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Original von Sepp
Was allerdings der Abschuss des Bären mit Tierliebe und Tierschutz zu tun hat erschließt sich mir nicht ganz ...
In diesem konkreten Fall: Durch den ganzen Hype, der um Bruno, das bayrisch-tirolerische Schmusetier gemacht wurde, hätte es irgendwann wahrscheinlich geführte Touren zu Bruno gegeben, quasi ein "Bär zum Anfassen". Weder für den Bären noch für die Menschen schön, die sich durchaus in Lebensgefahr begeben hätten. Insofern ging es nicht, ihn frei herumlaufen zu lassen.
Ob das Betäuben so einfach möglich gewesen wäre, wie angenommen wird: Nein. Betäubungsmunition hat erstens nicht die Präzision wie Vollmantel-Munition, zweitens nicht die Reichweite und darf drittens nicht von jedem Jäger verwendet werden, da ihre Handhabung sehr schweirig ist: Welche Dosis betäubt den Bären, tötet ihn nicht, aber verschafft uns genügend Zeit, um ihn sicherzustellen, etwa in einem Käfig?
Und selbst nach einer erfolgreichen Betäubung: Was machen mit Bruno? Die einzige Möglichkeit wäre vielleicht ein Wildpark gewesen. Welchem Wildpark will man sowas aufbürden, ein nicht-sozialisierter Bär, der kaum mit Seinesgleichen in einem Gehege hätte gehalten werden können und dazu nicht an ein Leben in Gefangenschaft gewöhnt wäre? Und ist ein Leben in Gefangenschaft für ein Wildtier, das den Geruch der Freiheit kennt, nicht die eigentliche Höchststrafe? (Klingt vielleicht etwas pathetisch, trifft aber IMHO den Kern der Sache)
Abgesehen davon wurde immer wieder von "einem Team" mit finnischen Bärenhunden gesprochen. Also hätte dieses eine Team mit den Hunden den Bären antreffen müssen. In Bayern und Österreich gibt es jedoch viele hundert Jäger. Daher kann eben ein deutlich größeres Gebiet "überwacht" werden als von einem Team mit Hunden, die noch nicht einmal sonderlich mobil sein dürften.
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Original von Sepp
Unser Land setzt sich aktiv für den Schutz indischer Elefanten und bengalischer Tiger ein - möglicherweise nur, weil wir genau wissen, dass uns diese Tiere nie "gefährlich" werden können? Solbald es aber um ein Wildtier vor unserer Haustür geht, dass die Größe einer Katze übersteigt, reagieren wir panisch und töten es. Angst und Unwissenheit waren noch nie gute Berater bei Entscheidungen...
In Indien und in den meisten anderen Ländern unseres Planeten gibt es (noch) Rückzugsgebiete für große Raubtiere. In Deutschland nicht. Die Reviere, die solche Tiere ihr eigen nennen würden, sind dazu viel zu groß. Ein Bär beschränkt sich ja nicht nur auf 100 km² im Bayrischen Wald, die zufällig als Nationalpark ausgewiesen sind. Er wandert dann eben nach Tschechien rüber oder nach Thüringen. Oder in andere Gebiete im Bayrischen Wald, eben zu Schafweiden, wo er seine "Beute" findet.
Zum zweiten: Bären haben in Deutschland keine natürliche Beute. Das Rot- und Damwild ist viel zu flink, um von einem Bären erlegt zu werden. Also hat er keine andere Chance, als sich an Nutztieren zu vergreifen, die kein natürliches Fluchtverhalten zeigen.
Zum dritten: Für einen Bären bedeutet das Zusammenleben in einem Gebiet mit dem Menschen Stress. Sehr viel Stress. Der Geruch des Menschen überlagert sehr vieles und für einen Bären, der einen ähnlich ausgeprägten Geruchssinn hat wie ein Hund, dürfte es überall diesen Geruch geben. Und ein großes Raubtier mit einem Gebiß, dass einem Menschen recht problemlos Hände, Füße oder Köpfe abreissen kann, einem solchen Dauerstress auszusetzen, ist ein großes Risiko.
Was ich nicht verstehe: Warum wurde den Medien gegenüber keine hinreichende Erklärung gegeben, wieso, weshalb, warum man den Bären nicht wirklich betäuben konnte, trotz diverser Sichtungen? Das ganze Drumherum um den Abschuss von Bruno hat einen sehr faden Beigeschmack. Ein wenig kommt einem der Verdacht, dass die Jäger auf der Jagd nach einer Trophäe waren und deswegen auch die Versuche, den Bären zu betäuben, nicht von Erfolg gekrönt waren. Für einen Jäger, der vielleicht mit viel Glück (bzw. mit viel Geld) einmal im Leben die Chance hat, einen Zehnender zu erlegen, ist doch ein Bär im eigenen Jagdrevier ein Glücksfall. Insofern gehe ich davon aus, dass die meisten Jäger überhaupt kein Interesse daran hatten, Bruno zu betäuben, da über kurz oder lang die Genehmigung zum Schiessen erteilt werden musste. Und da galt es eben, der erste zu sein. Was spielen da schon Uhrzeiten oder Tage für eine Rolle, wenn man die Trophäe schlechthin erwerben kann...
Eine große Mitschuld haben mithin die Medien. Erst dadurch wurde Bruno ein (Sommerloch-)Medienstar, die einzige Story, die momentan trotz der Fußball-WM noch Gehör finden konnte. Die weitgehend unreflektierte Berichterstattung in den Medien hatte erst diese absurde Situation eskalieren lassen, mit der Folge der Berichte über Morddrohungen gegenüber dem "Todesschützen". Ich kann gut nachvollziehen, dass sich manche Leute hinter vorgehaltener Hand für eine teilweise Zensur der Medien aussprechen. Aber das ist ein ganz anderes Thema... 
So, Bär tot, Schafe in Sicherheit, Bild-Zeitung glücklich, einige Leute ticken aus (ich bin sicher, dass eine TED-Abstimmung bei SAT 1 oder RTL mit dem Thema "Todesstrafe für Brunos Todesschützen?" recht fix über 60 % Zustimmung finden würde), Politiker haben sich blamiert, Sündenbock gefunden (die finnischen Bärenhunde und deren Team). Das Ganze erinnert an Sammy vor einigen Jahren, das kleine, niedliche Krokodil, das an einem Badesee die ersten Schwimmstunden in Freiheit genommen hatte. Und es zeigt auf dramatische Weise, dass wir in unserer künstlichen Welt den Bezug zur Natur weitgehend verloren haben.