Original von sport1.de
Kampf gegen "Menschenhändler"
München – Weltmeister-Titel errungen, alle drei Europapokal-Titel gewonnen und nächste Saison mit dem historisch größten Starterfeld von neun Vereinen in den internationalen Titelkämpfen vertreten.
Über Handball-Deutschland lacht die Sonne. Könnte man meinen. Doch dubiose Spielervermittler werfen ein schlechtes Licht auf die Bundesliga.
So wurden Frank Flatten, Manager der HSG Düsseldorf, zuletzt acht Spieler vom Ligakonkurrenten Wilhelmshavener HV durch einen gewissen Michael Kürten angeboten.
"Ich habe mich gewundert, denn mir war bekannt, dass einige Spieler eigentlich durch mir bekannte Spielerberater betreut wurden", sagte Flatten. "Es war klar, dass es sich um ein unseriöses Angebot handeln muss, bei dem sich jemand schnell eine goldene Nase verdienen will."
"Menschenhändlern" das Handwerk legen
Nun hat sich der Manager, der zudem noch im Vorstand der Handball-Bundesliga sitzt, den Kampf gegen den "Menschenhandel" auf die Fahne geschrieben.
"Die Zeiten müssen aufhören, wo dubiose Personen versuchen, auf Kosten anderer Geld zu verdienen. Das kann einfach nicht sein", sagte Flatten zu Sport1.de. Um diesen "Menschenhändlern" das Handwerk zu legen, wählte er den Weg in die Öffentlichkeit.
"Wir wollen einen Schuss in die Öffentlichkeit abgeben, wobei ich den Begriff Menschenhandel bewusst gewählt habe, da Michael Kürten mit Menschen handelt, mit denen er gar nichts zu tun hat."
"Fassungslose" Reaktion
Die Statuten sehen vor, dass nur vom DHB lizenzierte Spielervermittler mit den Vereinen über Transfers von Spielern verhandeln dürfen, doch es komme immer häufiger vor, dass Spieler von Dritten angeboten werden.
Wie von Kürten, der via Rund-Mail die Spieler (u.a. Jan-Hendrik Behrends, Frank Habbe) angeboten hat. Flatten nahm umgehend Kontakt zum Wilhelmshavener HV und den eigentlichen Spielerberatern auf, die "fassungslos" reagierten.
"Die Spielervermittler, mit denen ich selber kooperiere, fordern einen auf, etwas zu unternehmen. Die sind ja selber machtlos", beschreibt Flatten den schweren Stand der Agenten und ergänzt:
"Ich arbeite mit den seriösen Spielervermittlern Hand in Hand. Ihr Ruf leidet unter den Machenschaften der unseriösen nämlich ebenfalls."
"Habe naiv gehandelt"
Der 41-Jährige kontaktierte seinerseits auch Kürten, der in einem geforderten Entschuldigungsschreiben seine Hände in Unschuld wusch und von einem "nicht böse oder hinterhälterischen, aber doch einem sehr naiven und falschen Verhalten" schreibt.
Flatten betrachtet die Entschuldigung mit großer Skepsis und schließt eine Anzeigenstellung nicht aus:
"Wir prüfen das. Er rudert in seinem Schreiben stark zurück. Es soll auch nicht so verstanden werden, dass Düsseldorf auf Herrn Kürten losgeht. Er ist ja wahrscheinlich, mit Verlaub gesagt, ein armer Wicht. Vielmehr muss die Handball-Bundesliga einen Schulterschluss machen und ein Zeichen setzen. Eine Anzeige kann ein Zeichen sein."
Positives Echo
Das Echo auf Flattens Vorgehensweise innerhalb der Liga ist sehr positiv.
Viele Vereine haben ihn angerufen und das Vorgehen begrüßt, dass auf diese Menschenhändler Druck ausgeübt wird.
Zudem seien die Spielerberater froh, dass endlich eine "Lanze gebrochen wurde".
Robert Freiberg