Beiträge von immerweiter

    Das Überzahlspiel vorne der deutschen Mannschaft ist im ganzen Turnier schwach gewesen

    Das ist mir auch aufgefallen und ist einer der gar nicht so vielen Schwachpunkte in unserem Spiel. In den schwachen Partien wie gegen Österreich dachte ich, sie können halt grundsätzlich nicht mit Tempo spielen. Aber warum sie es gegen Dänemark in Überzahl auch nicht geschafft haben, obwohl sie vorher genau das gezeigt haben, ist mir ein Rätsel.

    Diese Situation gibt es übrigens auch beim 7m-Wurf, wo sich die Werfer mit einem Schritt auf die Wurfhandseite einen besseren Winkel verschaffen können!

    Dir ist aber schon bewusst, dass dabei ein Fuß die ganze Zeit auf dem Boden bleibt? Und z.B. nicht ein kurzer Schritt nach rechts und dann ein längerer nach links mit Wechsel des Standbeines erfolgt. Jedenfalls habe ich so einen 7m im Leben noch nicht gesehen.

    Dann im Nachhinein damit anzufangen, weil irgendeinem aufgefallen ist, dass der Text blöd formuliert ist und man sich sowieso am Ende banachteiligt fühlte, find ich albern

    Sorry Rheiner, aber da wird’s albern. Deine Regelauslegung sei dir unbenommen, zumal du ja nicht der einzige bist, der das so sieht. Aber die Tatsache, dass die Schweden nicht sofort protestiert haben, als Beleg für eine quasi beleidigte Reaktion anzuführen, ist Unfug. Das liegt schlicht daran, dass sie es zunächst nicht gesehen haben.

    Der Wurf war spektakulär und sowas wird wahrscheinlich eh nie gepfiffen und warum macht man immer wieder Einsprüche, die sowieso mit dem Argument Tatsachenentscheidung abgebügelt werden?

    Ich denke für die Fans und für die eigene „mentale Hygiene“. Auch wenn man weiß, dass wahrscheinlich nichts draus wird, hat man die Entscheidung nicht unwidersprochen hingenommen und muss sich das folglich auch nicht vorwerfen lassen.

    Dieses Wechseln des Fußes gab es schon zigfach und nie wurde das in Frage gestellt, geschweige denn gepfiffen

    Da muss ich dir (auf Bezirksniveau) widersprechen. Bestimmt schon ein Dutzend Male erlebt: Schütze tritt an, macht einen Schritt nach hinten, hebt den vorderen Fuß an und setzt ihn wieder ab, um dann beim Wurf den hinteren Fuß anzuheben. Pfiff: Fußfehler. Ok, war beim 7m, aber da gelten doch die gleichen Vorgaben, oder? War das jetzt die ganzen Jahre falsch?

    Um die Dänen schlagen zu können, hätte alles passen müssen. Und das hat’s halt nicht. In der ersten Hälfte Abwehr, Wolff, Knorr sehr stark, Uscins überragend. Um womöglich deutlicher vorne zu liegen, hätte Köster im Angriff einen besseren Tag gebraucht. In der zweiten Hälfte haben alle einen Ticken abgebaut, nicht viel, aber auf diesem Niveau denn doch entscheidend. Vorne ist nur Heymann in die Bresche gesprungen, das war zu wenig. Mit ihrer offensiveren Deckung und mit Nielsen haben die Dänen unserem Rückraum ein Stück weit den Zahn gezogen und zugleich unsere KL gut verteidigt. Und im dänischen Angriff darf man Old Man Mikkel nicht vergessen, der in der entscheidenden Phase als Vollstrecker von der Linie und als Ballverteiler da war.

    Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste: In meinem Umfeld gab es keinen, der die deutsche Leistung nicht gelobt hat. Motto: Schade, aber so kann man hocherhobenen Hauptes verlieren.

    Jetzt schauen wir mal, ob am Sonntag noch was drin ist. Eine Medaille plus die direkte Olympiaquali sollte Anreiz genug sein. Aber letzteres gilt für die Schweden auch, oder?

    Regel 15:1 ist in beide Richtungen interpretierbar. Ich bin kein Jurist, aber dafür kenne ich mich mit Semantik aus. Und die Formulierung, dass „ein Fuß immer den Boden berühren“ muss ist in Kombination mit „der andere darf wiederholt angehoben und abgesetzt“ werden eindeutig zweideutig. Kann sowohl immer den gleichen als auch immer einen von zwei bedeuten.

    Edit: Beuger war schneller 🙂

    Spieler mit dieser Verletzungsgeschichte sind immer ein gewisses Risiko. Spieler ohne große Vorgeschichte aber auch. Ich denke da z.B. an Oscar Carlén.

    In jedem Fall hätten die RNL heute keine Chance, Heymann zu verpflichten, WENN er verletzungsfrei geblieben wäre UND die Hoffnungen erfüllt hätte, die man zu Recht in ihn gesetzt hatte.

    Insofern hat der Transfer angesichts von Heymanns Leistungen bei der EM allemal das Zeug, ein echter Volltreffer zu werden. Wäre ihm und den RNL zu wünschen.

    Deine Aussage liest sich so, als wäre die Trefferquote etwas, was man von der Gut-Schlecht-Diskussion ausklammern kann oder was zumindest von untergeordneter Bedeutung ist.

    Was gibt dir die Sicherheit, dass in diesen Spielen eine höhere Trefferquote im Bereich des Möglichen gewesen wäre? Also nicht hypothetisch, sondern wie begründest du die schlechten Quoten und welche Anhaltspunkte siehst du, dass wir da genauso gut hätten haushohe Siege der Deutschen sehen können?

    Wenn man hätte deutlich gewinnen können, warum hat man es dann nicht einfach getan?

    Dass eine bessere Trefferquote grundsätzlich möglich ist, beweisen die Spieler Woche für Woche in der Liga. Und da steht ihnen ja auch kein Fallobst als TW gegenüber.

    Woran die verheerende Quote in diesen Spielen liegt, weiß ich ehrlich gesagt aber nicht - mal abgesehen von dem Umstand, dass die gegnerischen TW jeweils herausragend gespielt haben. Du hast natürlich völlig recht, dass sich diese Quote nicht losgelöst von der Qualitätsfrage betrachten lässt. Auch wenn vielleicht mangelnde Konzentration die Hauptursache war, ist ja auch das ein Aspekt von Qualität. Dazu kommt, wie schon ein anderer User schrieb, dass die deutsche Mannschaft dazu tendiert, in solchen Phasen die Brechstange auszupacken und in Hektik verfällt, anstatt seriös auf die Dinge zu setzen, die man gut beherrscht. Das ist dann ein Problem der Spielsteuerung und damit auch wieder eine Qualitätsfrage, aber angesichts des Alters zentraler Akteure auch irgendwie nachvollziehbar. Den eigentlichen Akt des Verwerfens sehe ich dagegen nicht als Altersproblem, schließlich haben mit Kastening, Dahmke, Mertens, Kohlbacher und Golla auch durchaus gestandene Spieler zuviel liegen gelassen.

    Mein Einwand bezieht sich im Grunde genommen darauf, dass du, wenn du einen Spieler in eine freie Wurfposition bringst, in diesem Angriff sozusagen 90% richtig gemacht hast. Der Wurf am Ender der Handlungskette kann reingehen oder nicht. Aber wenn man so etwas wie die Expected-Goals-Statistik beim Fußball erstellen würde, hätten wir beide Spiele klar gewinnen müssen.

    In jedem Fall ist einer der Punkte, die fürs Halbfinale skeptisch stimmen, natürlich der Umstand, dass Dänemark gleich zwei TW hat, die zu einer ähnlichen Performance wie Möstl und Kuzmanovic fähig sind. Wir werden heute sehen, wie sich das entwickelt.

    Andi.Waffen57

    Dass nicht jede Kritik per se Miesmacherei ist, da bin ich bei dir. Die deutsche Mannschaft hat nun mal keinen makellosen Durchmarsch hingelegt, der jede Kritik ins Leere laufen ließe. Da bleiben konträre Einschätzungen der (bisher) gezeigten Leistungen nicht aus. Ob sie bei einem anderen Modus vorzeitig raus gewesen wäre, bleibt spekulativ, genauso wie die Frage, ob sie gegen Kroatien gewonnen hätte, wenn das nötig gewesen wäre.

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie nur gegen Frankreich die eindeutig schwächere Mannschaft war. Die Spiele gegen Österreich (da trotz einer insgesamt schwachen Leistung) und Kroatien hätte sie allein mit einer halbwegs ordentlichen Trefferquote recht deutlich gewonnen. Das ist insbesondere gegen Kroatien nicht selbstverständlich.

    Mir hat das Team über weite Strecken Spaß gemacht, Haareraufen bei einigen Aktionen inklusive. Das liegt an teilweise recht ansehnlichen Angriffsaktionen und einer insgesamt sehr ordentlichen Abwehr, vor allem aber auch daran, dass die Mannschaft ein gewisses Versprechen auf die Zukunft darstellt. Der Großteil der Spieler hat, wenn keine größeren Verletzungen etc. dazwischen kommen, seinen Zenit noch nicht erreicht. Von daher bin ich für kommende Turniere vorsichtig optimistisch. Was das genau bedeutet? Nun, am Ende ein ähnliches Abschneiden wie jetzt. Einen ähnlich dominanten Kader wie Dänemark oder Frankreich werden wir wohl auf Jahre hinaus nicht haben. Aber vielleicht ein Team, das auf Sicht immer ums Halbfinale spielen kann, und wenn man das erreicht, ist auch eine Medaille drin.

    Die Mannschaft hat in meinen Augen bisher weder unter- noch überperformt. Wenn das so bleibt, werden wir als 4. rausgehen, wenn das Team jetzt noch einen raushauen kann, reicht es sogar für mehr. Und das wäre dann schon ein Riesenerfolg. Und wenn schon einen Vergleich mit dem Fußball, dann doch bitte mit den Italienern. Wie oft haben die sich schon durch die Vorrunde „gemogelt“, um dann hinten raus zuzuschlagen. Sollte uns das genauso gelingen, dann kann über verdient oder unverdient philosophieren wer will 😉

    Man muss aber auch sagen, dass Kohlbacher in seinen wenigen Einsatzzeiten nicht unbedingt geglänzt hat. Wenig Anspiele, aber die hat er auch in bei ihm ungewohntem Ausmaß verdaddelt. Zwei oder drei mal Ball nicht gefangen, den einen oder anderen Fehlwurf. Da haben (bis auf das letzte Spiel) Golla und Fischer besser abgeliefert.

    Konnte Sigurðsson gar nicht anders als genau diese Spieler zu nominieren bzw. nachzunominieren?

    Die genauen Entscheidungsprozesse kannte ich damals nicht und kann das nicht wirklich beurteilen. Beide waren positionsgetreue Nachnominierungen nach Verletzungen von Weinhold und Dissinger. Kai war damals bester Feldtorschütze in der HBL, von daher sicher eine naheliegende Option. Angesichts der zunächst gewählten Weinhold und Wiede aber auch nachvollziehbar, dass er nicht von Anfang an nominiert war.

    Bei Julius habe ich die Diskussion nicht mehr präsent. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass die Nominierung von Fäth und Dissinger größere Unruhe ausgelöst hätte. Auch Kühn war in der Torschützenliste sehr gut platziert, von daher vermutlich der natürliche Nachrücker.

    Weil die Qualität des 2016er Kaders im Vergleich zu heute hier ja auch schon Thema war: Man sollte sich schon noch mal bewusst machen, dass zwar im Vorfeld Weinhold und Gensheimer die einzigen deutschen Weltklassespieler waren. Dass aber Dissinger und Wiede ein gewaltiges Versprechen auf die Zukunft gaben, das die beiden verletzungsbedingt nie einlösen konnten. Wiede konnte mit der Wahl ins Allstar-Team 2019 seine großen Möglichkeiten noch mal andeuten.

    Es schien jedenfalls 2016 nicht abwegig, dass wir auf Sicht mit Wolff, Gensheimer, Dissinger, Strobel, Pekeler, Wiede und Reichmann (dessen sensationelle Performance in Polen so auch nicht unbedingt zu erwarten war), eine erste 7 haben würden, die auf fast jeder Position zumindest an der Weltklasse kratzt. Bitte noch mal auf der Zunge zergehen lassen: Weinhold wäre nicht zwingend die Nr 1 auf seiner Position gewesen. Und als Nr 3 steht der beste Feldtorschütze der Bundesliga parat. Nur so als Gedächtnisstütze für diejenigen, die beide Kader für vergleichbar halten 🙂

    Also sind wir aktuell erfolglos? Und sollen trotzdem ausgerechnet die an der Spitze der Verantwortung stehende Person nicht diskutieren?

    Da hast du mich erwischt. Evtl ein Freud‘scher Versprecher 🤷‍♂️

    Nun, super erfolgreich sind wir seit 2016 nicht mehr. Da hatte ich auch die Hoffnung auf mehr, zumal mir der Unterschied zu den Topnationen in Sachen Spielerqualität schon mal geringer schien als derzeit.

    Ich fordere auch gar nicht, dass Alfred unbedingt bleiben muss. Aber ich würde zum einen den weiteren Verlauf des Turniers abwarten. Noch bewegen wir uns in einem Korridor, der ein Abschneiden am oberen Limit möglich macht. Zum anderen erwecken viele Posts hier den Eindruck, als ob ein anderer Coach zwingend mehr Erfolg haben würde. Und genau davon bin ich nicht überzeugt.

    Mal eine vielleicht seltsame, aber ernstgemeinte Frage an die Leute, die im Leistungsbereich unterwegs sind/waren: Ist es im Spitzenhandball verpönt, dass z.B. ein RR einfach mal hinter dem VM diagonal einläuft, ohne dass das explizit angesagt wurde? Besonders wenn die Abwehr so weit rauskommt wie gestern.

    Wenn ich dran denke, wie viel Trainingszeit ich mit meinen Mädels dafür aufwende, denen solche Dinge beizubringen, den KL helfe, sich dann richtig zu positionieren, RM und RR zeige, wie sie dann gezielt weiterspielen können usw.

    Klar wird im Jugendbereich viel weniger auf gebundenes Spiel gesetzt, aber den Nationalspielern verbietet doch niemand, einfach mal „was zu machen“, wenn die einstudierten Dinge nicht laufen. Oder liege ich da falsch?