Beiträge von immerweiter

    ALF:

    Wenn sie es bei der aktuellen Kombination aus Losglück, günstigem Verlauf der anderen Vorrundengruppen und Heimvorteil nicht ins Halbfinale schaffen, bin ich mit der fehlenden Weiterentwicklung bei dir. Ich denke, dann wäre eine Weiterbeschäftigung von Alfred auch mindestens fraglich. Wobei ich Interessen und Macht im DHB nicht einschätzen kann.

    Allerdings zeichnen sich alle hier in den Ring geworfene Alternativen im Grunde dadurch aus, dass sie im Verein Spieler und/oder ein Spielsystem entwickelt haben, teilweise über Jahre hinweg. Ich sehe nicht, wie sie diese Qualität als Bundestrainer umsetzen können. Ich gehöre deshalb tatsächlich zu denen, die das Problem eher beim verfügbaren Spielermaterial als beim Trainer sehen.

    Wenn ich sicher sein könnte, dass ein Bundestrainer unseren Spielern taktische Finesse, Flexibilität und Abgezocktheit vermitteln könnte, würde ich mir ja einen Spanier wünschen. Fast egal, welchen. Ich finde jedenfalls, dass die in den letzten Jahren im Verhältnis zur Qualität der Einzelspieler am meisten überperformt haben. Mit Frankreich oder Dänemark hätten dagegen wohl ziemlich viele Trainer Erfolg gehabt. 😉

    Naja, wer Alfred nach dem Spiel gehört hat, kann eigentlich nicht davon ausgehen, dass er bei seiner Mannschaft Weltklasse en masse sieht. Da hat er sich schon sehr deutlich geäußert.

    Zu Weber: Wie oft wurde hier eine Alternative zu Knorr gefordert? Nun bringt er sie, und die heißt im aktuellen Kader nun mal Weber. Das Resultat sind zwei Fehlwürfe und ein technischer Fehler. Und schon wird seine Startformation hier als „irre“ bezeichnet. Aber ist jetzt Alfred schuld, dass Weber die nicht reinmacht? Wenn es anders läuft, sagen die einen „Schaut mal, der Alfred ist taktisch gar nicht so schlecht“ und die anderen „Wir haben doch immer gesagt, dass es eine Alternative zu Knorr braucht.“

    Ohne jetzt jedes einzelne Zitat rauszuholen, bin ich bei einigen Statements schon anderer Meinung als der Großteil hier. Exemplarisch:

    1. Wenn wir ins HF kommen, haben wir es verdient. Punkt. Ob wir dann besser als die anderen waren, einfach Glück hatten oder sich die anderen einfach doof angestellt haben, ist völlig egal. Die Kategorie verdient/unverdient zählt bei sportlichen Wettkämpfen nicht. Wie groß diese Chance nach der heute gezeigten Leistung ist, sei aber mal dahingestellt. Zustimmen kann ich aber der Sorge, dass in diesem Fall die EM vom DHB womöglich kritiklos als Erfolg dargestellt wird.

    2. Ich tu mich schwer damit, wenn teilweise in einem Beitrag der Mannschaft komplett die Qualität abgesprochen wird, gleichzeitig aber Alfred als Hauptschuldiger benannt wird. Was denn nun? Für beides gibt es Argumente, aber entweder habe ich nicht die richtigen Spieler oder ich lasse falsch spielen bzw. hole nicht das Optimum raus. Beides zusammen ist halt Gemecker, weil die zweite These impliziert, dass meine Leute eigentlich doch gut genug seien.

    3. Alle Heilsbringer, die hier seit der ersten gespielten Minute vehement gefordert werden, haben bisher keine Argumente für mehr Einsatzzeit geliefert. Wenn dann wie heute nicht überragende, aber normalerweise solide Leute wie Häfner ein Totalausfall sind (nur einer von mehreren), dann wird’s halt schnell grau. Ich jedenfalls verstehe nach den letzten beiden Spielen sehr viel mehr, warum Alfred weitgehend seinen Stamm spielen lässt.

    4. Im Gegensatz zu mindestens einem User hier verstehe ich überhaupt nicht, weshalb die Österreicher nach dem Spiel so gejubelt haben. Bei dem Spielverlauf war das ein klarer Punktverlust, der sie womöglich das HF kostet. Ich an deren Stelle hätte mich jedenfalls in den A… gebissen.

    5. Was genau der Grund für die schwache Angriffsleistung war, bleibt zunächst mal spekulativ. Hosen voll? Erkältung bei Knorr? Tank leer? Im letzteren Fall wird’s leider in den nächsten Spielen kaum noch besser. Was mir zudem noch Sorgen macht: In meinen Augen haben die Ösis im Prinzip das gleiche Abwehrmittel gewählt wie die Isis. Offensiv raustreten, Knorr und ggf. RL früh festmachen und gegen unsere harmlosen RR die Anspielstationen zustellen. Auf diese Weise haben sie unser ohnehin statisches Angriffsspiel völlig zum Erliegen gebracht. Ich sehe keinen Grund, dass die nächsten beiden Gegner das nicht genauso machen, nachdem sie jetzt 2x die Blaupause gesehen haben.

    6. Es gibt ja auch noch ein paar Hoffnungsschimmer: Wolff hat in vier von fünf Spielen geliefert. Wenn er das bis zum Ende durchziehen kann, sind wir nicht völlig chancenlos. Die Abwehr vor ihm agiert nicht durchgehend auf dem selben Niveau, macht ihre Sache aber schon ziemlich ordentlich. Jedenfalls ist hinten, anders als zu befürchten war, nicht unser Problem. Und schließlich hat sich die Mannschaft schon zum zweiten Mal am eigenen Schopf aus der Sch… gezogen und zumindest die totale Katastrophe vermieden. Das ist auch eine Qualität, egal wie fehlerbehaftet oder glücklich die Punktgewinne am Ende waren.

    Bei Tor Schweden im letzten Angriff hätte Dänemark Einspruch einlegen können

    So würde ich das auch interpretieren. Zumal ja nur dann der notwendige Faktor „spielentscheidend“ dazu kommt. Deshalb denke ich auch, dass die EHF drei Kreuze über den finalen Pfiff geschlagen hat, mit dem der Kelch eines terminlich kaum zu realisierenden Wiederholungsspiel an ihnen vorüberging. Wobei ich mir vorstellen kann, dass daran auch die benachteiligte Mannschaft, also in diesem Fall die Dänen, gar kein Interesse gehabt hätten.

    Falsch. Das ist vielleicht dein Kritikpunkt, aber es wurden ausdrücklich die Worte „Gutes Spiel, Jungs!“ bzw. „Alles gut!“ kritisiert. Es hat auch deshalb schon ein anderer User darauf hingewiesen, dass Kretzsche die Auszeit (sinngemäß) mit „Alfred lügt seinen Spielern ins Gesicht und es funktioniert“ kommentiert hat. 🤷‍♂️

    Ich finde, die Diskussion versachlicht sich gerade wieder wohltuend. Klar kann man die deutsche Leistung, einzelne Spieler, den Trainer völlig unterschiedlich bewerten. Da die Entscheidungen nicht von uns hier getroffen werden, ist vieles eben auch zwangsläufig spekulativ. Hätte ein anderer Trainer…? Würde Lichtlein…? Müsste Hanne…? Und so weiter. Ich greife mir nur ein paar Punkte raus, die hier kritisiert oder gefordert wurden, wobei völlig klar ist, dass diejenigen, die das geschrieben haben, womöglich richtiger liegen:

    Lichtlein: Einer meiner Vorredner hat schon gut begründet, warum er in Sachen Lichtlein als Heilsbringer skeptisch ist. Das sehe ich genauso. Den hier ebenfalls geäußerten Satz „Lichtlein hätte es nicht schlechter machen können“ teile ich dagegen nicht. Das wäre erst noch zu beweisen. Wobei man sich tatsächlich fragen kann, welche Rolle Alfred ihm eigentlich zugedacht hat. Vielleicht soll er ja immFinale den Jimmy Waltke geben? 🤔

    Wolff: Ich hätte Mitte der zweiten Halbzeit mal Späth gebracht. Zum 7m habe ich ihn zuhause lautstark gefordert. Seit Wolff die letzten beiden gehalten hat, ist mein Ruf als Experte in meiner Familie etwas ramponiert. War das jetzt Zufall? Glück? Oder doch der bessere Riecher von Alfred (oder wer auch immer entscheidet, wann welcher TW spielt).

    Auszeiten: Hier wurde kritisiert, dass Alfred in beiden Auszeiten die Mannschaft gelobt hat. Sorry, wer das nicht versteht, hat glaube ich noch nie eine Mannschaft gecoacht. Wenn ich denke, wie oft ich meine B-Jugend-Mädels in der Crunchtime schon gelobt habe, obwohl ich gerade lieber in die Bank gebissen hätte… Und da unterscheiden sich Profis nicht von Amateuren: In der Anspannung einer Schlussphase muss ich positive Impulse setzen, nicht kritisieren. Sonst wird die Verunsicherung doch bloß noch größer.

    Auszeit mit Taktiktafel ist ein anderer Stil. Kann besser oder schlechter funktionieren. Aber mich würde tatsächlich mal eine Statistik interessieren, in wieviel Prozent der Fälle wirklich exakt der vom Trainer angesagte Spielzug gespielt wurde. Entscheiden und umsetzen müssen am Ende ja immer noch die auf der Platte.

    Also: Weiter spekulieren, schauen, ob das nächste Spiel anders verläuft und ob das dann wegen anderen taktischen und personellen Entscheidungen so ist. 🙂

    Die letzten beiden Spiele haben m.E. schon gezeigt, dass Alfred niemand im Kader hat, den er als echte Alternative zu Juri sieht, im Sinne eines Plan B, wenn A nicht (mehr) funktioniert. Ob er damit richtig liegt, wird man am Ende sehen. Wenn es ein Gegner wie gestern Gislason schafft, Knorr und Köster immer wieder auf der Mitte schnell festzumachen, geht uns jeder Spielfluss verloren.

    Die Topmannschaften spielen allesamt mit schnellen Kreuzungen und Verlagerungen, um Wurfchancen im 9m oder viel Platz für ein 1:1 zu schaffen. Dafür fehlen uns aber mindestens auf RR die geeigneten Spieler. Man konnte gestern z.B. bei Island gut sehen, dass deren Spiel in der zweiten Hälfte auch daran krankte, dass auf RR oft der Druck verloren ging. Nur haben die Isis mit OIM jemand, der das in Normalform perfekt spielen kann. Wir nicht.

    Ob Juri so ein Spiel mit individuell stärkeren Halbspielern grundsätzlich auch aufziehen könnte? Bleibt Spekulation, ist aber - auch angesichts seines Alters - nicht ausgeschlossen. Allerdings sicher nicht mal eben so im Laufe eines Turniers. Ich habe aber auch meine Zweifel, dass Weber oder Lichtlein das auf diesem Niveau schaffen können. Andere Alternativen gibt es bei diesem Turnier nicht.

    Da bleibt erst einmal nur die Hoffnung, dass Juri sein Spiel auf einem Niveau durchziehen kann, das trotzdem viele Chancen kreiert. Gestern hätte es bei besserer Chancenverwertung auch noch ganz gut gereicht. So waren wir einmal mehr auf den Wolf im Tor angewiesen.

    Zum Thema Druck: Der ist für Knorr jetzt schon brutal - vom Spielsystem her und von der Öffentlichkeit. Aber das wird sich noch potenzieren, wenn der Erfolg ausbleibt. Von daher finde ich es bemerkenswert, wie Juri in seinem Alter damit umgeht. Wie lange das gut geht, weiß aber keiner, da gebe ich montoya52 recht.

    Der Knorr scheitert mal wieder an seiner völligen Selbstüberschätzung

    Man kann Knorrs Leistung und seinen Spielstil ja kritisieren. Aber alles, was ich von ihm an Aussagen und Interviews so mitbekommen habe, hört sich sehr reflektiert an und ist von Selbstüberschätzung wesentlich weiter entfernt als so mancher Beitrag hier.

    Ist denn bei einer heutigen Niederlage definitiv Schluss ?

    Rechnerisch noch nicht, aber dann müsste schon sehr viel zusammenkommen. Umgekehrt ist auch bei vier Siegen noch ein Ausscheiden in einem Dreiervergleich möglich, aber auch da müsste sehr viel zusammenkommen.

    Ich denke, bei einer Niederlage heute ist auf jeden Fall die Euphorie erst mal vorbei. Die brauchen wir aber unbedingt, um was zu reißen.

    Ich hab in der entscheidenden Phase bei Baijens missglücktem Dreher ein Foul gesehen. Das war in meinen Augen kein freier Wurf und der hätte vorentscheidend sein können. Aber sei‘s drum. Palicka mit einer Monsterparade gegen den Rechtsaußen und drei weiteren Aktionen am Schluss hat den schwedischen Sieg gerettet. Chapeau!