Ich denke auch, dass ein großes Problem die Einstellung der Spieler grundsätzlich und natürlich auch die ihrer Vereine (vornehmlich die Spitzenclubs) ist. Bei allem Jammern über "Anschlussförderung" und Nachwuchsprogrammen, wo sind diese denn im Welthandball besser als z.Z in Deutschland? Und warum verliert dann eine deutsche Nationalmannschaft trotzdem 2 x gegen eine Mannschaft aus einem Land, dessen Einwohnerzahl in etwa der Stadtbevölkerung von Frankfurt entspricht?
Vielleicht tun wir manchmal auch zu viel des Guten und wenn man heute zu einem Bundelligaspiel der A oder B-Jugend geht dann trifft man auf die meiner Meinung nach wirklich Schuldigen an der Misere - Die vielen Berater und überehrgeizigen Eltern, die den jungen Spielern bereits vorgaukeln, für sie eine maßgeschneiderte Karriere sicherzustellen dabei aber nur an ihre eigenen finanziellen Interessen denken. Hierdurch wird dem Nachwuchs viel zu früh allzu kommerzielles Denken vermittelt anstatt sich erst mal die harte Schule des gesunden Leistungsdenkens im Mannschaftssport richtig zu verinnerlichen.
Genau das ist es aber, was die jungen Spieler aus dem Ausland lernen (müssen) damit sie überhaupt erst einmal in den Fokus der finanzstarken deutschen Clubs geraten und zwar zunächst ohne jegliche Förderung der nationalen Verbände, zumindest nicht in der in Deutschland praktizierten Form.
Diese Spieler bringen dann Talent, Einsatzbereitschaft und Willensstärke mit, die sie gepaart mit dem hohen Trainingsaufwand in der ersten und 2. HBL erst zu Spitzenspielern reifen lässt.
Nehmen wir dagegen das Beispiel von Kevin Schmidt. Ein durchaus begabter und sympathischer junger Spieler, der in Wetzlar schon Höhen und Tiefen durchlaufen hat. Durch die Verletzung von Uwe Gensheimer wurde er aus einem Überangebot gleichwertiger Linksaußen von Heuberger in die Natio berufen und erzielte bei der WM gegen, mit Verlaub gesagt, zweit- und drittlkassige Gegner wie Brasilen und Argentinien eine Menge Tore, in erster Linie umgab ihn aber der Mythos des "sicheren Siebenmeterschützen". Sofort stand er im Fokus der Medien, wurde als der "neue Shootingstar" des deutschen Handballs gefeiert und wurde angeblich mit Angeboten aus den Topclubs nur so zu geschüttet! Im grauen Alltag der Bundesliga sah es dann aber wieder anders aus. Er verballerte, wie auch schon in der Vorsaison, eine ganze Reihe von Siebenmetern und musste gerade in den letzten Spielen das Geschehen häufig von der Bank aus betrachten.
Später werden dann Meldungen in der Presse laut, nach denen er sich nun auch einen Berater zugelegt hat, der sich um seine Interessen kümmert (wirklich?)
Auch die Spitzenvereine sollten sich mehr auf ihre Pflicht besinnen und ihren Nationalspielern klar machen, wie wichtig langfristig eine erfolgreiche Natio für das Interesse von Zuschauern und Medien für Handballdeutschland ist und damit auch für deren hochbezahlte Trainer. Es war für mich eine Verhöhnung des deutschen Handballs wie der Trainer des Jahres 2012, Alfred Gislasson, im vorweg genommenen Endspiel um die Champions League, zwei Stammspieler der Nationalmannschaft komplett auf der Bank sitzen lässt und stattdessen seinem in dieser Begegnung keinesfalls überzeugenden Landsmann und einen verletzten und ebenfall kaum auffallenden Schweden den Vorzug gibt. Zeitz kann es sich leisten, weiterthin die beleidigte Lebenwurst zu spielen und Bitter macht beim HSV auf Familie und zeigt ebenfalls ungerügt
was er vom deutschen Trikot hält.
Zum Schluss noch der Hinweis auf den "Heilsbringer" Hanning, dessen tatsächlich spielender Mannschaftskader doch sehr im Gegensatz zu seinen volllmundigen Bekenntnissen zu mehr Einsatzmöglichkeiten deutscher Spieler steht!