BBL – Nachklapp zur gestrigen Meldung über das Wehklagen von Bambergs Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek über die schlechten Quoten von Spiel 3 der BBL-Finalserie und fehlender Euroleague-Präsenz im deutschen Free-TV:
SPONSORs hat die TV-Quoten der Saison ausgewertet. Im Schnitt haben bei SPORT1 Hauptrunde und Playoffs 100.000 Zuschauer zugesehen – der Wert ist gegenüber der Vorsaison stabil geblieben. Der Marktanteil bei Männern 14-49 ist aber von 0,9 auf 0,7% gefallen. Bamberg wurde im Laufe der Saison (inkl. Playoffs) zwölfmal gezeigt und war damit der BBL-Klub mit den meisten Übertragungen.
Gestern kam per Twitter noch eine Reaktion von @Ardonauts – verkürzt formuliert: warum sollte die BBL anders behandelt werden als anderer Sport und daher die 20.000er-Quote von Spiel 3 in einem anderen Kontext gesehen werden? Vielmehr wäre es der Beweis, dass die BBL niemanden in Deutschland interessiert.
Ich habe ein Problem allen Sport in einen Topf zu werfen und die BBL, bei der bis vor zwei Jahren nur eine Übertragung pro Woche produziert wurde, mit Bundesliga-Fußball zu vergleichen und die Einschaltquote einer Übertragung als alleinigen Maßstab zu machen.
Kann man machen, aber was ist dann die Konsequenz? Dass der Ist-Zustand unbefriedigend ist und die Liga aus dem Fernsehen rausgeschmissen werden kann, weil es „niemanden interessiert“?
Aus der Binnen-Perspektive eines Sports (oder Wirtschaftsunternehmen) halte ich es für problematisch einfach nur einmal den Wasserstand zu nehmen und danach den Daumen zu heben oder zu senken. Viel spannender sind Entwicklungen. Wo war man. Wo steht man. Wo will man hin.
Im Falle der BBL war der Status Quo vor zwei Jahren, dass nur eine Übertragung pro Woche produziert wurde und es problematisch war, von den anderen Spielen Bildmaterial zu produzieren, um sie in Zusammenfassungen oder auf eigenen Portalen zu verbreiten.
Mit der Telekom wurde eine Infrastruktur aufgebaut, die alle Spiele überträgt und damit erstmals Bildmaterial von allen BBL-Spielen produziert. Die Vor- und Nachteile der neuen Rahmenbedingungen sind evident.
Auf der einen Seite werden die SPORT1-Übertragungen der BBL im Free-TV enteiert: nur noch beschränkte Auswahl auf Spiele, insbesondere in den Playoffs und SPORT1 wird gegenüber der Telekom nur noch ins zweite Glied gesetzt. In Zuschauerzahlen ausgedrückt: 2012/2013 schauten bei SPORT1 im Schnitt noch 170.000 Zuschauer zu. Jetzt sind es im Rahmen der Telekom-Sublizenz nur noch 100.000 Zuschauer.
Auf der anderen Seite kommen weitere Zuschauer über die neun Telekom-Übertragungen eines Spieltages hinzu. Lt. SPONSORs im Sommer 2015 bringt die Telekom im Laufe eines Spieltages noch einmal eine Gesamtreichweite von 100.000 Zuschauer mit rein. Dazu kommt verstärkte (Highlight-)Berichterstattung in den Öffentlich-Rechtlichen. Stand Sommer 2015 erhöhte sich die Gesamtreichweite der BBL alleine im TV um 7%.
Und genau deswegen greift IMHO der bloße Fingerzeig von Michael Stocheck auf die 20.000 Zuschauer bei der Telekom für Spiel 3 viel zu kurz. Die Zahl der Plattformen um die Zuschauer zu erreichen hat zugenommen. Für die Fußball-Bundesliga oder der EM ist es scheißegal. Ob zu den 26 Millionen im TV auch noch sechsstellig andere Leute über andere Bewegtbild-Medien erreicht werden, ist angesichts der Ausnahmestellung, nicht mehr so relevant.
Aber für die Sportarten dahinter, ist jede zusätzliche Präsenz auf den unterschiedlichen Plattformen, Geld wert. Sie können sich nicht den Luxus leisten, alles auf die Karte Free-TV zu setzen. Und wenn du als Liga wissen willst, wie es um dich steht, reicht es daher nicht aus, einmal den Zollstock ins Wasser zu tunken „Oh Schreck, 20.000!?“. Das was Stoschek gemacht hat, ist für die BBL eigentlich sogar rufschädigend und kontraproduktiv und für einen Geschäftsmann, überraschend indifferenziert.