Beiträge von immerweiter

    Der Knorr scheitert mal wieder an seiner völligen Selbstüberschätzung

    Man kann Knorrs Leistung und seinen Spielstil ja kritisieren. Aber alles, was ich von ihm an Aussagen und Interviews so mitbekommen habe, hört sich sehr reflektiert an und ist von Selbstüberschätzung wesentlich weiter entfernt als so mancher Beitrag hier.

    Ist denn bei einer heutigen Niederlage definitiv Schluss ?

    Rechnerisch noch nicht, aber dann müsste schon sehr viel zusammenkommen. Umgekehrt ist auch bei vier Siegen noch ein Ausscheiden in einem Dreiervergleich möglich, aber auch da müsste sehr viel zusammenkommen.

    Ich denke, bei einer Niederlage heute ist auf jeden Fall die Euphorie erst mal vorbei. Die brauchen wir aber unbedingt, um was zu reißen.

    Ich hab in der entscheidenden Phase bei Baijens missglücktem Dreher ein Foul gesehen. Das war in meinen Augen kein freier Wurf und der hätte vorentscheidend sein können. Aber sei‘s drum. Palicka mit einer Monsterparade gegen den Rechtsaußen und drei weiteren Aktionen am Schluss hat den schwedischen Sieg gerettet. Chapeau!

    Ich konnte leider nur die letzten fünf Minuten sehen und hab mir deshalb die Mühe gemacht, alle Posts zum Spiel durchzulesen. Puh! Harte Kost. Eine illustres Bündel an Kritik: Am Trainer, am Angriff allgemein, an Knorr, an der Quote, an fehlenden Wechseln,…. …und dass es trotzdem über das ganze Spiel ein recht komfortabler Vorsprung war, liegt allein am grottenschlechten Gegner. Die ersten Rufe nach Durchwechseln kamen nach 5 gespielten Minuten - wenn nicht schon die Startaufstellung kritisiert wurde.

    Im Vergleich zum Spielbericht auf Handballworld und auch zu dem, was im ZDF nach dem Spiel getalkt wurde, dachte ich, dass viele von euch ein anderes Spiel gesehen haben müssen. Gegen Ende hat sich das etwas relativiert, trotzdem finde ich, dass mit dem deutschen Team erstaunlich hart umgegangen wird.

    Was ist denn passiert? Zwei sehr ordentliche Auftritte, maximale Punkt- und Torausbeute, in beiden Spielen die Breite des Kaders genutzt. Nicht alles ist perfekt, aber es ist auch eine alte Erkenntnis, dass der Formhöhepunkt nicht in der Vorrunde kommen sollte.

    Natürlich kommen noch schwierigere Aufgaben. Ob dazu unbedingt die nächste gegen Frankreich zählt, ist für mich noch gar nicht ausgemacht. Kann aber natürlich so kommen.

    Nationen können sich auch weiterentwickeln, wenn sie kein Kanonenfutter bei einer EM sind.

    Wenn ich die Basis einer Sportart geografisch verbreitern will, komme ich irgendwann nicht darum herum, den Zugang zu internationalen Meisterschaften zu erleichtern, vulgo: den Wettbewerb aufzublähen. Wann genau dieser Zeitpunkt ist, darüber kann man immer diskutieren.

    Der Handball stand vor wenigen Jahren vor der reellen Gefahr, wegen zu geringer internationaler Verbreitung seinen Olympiastatus zu riskieren. Da gibt es zumindest bei Weltmeisterschaften gar keine Alternative zu evtl nur drittklassigen TN aus allen Teilen der Welt. Und auch in Europa kann es auf Dauer nicht schaden, mehr Nationen „schnuppern“ zu lassen.

    Beim Fußball sieht man, was für einen langen Atem man dabei benötigt. Die erste afrikanische Mannschaft bei einer WM, an die ich mich erinnere, war Zaire 1974. Die wurden damals mit 9:0 aus dem Stadion geschossen. 50 Jahre später haben wir einen afrikanischen Halbfinalisten, die Japaner kegeln uns aus dem Turnier und ein Weltmeister außerhalb von Europa und Südamerika scheint nicht gerade wahrscheinlich, aber auch nicht mehr völlig unmöglich. Ich denke, ohne einen Einstieg mit Kanonenfutter ist so eine Entwicklung nicht möglich.

    Da hier zum heutigen Spieltag fast noch nichts gepostet wurde (könnte natürlich an den wenig überraschenden Ergebnissen liegen 🙂), hier ein kurzer Eindruck von beiden Spielen.

    Portugal hatte Tschechien klarer im Griff als das Ergebnis aussagt. Bei einer besseren 7m-Quote der Tschechen (2 von 7) hätte es aber durchaus spannend werden können. Zudem hatten sie die Portugiesen phasenweise in fast jedem Angriff im Zeitspiel, nur um dann doch noch den Treffer zu kassieren.

    Bei Portugal überragte natürlich Martim Costa mit 10 Treffern ( in der Halle wurden sogar 11 angezeigt), zudem Rema Marques mit vier gehaltenen 7m in Hälfte 1.

    Bei Tschechien hielt Klima sein Team am Anfang im Spiel. Als er nicht mehr so gut traf bzw. auch ausgewechselt wurde, geriet sein Team deutlicher ins Hintertreffen. Mir ging das Herz auf, als ich Martin Galia nach Jahren wieder einmal spielen sah. Ein echter Faktor war er aber nach gutem Einstand auch nicht.

    Beim zweiten Spiel sorgte Dänemark scheinbar schnell für klare Verhältnisse, ließ dann aber einige Chancen liegen, so dass die Griechen das Ergebnis freundlicher gestalten konnten.

    Die Griechen wehrten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten achtbar, wobei sich in der zweiten Hälfte Boukovinas mehrfach auszeichnen konnte. Laut Spielbericht hat er nur 7 Paraden gegenüber 8/10 von Nielsen/Landin, „gefühlt“ war er aber etwas stärker.

    Bei den Dänen ist schon brutal, wie sie ohne merklichen Qualitätsverlust durchwechseln können. Zunächst Gidsel und Damgaard, später Pytlick und Mensing - für Griechenland alle eine Nummer zu groß. Einzig Madsen konnte m.E. nicht ganz auf dem Niveau von Gidsel agieren, wobei das angesichts von 7 Treffern womöglich auch eher eine gefühlte Wahrheit ist.

    Noch ein Wort zu den Schiedsrichtern: Beide deutschen Gespanne boten eine einwandfreie Leistung bei allerdings auch recht einfach zu leitenden Spielen. Ohne Zeitlupe kann ich nicht jede Entscheidung bewerten, aber die vier machten einen sehr souveränen Eindruck und hatten die Sache jederzeit im Griff.

    Franz Beckenbauer hat in seinem Leben für den deutschen Fußball mehr geleistet als irgendjemand sonst

    Also ich sehe weder Paul noch jemand anderen und auch nicht die angeblich verlogenen Medien das auch nur ansatzweise in Frage stellen. Dafür benutzt du dieses Argument wie viele andere dafür, überhaupt schon die Erwähnung von Beckenbauers Verfehlungen in der 2006er Vergabe abzulehnen. Im Zweifelsfall wird dann auf eine angeblich spezifisch deutsche Tendenz zur Demontage unserer Idole verwiesen.

    Dabei ist das Interesse an Enthüllungen, man kann auch sagen: der Voyeurismus, vermutlich überall proportional zur Fallhöhe. Wer das bezweifelt, darf sich gerne mal britische Boulevardmedien näher anschauen.

    Richtig ist allerdings, dass 2006 zumindest schon starke Indizien existierten, wie man es schafft, ein internationales Top-Sportereignis an Land zu ziehen. „Das wollen wir gar nicht so genau wissen“, war seinerzeit in meinem Bekanntenkreis ein gängiger Satz. Als es aber klare Belege gab, konnte man nicht mehr einfach wegschauen.

    Ich bin im Übrigen durchaus bereit, die Mauscheleien als zumindest damals notwendiges Übel in Kauf zu nehmen bzw mit dem wunderbaren Sommermärchen gegenzurechnen. Aber nochmals: Daraus den Schluss zu ziehen, dass man diese Vorgänge niemals erwähnen darf, kann nicht die Lösung sein.

    Oh, ich wollte damit nicht sagen, dass ich ihn für einen tollen Spieler halte, nur weil Benno und Alfred ihn (immer noch) spielen lassen. Große Spiele habe ich von ihm auch schon lange nicht mehr gesehen.

    Ich wollte aber darauf hinweisen, dass es offenbar Leute gibt, die seine Leistungen nicht so kritisch sehen wie die große Mehrheit hier (zumindest derer, die sich zum Thema äußern). Zum Glück für Weber gehören da die beiden Trainer dazu, von denen sein Wohl oder Wehe letztlich abhängen. Und anstatt hundert mal mein Entsetzen über deren Einschätzung kundzutun, ziehe ich zumindest in Betracht, dass die beiden einfach mehr Kompetenz und mehr Einblicke haben könnten als ich.

    Wenn die Außen aber so gar nicht hinter die Abwehr laufen, sich so gar keine Räume öffnen und der Ball daher wie auf einer Perlenkette gezogen von rechts nach links und wieder nach rechts wandert

    Bei uns im HVW muss in der D-Jugend offensiv verteidigt werden (Manndeckung im Halbfeld oder 1:5). Von daher gibt es eigentlich immer Räume hinter der Innenverteidigung. Bei mir spielen natürlich meistens auch die Schwächeren auf Außen. Mit denen übe ich das Einlaufen von der ballfernen Seite und siehe da: Es kommen auch Spielerinnen zu Torerfolgen, die im 1:1 oder bei einem Wurf von außen (noch) keine Chance hätten. Nicht 10x pro Spiel, aber taugt sehr gut für erste Erfolge und mehr Selbstvertrauen. Und natürlich kriegt der Rückraum das Signal, dass ein gelungener Pass zur Einläuferin mindestens so viel wert ist wie ein eigenes Tor.

    Sorry Bernhard, aber das ist genau so ein Beitrag wie er gerade im Umgangsformen-Thread diskutiert bzw. angeprangert wurde.

    Natürlich kann man die Sache mit dem Videowürfel + Durchsage auch anders sehen. Aber Rheiner hat auch bereits zustimmende Posts bekommen. Da von Kritik um der Kritik Willen zu reden und gleich auch noch auf ein ganzes Lebensmotto zu schließen halte ich für deplatziert.