"Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient." (Graf Joseph de Maistre)
Alle Franzosen hatten die Möglichkeit, sich über Sarkozy und Royale zu informieren. Ich gehe davon aus, dass die meisten davon Gebrauch gemacht haben werden. Insofern dürfen sie sich vorwerfen lassen, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, falls sich Sarkozy als "Fehlgriff" erweist. Woran ich trotz seiner bisher eher harten Hand nicht so recht glaube.
Französische Präsidenten tendieren dazu, sich ganz stark ihres historischen Erbes zu erinnern als Repräsentant der Grande Nation. Damit stehen sie in einer Tradition mit Napoleon und Charles de Gaulle und versuchen, diesem Bild gerecht zu werden. Mitterand hatte es sehr intensiv vorgemacht, Chirac hat es versucht und Sarkozy wird sich ebenfalls der Tradition und der historischen Bedeutung dieses Amtes erinnern und gewachsen zeigen wollen.
Insofern kann ich es mir nicht vorstellen, dass er sich gegenüber den Migranten in den Vororten derart feindselig verhält wie bisher, jedenfalls nicht mit Gewalt bzw mit nem "Hochdruckreiniger". Und er hat auch kein Interesse daran, dass die Jugendlichen weiterhin am Rande der Gesellschaft existieren. Ja, er hätte das Problem am liebsten beseitigt. Aber er hat mittlerweile erkannt, dass die harte Hand das Problem nicht löst, sondern allenfalls verschärft. Insofern wird er sich eine Alternative überlegen müssen, wenn er nicht grandios scheitern will.
So ganz nebenbei: Ségolene Royale hätte vermutlich innerhalb ihrer Partei bzw innerhalb der Linken in Frankreich deutlich mehr Kritiker erwarten dürfen, als Sarkozy es jetzt bei den konservativen Kräften zu erwarten hat. Dazu ist die Linke zu zersplittet und richtet ihre Aufmerksamkeit auf zu viele Einzelinteressen, so dass Royale ständig ein Gegenwind ihrer eigenen Couleur um die Ohren geweht hätte. Daher sollte es Sarkozy leichter haben, die eigene Politik durchsetzen zu können.