Beiträge von capitano19

    Kurzer Exkurs ... Bei der EM-Quali AUT/SUI, war der Raiffeisen Sportpark in Graz mit 3.000 Zuschauern ausverkauft. Interesse scheint es in der Region also schon zu geben. Hängt anscheinend stark davon ab, wer dort Handball spielt.

    Meines Wissens nach war das ein Spiel bei den Männern und wenn Du dann in Graz keine Halle mit 3.000 Plätzen vollbekommst, läuft etwas ganz falsch. Vergiss nicht, dass wir hier über Frauenhandball sprechen.

    Ich verstehe den Vergleich mit dem Männerhandball nicht, also warum man ihn machen muss. Es reicht doch fünf Jahre zurückzugehen und sich anzuschauen, was damals im Frauenhandball los war. Die Pandemie hat dem Frauenhandball viel mehr an Substanz gekostet als dem Männerhandball, dazu kommt der Ausschluss der russischen Teams. Die Vereinsteams aus Russland hatten enorme Qualität, regelmäßig war eine davon im Final Four der Champions League. Dadurch ist das generell Niveau schlechter geworden. Nach der Pandemie hat sich zudem der Fokus für viele nochmals verändert. Das Leben abseits der Halle wird immer wichtiger, gleichzeitig schwindet dadurch der Ehrgeiz. Wo kann man denn als Handballspielerin noch richtig Geld verdienen? Russland fällt weg, Buducnost muss immer gucken, Krim wohl jetzt auch, die Vipers sind von der Bildfläche verschwunden. Was ist die Folge daraus? Schwächere sportliche Qualizät als in der Vergangenheit. Innerhalb eines Jahres sind nun die Karrieren von absoluten Ikonen wie Oftedal, Neagu und Radicevic zu Ende gagangen und auch Spielerinnen eine Kategorie darunter haben genug gesehen (Darleux, um nur eine davon zu nennen). Wer soll die denn ersetzen? Eine Reistad alleine reicht da nicht. Die Entwicklung des Frauenhandballs sehe ich mit Sorge.

    Gibt es in diesem Sommer nach der Saison nochmal eine Trainingswoche der deutschen Nationalmannschaft? Falls ja, dann habe ich da was verpasst.

    Zum Thema: Man muss sich überlegen, ob der Spielort auch günstig gewählt ist. Graz ist äußerst kompliziert zu erreichen. Dazu hat der Handball vor Ort quasi keine. Bedeutung. Und bei den Männern wird das Final Four in Deutschland gespielt, mit drei deutschen Teams. Vielleicht wäre es eine Idee keine Final Fours mehr zu haben und das Finale im Rahmen der Final Fours der CL auszutragen. Entweder am Freitagabend oder als Ersatz für das Spiel um Platz 3.

    Herbert Müller hatte dem Team übrigens bis Donnerstag freigegeben. Und ich bin mir auch sicher, dass er die Niederlage sozusagen in Kauf genommen hat. Die Deutlichkeit ist erschreckend, aber das ist nicht das Thema. Ein Sieg am Mittwoch und dann hängt es eben an einem dritten Spiel. Es war natürlich für Ludwigsburg auch dankbar, dass man mehr Pause hatte. Dazu kommt die Breite des Kaders. Sie werden auch das Finale recht locker gewinnen, sollte nicht ein Wunder geschehen.

    Warum überrascht?

    Nach Rückkehr von Frau Grijsells würde sie erheblich weniger Spielzeit erhalten.

    Ich sehe da den Zusammenhang nicht, die beiden sind doch überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Ich hätte Sasaki gerne weiter in Dortmund gesehen. Sechs Rückraumspielerinnen empfinde ich als deutlich zu wenig, sofern man denn Champions League spielen sollte. Hinzu kommt, dass Langer immer mal was hat, Bleckmann schon zwei Kreuzbandrisse hatte und van Maurik sehr talentiert ist, aber eben auch erst 20 Jahre alt. Für die Champions League bräuchte man zusätzlich noch eine junge dritte Torhüterin (der Abgang von Merle Muth ist sehr bitter) und eine Kreisläuferin, die Angriff und Abwehr auf Spitzenniveau spielen kann.

    Der ist offensiv auf internationalem Spitzenniveau keine Waffe und deutlich schlechter im Angriff als Golla und Fischer. Aber das ist genau wieder der Punkt. Es wird jetzt geguckt, wie man sozusagen Punkte finden kann, dass andere ja diesen und jenen Spieler haben. Es darf doch nicht der Anspruch von Deutschland sein, dass man gegen Österreich und die Schweiz solche Spiele zeigt. Und es steht auch nicht zur Debatte, dass Golla/Fischer deutlich besser sind als Wagner/Herburger. Das wird auch niemand so sehen.

    Sehr starker Beitrag, den ich nur unterstreichen kann. Man muss ich nur mal die Österreicher anschauen. Die haben hinter Möstl keinen zweiten Keeper, der ihnen mal ein Spiel rettet. Die haben hinter Bilyk und Hutecek kaum was im Rückraum. Aber sie spielen an ihrem Maximum, fast jedes Mal. Die haben einen Kreisläufer, für den es das Größte ist für sein Land zu spielen und der sicher weit weg davon ist maximal fit zu sein, aber er zerreißt sich. In jedem Spiel für Austria. Dieses Gefühl, dass es das Größte ist für Deutschland zu spielen, vermisse ich schon lange, auch bei den Frauen. Ich glaube zwar, dass alle sehr stolz sind für die Nationalmannschaft zu spielen und ihnen das auch unendlich viel bedeutet, aber es gilt halt ein Team zu formen und das gelingt Gislason nicht (und auch Gaugisch ist weit davon weg). Wie gesagt, es geht nicht um ein Spiel wie gestern, sondern die Häufigkeit der mäßigen Leistungen, das mangelnde Tempo und die fehlende Spielidee. Andere, schwächer besetzte Nationen, haben genau das.

    Die Erwartungen nach Silber in Paris/Lille sind enorm hoch. Sie sollten aber unabhängig davon hoch sein, oder besser gesagt die Ansprüche. Es muss mit diesem Kader gegen die Schweiz (!) möglich sein, einen deutlich attraktiveren, schnelleren und erfolgreicheren Handball zu spielen. Wenn man das nicht gegen Dänemark oder Frankreich schafft, dann verstehe ich das. Welchen Stil man spielt, gibt aber der Trainer vor. Und wenn ich sehe, dass man wie bei der Weltmeisterschaft quasi gar nicht ins Tempospiel kommt, dann wird mir ganz anders. In den Vereinen spielen die gleichen Spieler doch auch Tempo. Wo ist das hin, sobald das deutsche Trikot getragen wird?

    ist das so ? man müsste sich also für die CL bewerben und würde als EL-Sieger normalerweise einen Startplatz bekommen ?

    war das bei Storhammer auch so oder hatte Norwegen von vorn herein 2 CL Startplätze

    Das verwundert mich ein wenig. Aber Norwegen hatte keine zwei fixen Plätze. Das war ein Upgrade. Ich glaube aber, dass Müller schon die richtigen Punkte genannt hat. Thüringen ist mit dem Kader, den Möglichkeiten und der Qualität in der European League sehr gut aufgehoben.

    Jeder, der sich für die European League qualifiziert, kann sich theoretisch um ein Upgrade für die Champions League bemühen. Das ist kein Problem. Dortmund war Zweiter der Hauptrunde. Ein Aus im Halbfinale wäre daher nicht das Problem bei einer Bewerbung.

    Die Marke BVB mag die EHF, aber in der Vergangenheit hat der Verein sich bestimmt nicht immer optimal präsentiert. Das steht auf einem ganz anderen Blatt. Da kannst aber davon ausgehen, dass die Marke BVB dem internationalen Frauenhandball mit seiner Bekanntheit massiv weiterhelfen würde. Borussia Dortmund kennt man, auch durch sowas wie die Teilnahme am Finale der Champions League 2024, auf der ganzen Welt. Wo haben wir das noch im Frauenhandball?

    Hier ist die nächste Ausgabe:

    Kreis Ab – Episode 413

    Zu Gast in der aktuellen Ausgabe:

    • Björn Pazen (freier Journalist)
    • Josefine Schneiders (TSG Mainz-Bretzenheim)

    Themen (u.a.):

    • Kurzer Blick auf das nationale Geschehen
    • Magdeburg und Berlin schaffen es nach Köln (ab 4:38)
    • Final Four in Hamburg mit deutschem Trio (ab 16:38)
    • Eckerle und Reichert lassen Thüringen jubeln (ab 20:32)
    • Josefine Schneiders im Gespräch (ab 29:32)

    Ich stelle mal die These auf, dass in der kommenden Saison nur noch Dänemark mit drei Teams in der Champions League vertreten ist. Dann sollte auch die Qualität des Wettbewerbs wieder ansteigen. Trotzdem: Der Thüringer HC hat das Ding am Ende absolut verdient gewonnen und im Finale waren auch die Schiedsrichter daran nicht beteiligt.