Interview bei handball-world.com
Auf der Suche nach Herausforderungen: Martin Strobel im Interview
Aufregende Wochen hat der junge Mann vom Bundesliga-Neuling HBW Balingen/Weilstetten hinter sich. Mit gerade mal 20 Jahren folgte Martin Strobel dem Ruf des Bundestrainers und gab gegen Portugal sein Debüt in der Nationalmannschaft. Strobel war Spielmacher des Junioren-Europameisters und fügte sich auch im Verein glänzend in die ihm zugedachte Aufgabe auf der Mittelposition ein. Mehr noch: Mit 90 Toren ist er gegenwärtig erfolgreichster Werfer seins Teams. Und das, obwohl er nicht einmal sämtliche Spiele bestritt.
Hallo, Herr Strobel. Wie fühlte es sich an, zum ersten Mal bei der Nationalmannschaft gewesen zu sein?
Strobel: Das war schon ein Super-Gefühl. Ich hatte ja nicht unbedingt damit gerechnet, eingeladen zu werden. Aber die kurze Zeit mit der Mannschaft war schon echt klasse.
Keine Berührungsängste gehabt? Immerhin ist diese Mannschaft im Februar Weltmeister geworden.
Strobel: Doch, am Anfang schon. Ich hatte ein richtig komisches Gefühl, schließlich hatten die Jungs, die da zusammenkamen, schon so viel miteinander erlebt. Aber die gesamte Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen. Vor allem bei meinem Einsatz haben mich alle unterstützt. Das war echt super.
Waren Sie überrascht, als der Bundestrainer Sie anrief?
Strobel: Ich war schon sehr von meiner Nominierung überrascht, denn ich überhaupt nicht damit gerechnet. Martin Heuberger (Co-Trainer der DHB-Auswahl, Anm. der Red.) rief mich an, als ich gerade auf dem Weg ins Vereinstraining war. Pack deine Sachen, sagte er, und komm zum Schliffkopf (Trainingslager der DHB-Auswahl, Anm. der Red.).
Um weiter im Fokus von Brand zu bleiben, müssen Sie schon in der Bundesliga spielen. Wird das mit Ihrem Verein Balingen/Weilstetten gelingen?
Strobel: Bis jetzt sieht es doch ganz gut aus. Wir stehen besser da, als es viele Experten erwarten haben. Wenn wir den Klassenverbleib schaffen, wäre das eine echte Überraschung für die Liga. Wir haben den kleinsten Saisonetat, wir haben keine Stars in der Mannschaft.
Wo liegt denn dann das Erfolgsgeheimnis?
Strobel: Ganz einfach: Die Mannschaft ist jung, erfolgshungrig und auf der Suche nach Herausforderungen.
Das gilt insbesondere für Sie. Ungewöhnlich, dass ein gerade mal 20-Jähriger die Spielgestaltung übernimmt. Gibt es da keine Akzeptanzprobleme?
Strobel: Ach was. Das funktioniert reibungslos. Zu Beginn habe ich mich noch weitgehend im Hintergrund gehalten. Doch nach der schweren Verletzung von Alexander Job hatte ich keine Wahl mehr. Und jetzt bin ich sehr gut in diese Rolle hereingewachsen.
Ihr Bruder Wolfgang ist Kapitän der Mannschaft. Hilft Ihnen das?
Strobel: Natürlich! Wolfgang ist als Kapitän ein wichtiger Baustein in der Mannschaft und gilt durchaus als Spielerpersönlichkeit. Ich bekomme von der gesamten Mannschaft Hilfestellungen, von ihm aber ganz besonders.
Wie wichtig ist so jemand wie Ihr Trainer Rolf Brack für Ihre persönliche und Ihre sportliche Entwicklung?
Strobel: Ein Trainer, der nicht auf mich bauen würde, wäre für mich problematisch. Rolf Brack unterstützt mich, er vertraut mir und er hilft mir auch bei Dingen außerhalb des Spielfeldes. Das alles ist aber schon in der Zeit gewachsen, als wir noch in der zweiten Liga spielten.
Und falls Balingen doch absteigt: Gibt es andere Perspektiven?
Strobel: Ich gehe davon aus, dass wir nicht absteigen und konzentriere mich ganz auf den Klassenverbleib. Deshalb gibt es keinerlei konkrete Angebote. Aber ich weiß auch, dass die Konkurrenz immer auch auf die Vereine schaut, die im Abstiegskampf stecken und dort nach Spielern sucht, deren Vertrag mit dem Abstieg ausläuft.
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann