Mittwoch, 25. Februar: Dieter M. schickt Uwe S. einen Brief, in dem er ihn darum bittet, zu Gerüchten Stellung zu beziehen, die Dieter M. zu Ohren gekommen seien, der THW Kiel hätte das CL-Finale 2007 manipuliert.
Donnerstag, 26. Februar, vormittags: Ein sichtlich überraschter Uwe S. teilt Dieter M. telefonisch mit, dass er keine Ahnung habe, wovon Herr M. rede. Dieter M. ist verwirrt.
Donnerstag, 26. Februar, mittags: Dieter M. möchte Klarheit in dieser Angelegenheit. Verständlich. Also informiert er Frank B. als Vertreter der HBL. Dieser zeigt sich natürlich schockiert und beraumt eine außerordentliche Sitzung für Montag, den 2. März in Hamburg an. Dort kann man tagsüber besser shoppen als in Kiel oder Mannheim.
Freitag, 27. Februar: Im Laufe des Tages treffen bei Herrn M. in Mannheim, Herrn R. in Hamburg, bei Uwe S. in Kiel und bei Herrn W. in Flensburg Nachrichten von der HBL ein, dass eine außerordentliche Sitzung der HBL-Führung in Hamburg geplant sei. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.
Freitag, 27. Februar, nachmittags: Beim netten Plausch mit einer Dame von der Geschäftsstelle eines Handballvereins in Flensburg, Hamburg, Kiel oder Mannheim (nach Alphabet sortiert, keine Wertung), erfährt der investigative Journalist Erik E. von einer außerordentlichen Sitzung der HBL-Führung. Natürlich ist er interessiert, worum es geht. Aber niemand reagiert zunächst auf seine Anfragen hinsichtlich des Themas.
Sonabend, 28. Februar: Erik E. recherchiert weiter und erfährt, dass es kein Lizenz-Vergehen sei, worauf er zuerst spekuliert hatte. Stattdessen gibt es Andeutungen, dass es sich um Manipulationen beim CL-Finale 2007 handeln soll. Ein Skandal!
Sonnabend, 28. Februar, nachmittags: Erik E. blättert in Archiven und Berichten von Handballspielen seit 1999 und stellt fest, dass zwei ihm bereits als "verdächtig" aufgefallene Schiedsrichter aus Polen - es ging um das Olympia-Finale der Damen 2004 in Athen - das Rückspiel des CL-Finales in Kiel gepfiffen hatten. Allerdings fragt sich Erik E. immer noch, wer dieses Gerücht überhaupt in die Welt gesetzt hat, so dass Dieter M. diese Anfrage an Herrn Schwenker gestellt hat. Ihm fällt eine Ungeremitheit auf: Am Mittwoch hatte Zvonimir "Noka" S. bekannt gegeben, dass er nicht als Trainer die Rhein-Neckar-Löwen in die nächste Saison führen werde. Das würde ja wie die Faust aufs Auge passen!
Sonntag, 1. März, vormittags: Erik E. versucht erneut diejenigen Personen ans Telefon zu bekommen, die sich am Montag nach seinen Kenntnissen in Hamburg treffen wollen. Dabei erreicht er Dieter M. beim gemütlichen Frühstück, mit dem Marmeladenbrötchen in der Hand, der zunächst nichts sagen will, dann jedoch mit dem Satz "Es stimmt, es gibt ein entsprechendes Schreiben, in dem ich um Aufklärung dieser Sache gebeten habe" versucht, den lästigen Journalisten abzuwimmeln.
Sonntag, 1. März, mittags: Erik E. zieht seine Schlüsse, ruft bei Informanten in Mannheim, Berlin, Kiel und Flensburg an. Einer der Informanten teilt ihm mit, er hätte Noka S. oder jemanden im typischen Geldboten-Oufit (Trench-Coat, Hut, schwarzer Koffer) gesehen, wie dieser in der Nähe der Staatsanwaltschaft gesichtet worden sei, dort wo man bekanntermaßen auch Selbstanzeigen in Steuersachen u.a. abgeben könne, wie der Informant aus eigener Erfahrung weiß. Das kann doch eigentlich nur eines bedeuten...
Sonntag, 1. März, nachmittags: Erik E. gibt über seinen VVV (Vorab-Veröffentlichungs-Verteiler) an ausgesuchte handballspezifische Medien (u.a. handball-world.com) bekannt, dass der Vorwurf im Raum stehe und auf einer Sondersitzung der HBL-Spitze beraten werde, der THW Kiel hätte das CL-Finale gegen Flensburg-Handewitt zu manipulieren versucht.
Sonntag, 1. März, abends: Dieser Vorwurf schlägt gewaltige Wellen in der Handballwelt. In diversen Fachforen wird gemutmaßt und verdächtigt, werden Theorien hin- und hergewälzt - aber so wirklich weiß niemand, was Sache ist. Offizielle der HBL bestätigen lediglich die Existenz des Schreibens und den Termin in Hamburg, aber inhaltlich gibt es nichts Neues.
Sonntag, 1. März, abend bis Montag, 2. März, nachmittags: So gut wie alle führenden deutschen Medien nehmen diesen Vorwurf auf und veröffentlichen mehr oder weniger gleichlautende Artikel darüber. In der sh:z, die letztlich den Artikel von Erik E. publiziert hat, ist darüberhinaus von einer mutmaßlichen Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft zu lesen, entweder von einem (ungenannten) Geldboten oder von Herrn S. Dieses lässt sich jedoch beides nicht verifizieren.
Montag, 2. März: Handball-Deutschland diskutiert weiter: Wer hat wann wovon gewusst, waren andere Spiele betroffen, war der THW so doof, seit 2000 CL-Spiele durch Manipulation zu gewinnen und hat dann erst 2007 den Titel geholt, haben die Rhein-Neckar-Löwen ihre Finger im Spiel und wollen den Branchenprimus diskreditieren? Viele offene Fragen, noch mehr Spekulationen, aber niemand scheint irgendwas genaueres zu wissen. Hauptsache den Mund aufreißen. Allerdings wird einhellig festgestellt, dass der Schaden für den Handball in jedem Falle angerichtet sei, egal ob sich die Gerüchte bewahrheiten oder nicht. Allein dadurch, dass das ganze ein derart gewaltiges Medien-Echo gefunden habe, würde etwas am Handball und nicht zuletzt am THW Kiel hängen bleiben.
Montag, 2. März, spätabends: Ein sichtlich erleichterter Frank B. tritt vor die wartenden Journalisten und erklärt, dass an den Gerüchten nichts dran sei und dass man die ganze Affäre so schnell wie möglich rückhaltlos aufklären werde.
Dienstag, 3. März: Handball-Deutschland steht vor einem Scherbenhaufen. Handballbegeisterte Menschen wissen nicht, ob sie erleichtert sein sollen, dass die Gerüchte offenbar kein "belastbares" Fundament haben, oder ob sie schockiert sein sollen, welche Katastrophe sich angebahnt hatte, an der die Glaubwürdigkeit des Handball hätte zugrunde gehen können. Menschen, wie Du und ich, die einfach nur spannenden Sport sehen wollen...