkrebs abgesehen – ein gesunder Mensch. Darum haben mir die Ärzte auch den Handball nicht untersagt.
Sie waren trotz der Krebsbehandlungen bereits länger wieder im Mannschaftstraining ...
Oleg Velyky:
Ja. Anders als für das Publikum war mein kurzer Einsatz für meine Mannschaft und mich keine Überraschung. Verein und Team stehen voll hinter mir, alle wollen helfen und geben mir das Gefühl: Ich bin nicht allein. Also habe ich diesen Moment lange vorbereitet, war – so oft und so gut es ging – dabei. Natürlich bin ich körperlich nicht bei 100 Prozent, da ich etliche Trainingseinheiten verpasst habe wegen der Eingriffe und den Wunden, die erst heilen mussten.
Dient der Handball auch als mentale Therapie, als Ablenkung, beschleunigt es gar den Heilungsprozess?
Oleg Velyky:
Diese Fragen sind nahe liegend. Dafür habe ich Verständnis. Aber: Sport, Handball ist kein Medikament. Es ist etwas Ablenkung, ja. Aber man kann die Gedanken an eine solche Krankheit nicht einfach abschalten. Muss ich auch nicht. Ich gehe ganz bewusst mit meiner Krankheit um und gegen sie an. Ich will nicht weglaufen vor ihr, sie nicht leugnen. Aber ich stecke auch nicht den Kopf in den Sand. Vielmehr versuche ich, die zwei Seiten meines Lebens maximal miteinander zu verbinden: Alles Positive auf der einen Seite und meine Erkrankung auf der anderen. Es gibt immer noch die Möglichkeit, weiter zu leben. Und auch, gut weiter zu leben.