Zitat
Original von Wieland
und um mal auf den reisserischen titel zurückzukommen? wieso beruht integration auf zweiseitigkeit? wer hier leben will muss sich integrieren, d.h. im rahmen unserer grundordnung. wieso erwartest du vom katholischen frauenbund, dass sich dessen mitglieder in richtung muslime glaubensgemeinschaften integrieren?
Integration fordert einerseits von denjenigen, die in ein fremdes Land kommen, dass sie nicht "im eigenen Saft schmoren", sondern dass sie die Kultur ihrer Gastgeber kennenlernen wollen und bereit sind, sich daran zu orientieren. Angefangen vom Kennenlernen der Sprache über Gepflogenheiten im sozialen Miteinander (etwa in der Schule) bis hin zum Akzeptieren kulturell anderer Umgangsformen (etwa bei der Wahl des Lebenspartners).
Andererseits fordert es auch von den Gastgeber eben genau das: Dass man sich als Gastgeber versteht. Es ist immer konfliktbehaftet, wenn ein Mensch in ein fremdes Umfeld kommt und zunächst als Außenseiter dasteht. Das fängt beim Preußen in Bayern an und geht bis zum Nigerianer in Sachsen (um zwei besonders brisante Fälle zu nennen). Nur wenn die "Alteingesessenen" den "zugroasten" eine Chance geben und sie nicht sofort ablehnen, ist Integration möglich. Deshalb kann Integration nur beidseitig funktionieren. Das ist jedoch nur die kulturelle Seite, die weitgehend vom einzelnen Menschen abhängt.
Die Frage, ob Glaubensstätten einer nicht "einheimischen" Religion in einer Stadt erreichtet werden dürfen, ist rechtlich betrachtet eindeutig: Da es in Deutschland die Religionsfreiheit gibt, muss es erlaubt sein, dass islamische Moscheen, hinduistische Tempel oder buddhistische Klöster errichtet werden.
Interessanter ist die ethisch-moralische Frage, zumal vor dem Hintergrund, dass etwa in der Türkei keine christlichen Kirchen errichtet werden dürfen (meines Wissens). Dürfen wir jetzt "Gleiches mit Gleichem" vergelten, wie in der Bibel im Alten Testament zu lesen ist? Oder müssen wir dulden, dass hier in unserem schönen Heimatland, zwischen friedlichen Kühen und malerischen Kirchen, auf einmal eine Moschee errichtet wird, aus deren Innerem Glaubensfanatiker den Dschihad predigen und zur Vernichtung aller Glaubensfeinde aufrufen?
Es gibt seit vielen Jahrzehnten Moscheen in Deutschland. Und dort wird - oh Wunder - nicht Hass gepredigt, sondern Toleranz und Respekt voreinander. Sicher, es mag einzelne Vorbeter geben, die sich in Hasstiraden ergehen, nur sind diese absolut in der Minderheit. Es gibt Außenseiter in jeder Religion, in jeder Gesellschaft, die nur Schwarz oder Weiß kennen, für die nur die Frage danach zu existieren scheint, wie man den jeweiligen Gegner bekämpft.
Doch auch diese wenigen Außenseiter sind es nicht, die die Meinung beeinflussen, die unseren Blick trüben. Dafür sind hier vor allem Politiker und in überwiegendem Maße die Medien verantwortlich. Es vergeht doch kaum ein Tag, ohne dass ein Selbstmordattentat eines Islamisten in den Medien erscheint, ohne dass darauf hingewiesen wird, dass wir uns in einem "Krieg gegen den Terror" befinden. Die Hetze gegen den Islam ist in den Medien latent vorhanden, dank Bush & Co. Auch weil nicht differenziert wird, sondern weil polemisiert wird. Wer weiss denn in Deutschland schon, dass es verschiedene Richtungen der Auslegung des Koran gibt und dass der Kampf gegen die Ungläubigen in keiner dieser Auslegungen ein zentraler Teil des Glaubens ist?
Ein ganz zentraler Teil der Integration besteht darin, die Kultur des Anderen kennenzulernen. Nur durch Aufklärung kann man verstehen, warum jemand wie reagiert. Und es bedarf Aufklärung auf beiden Seiten und den Willen, sich über den jeweils Anderen zu informieren. Erst dann gibt es eine Chance auf Integration.