Zitat
Original von Snuffmaster
Ich find sie irgendwo feige, aber kann sie auch verstehen...
Aber grade jetzt hätte er beim DFB voll freie Hand, das ganze Land steht hinter ihm.
Sicher jetzt kann er nur noch verlieren.
Sicher ist es leichter, im Moment des Erfolges zu gehen. Nur was passiert, wenn jetzt der "Alltag" der EM-Quali auf Deutschland zukommt? Es wird dann wieder viele Personen geben, die der Meinung sind, dass sie Klinsi reinreden müssten, dass er die Sachen anders machen muss und was weiss ich nicht noch alles.
Es ist eine Sache, eine Mannschaft kontinuierlich über zwei Jahre auf ein solitäres Ereignis hin aufzubauen, aber eine völlig andere, sie über zwei Jahre auf einem Niveau zu halten. Man ist abhängig von personellen Situationen (Verletzungen etc.), von der Akzeptanz der Bundesliga-Vereine bezüglich des generellen Trainings-Konzepts und davon, ob die Bayern ihre wertvollen Spieler für ein Spiel gegen San Marino freigeben. Und man ist ständig der Kritik der Medien ausgesetzt. Wenn man einmal nicht so spielt, wie jetzt bei der WM, wird es doch sofort wieder laut im Blätterwald, zumal in der Bild. Ein schlechtes Spiel würde die gesamte bisherige Arbeit auch im Vorfeld der WM in Frage stellen - bei der man ja schliesslich "nur" mit Glück gegen Argentinien ins Halbfinale eingezogen ist, nachdem man eine schwache Vorrundengruppe erwischt hat und gegen unmotivierte Portugiesen ein bedeutungsloses Spiel um Platz 3 gewonnen hat.
Es ist schade, dass Klinsmann abtritt. Aber er tut dies in einem Augenblick des Erfolges. Was bringt es uns allen, wenn er sich zwei Jahre zu einer EM quält, wie letztlich Rudi Völler, und danach feststellt, dass sein Konzept nicht von den Vereinen mitgetragen wird? Klinsmann hat einen Weg gezeigt, wie es funktionieren könnte. Er hat aus vielen guten, jedoch nicht herausragenden Spielern eine Einheit geformt, die oft über ihre Grenzen gegangen ist, die körperlich fit war, taktisch aufeinander abgestimmt und bei der der Teamgeist die Extra-Prozent ausgemacht hat, die letztlich zum dritten Platz reichten.
Zitat
Aber grade jetzt aufzuhören find ich da etwas feige, da er was unvollendetes zurücklässt.
Klinsmann würde immer etwas Unvollendetes zurücklassen. Er hat eine Vision vom Fußball, die von der Realität derzeit leider noch weit entfernt ist und die weit über die Natinalmannschaft hinaus auf die Vereinsebene übergreift. Die gesamte Arbeit mit dem Betreuerstab der Mannschaft, mit den Fitness-Trainern, den Psychologen, das wird es noch nicht auf Vereinsebene geben, weil die Verantwortlichen in den Vereinen noch nicht so weit sind. Man hat gesehen, dass es funktionieren kann, aber die Zweifler sind nicht weit. Das ist das Problem, das Klinsmann sieht, dass seine Vision vom deutschen Fußball nicht mitgetragen wird bzw. viel zu wenig Unterstützung findet.
Das ist genau der Punkt, warum er geht. Jemand mit einer Vision ist anfangs suspekt. Und gerade bei den Betonköpfen in den Reihen des DFB, der Liga und den Sportmedien wird zuerst vieles verteufelt, was anders ist als das Bekannte. Man hat es ja die ganzen letzten zwei Jahre gesehen, was Klinsi auf fast allen Ebenen an Gegenwind bekam. Wenn er jetzt einen Schlußstrich zieht, ist das eigentlich nur die Konsequenz aus dem Gegenwind der letzten zwei Jahre. Die Öffentlichkeitsarbeit wird ihm wahrscheinlich viel mehr abverlangt haben als die Arbeit mit der Mannschaft. Vor allem an Selbstdisziplin und Nerven. Wenn er sich dem jetzt noch zwei Jahre aussetzen würde, könnte er sein erstes Magengeschwür gleich nach Lothar Matthäus benennen... 
Klinsmann hat den ersten Schritt in Richtung eines Wechsels im Denken getan, vielleicht sogar die ersten paar Schritte. Doch der Weg ist noch lang und es gibt genug Fußballlehrer, die der Ansicht sind, dass man lieber Umkehren sollte.