Beiträge von immerweiter

    @ Ronaldo

    Volle Zustimmung. Die Tatsache, dass man gemeinsam überlegt, wie es weitergehen kann, ist vor allem eines: unverzichtbar. Ob am Ende was dabei rüberkommt, muss man sehen. Aber blinder Aktionismus ist völlig fehl am Platz.
    Heiner würde ich aber schon vorwerfen, dass er die Zusammenarbeit mit der HBL mit seinen öffentlichen Äußerungen nicht erleichtert. Da würde auch ihm mal das bekannte Nuhr-Zitat gut zu Gesicht stehen. Zudem gewinnt man dabei den Eindruck, dass auch in Zukunft eher problem- als lösungsorientiert gedacht wird.
    In der Task Force selbst finde ich es nur schade, dass kein Vertreter der drei "Topclubs" dabei ist. Aber vielleicht ist sie in der angedachten Besetzung produktiver, weil das Stadium gegenseitiger Schuldzuweisungen schneller überbrückt wird.

    Nochwas:

    ... wenn ich schon lese, dass 17 oder 18jährige mit ihren professionellen "Beratern" vorfahren :pillepalle:

    Warum glaubt jeder (nicht nur im Handball), dass hier wohlstandsverwöhnte Raffkes am Werk sind, wenn bei Vertragsverhandlungen auf beiden Seiten des Tisches die gleichen Leute sitzen: Branchenkenner und Juristen. Ich halte es nicht für einen Ausdruck einer gereiften Persönlichkeit, sondern für schlichte Naivität, wenn 18-Jährige Schüler mit ausgebufften Profis verhandeln. Ich jedenfalls würde meinem Sohn, so er in dieser Lage wäre, als erstes einen ordentlichen Berater, zumindest einen Rechtsanwalt zur Seite stellen. Und ehrlich gesagt, würde ich das auch als Verein so haben wollen. Es steht den Vereinen ja immer noch frei, mit bestimmten schwarzen Schafen nicht zu verhandeln.

    Immerhin hat man im (Männer-)Handball wenigstens die Möglichkeit, eine solche Entscheidung zu treffen bzw. ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Ich muss da gerade an die Hockey-Nationalmannschaft denken. Wer hier Nationalspieler wird, hat alle Chancen auf Titel und Olympiamedaillen in Hülle und Fülle. Trotzdem beenden Weltklasseleute mit 27(!) ihre Karriere, um beruflich nicht den anschluss zu verlieren. Zu verdienen gibt´s da nämlich gar nichts.

    @ ojessen
    Früher wurden "Z 12er" gerne Geschäftsführer beim DRK oder so. Seit man für solche Jobs auch eine Qualifikation braucht, sieht es aber recht duster aus. Ich kenne allein drei Zeitsoldaten, die sich bis zur Pensionierung verpflichtet haben, weil sie auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance hatten. Da greift Steinars Argument, dass deine Ausbildung nach zehn Jahren womöglich auch nicht mehr viel wert ist.

    @ hereticus
    Volle Zustimmung. Für solche Sprüche sollte die Liga eine Geldbuße verhängen, nicht nur für sanfte kritik am Schiedsrichter. Bei der VfB-Jugend gilt allerdings, dass ein Schulabschluss zwingend ist und dass z.B. bei sinkenden Leistungen in der Schule sofort vom Verein gegengesteuert wird. Ich nehme an, dass das bei anderen Vereinen ähnlich ist und insofern Magath nur eine skandalöse Einzelmeinung darstellt.

    Heute in der Stuttgarter Zeitung: Ein Interview mit Rolf Brack. Im Internet leider nur als Bezahlangebot abrufbar. Deshalb daraus ein paar Zitate.

    [Ursachen Misserfolg]
    "Insgesamt gibt es ein Systemproblem, wozu die Verbandsstrukturen, die Trainer, die Mannschaft, die Einzelspieler bis hin zu deren Umfeld gehören."

    [Dringendste Aufgaben]
    "Die Spielphilosophie und den Bereich Nachwuchsförderung."
    "Der DHB muss sein Nachwuchsförderungssystem in Frage stellen. Zum einen, was die mannschaftstaktische Ausrichtung angeht. Aber auch die Abstellung von Spielern im Jugend- und Juniorenbereich über knapp vier Jahre hinweg, in denen diese Talente keine an den Verein angegliederte Saisonvorbereitung haben."

    [Bleibt Heiner Brand?]
    "Er ist in den verantwortlichen Gremien als Lichtgestalt nach wie vor unantastbar und hat deswegen das Heft des Handelns in der Hand, was für ihn kein Nachteil ist."

    [Nachfolger Schwarzer, Baur, Schwalb]
    "Die haben fast ausschließlich das System Brand erlebt. Das sind dann Kopien - und eine Kopie ist keine Verbesserung. Deshalb plädiere ich für eine Tandemlösung. Eine Teamlösung mit einem der genannten Kandidaten könnte [für mich] ein interessantes und innovatives Projekt für die Zukunft sein."


    Dass die besten Junioren praktisch die komplette Saisonvorbereitung ihrer Klubs verpassen, ist auch noch einmal ein wichtiger Hinweis zum Thema "Warum setzen die sich nicht (schneller) durch?" Das hat auch schon einmal ein Trainerkollege (Gislason?) bemängelt, weiß aber nicht mehr wer, wann und wo.

    das war immer so beim Bundesheiner: Der hatte immer seine Lieblinge wie Hens und Kraus an die er immer geglaubt hat.

    Das wird Brand oft zum Vorwurf gemacht und wenn seine "Lieblinge" so spielen wie die beiden bei dieser WM hat er natürlich wenig Argumente. Aber man darf nicht vergessen, dass er mit seinem Festhalten an bestimmten Spielern über Jahre ungeheuer erfolgreich war. Ohne diese Treue (und nebenbei gesagt bei einer Maßgabe, nur Stammspieler in ihren Clubs mitzunehmen) hätte es z.B. 2007 keinen WM-Helden Henning Fritz gegeben.
    Davon abgesehen habe ich nicht den Eindruck, dass das Wort "Liebling" das Verhältnis von Heiner Brand und Michael Kraus zutreffend beschreibt ;)

    Zitat

    Wenn ich Konkurrenzdruck haben will, dann muß ich ihn auch schüren.


    Da hast du grundsätzlich recht. Nur schüre ich den nicht ernsthaft mit den von dir genannten Leuten. Einen Fäth zu nominieren, der zwar als eines der größten deutschen Talente gilt, aber bei seinen bisherigen Stationen den Nachweis der Bundesligatauglichkeit noch nicht erbracht hat? Da werde ich als Trainer ausgelacht - und zwar nicht nur von den Spielern, denen ich damit Feuer unterm Hintern machen will.

    Das klingt alles sehr plausibel und vielleicht wagen ja mehr deutsche Talente den Sprung ins Ausland, wenn in der 2. Liga die Hälfte der Arbeitsplätze wegfällt. Aber liegt die bisherige Zurückhaltung denn wirklich daran, dass unsere Jungs satt, risikoscheu, verhätschelt und obendrein falsch beraten sind? Im Handball kenne ich nur so wenige Beispiele, dass ich daraus keine Erkenntnisse ziehen kann. Aber im Fußball fallen mir zwei Aspekte ein: Wer nicht zu einem absoluten Topclub im Ausland gewechselt ist, oder dort durch überragende Leistungen aufgefallen ist, ist zumindest früher schnell aus dem Fokus von Bundesliga und Nationaltrainer gerutscht. Ist vielleicht heute mit optimiertem Scouting etwas anders, aber zwei Beispiele aus der Vergangenheit:
    - Gernot Rohr war in den 80er jahren in Bordeaux mindestens auf dem Niveau vieler Rumpelkicker, die damals die Nationalelf bevölkerten.
    - Robert Enke ist aus Gladbach als Riesentalent weggegangen und hat zu seiner Lissaboner Zeit nicht schlechter gehalten als in Hannover. Hat nur niemand interessiert.

    Den zweiten Punkt hat mal Rudi Völler benannt, als es um die vielen Spieler ging, die als Stars oder Supertalente in ihrem Verein zum FC Bayern gingen und dort kein Bein auf den Boden brachten. Auf die Frage, ob die nicht ihrer Selbstüberschätzung oder falschen Beratern aufgesessen seien, antwortete er sinngemäß: "Wer nicht im Innersten daran glaubt, es auch bei den Bayern schaffen zu können, der schafft es nicht einmal in die zweite Liga."

    Ich war nie bei Vertragsverhandlungen von Profihandballern dabei. Aber ich gehe davon aus, dass die sich in einem Punkt nicht von Gesprächen unterscheiden, bei denen ein Kreisligaspieler zum Wechsel in eine Landesligamannschaft bewegt werden soll: Der interessierte Verein wird dem Spieler immer eine leicht rosarot gefärbte Perspektive präsentieren. "Wenn´s gut läuft..., die Stammspieler brauchen ihre Pausen und dann kannst du dich empfehlen..., allein das Training mit den Besten wird dich schon weiter bringen etc."

    Ein letztes: Aus den erfolgreichen Juniorenjahrgängen der letzten Jahre haben sich bisher genau zwei Spieler für die Nationalmannschaft durchgesetzt. Die waren in ihren Mannschaften die auffälligsten Spieler und sie spielen beide bei einem Topclub. Für ihre Kollegen ist also bisher nicht so evident, dass sie über Umwege besser oder gar schneller ans Ziel kommen.

    Achtung: Dieser Beitrag bezieht sich sowohl auf die Diskussion hier als auch im WM-Hauptrundenthread.

    Die Forderungen nach „schnellen“, „radikalen“ oder sonstigen Konsequenzen erinnern mich an die BILD-Schlagzeile von 1974 „So nicht, Herr Schön!“: Ich habe keine Ahnung, aber dafür das dumpfe Gefühl, dass sich jetzt etwas ändern muss. Sonst platze ich. Oder der deutsche Handball geht den Bach runter. Oder der Schnauzbart ist auch beim nächsten Turnier noch Trainer, obwohl er so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann. Oder, oder, oder...

    Die Freunde der einfachen Lösungen haben ja schon vor der WM die entscheidenden Versäumnisse erkannt. Dass Brand nämlich Jansen nicht mitgenommen hat. Oder Flohr. Und Lichtlein nicht eingesetzt. Mittlerweile behauptet ja niemand mehr, dass uns gerade diese Spieler entscheidend weitergeholfen hätten, oder?

    Ok, Schluss mit dem Sarkasmus. Ich hab mal (mehr oder weniger) alle Gründe gesammelt, die hier und andernorts für die Pleite aufgeführt wurden. Damit noch einmal deutlich wird, wie komplex die Materie vermutlich ist. Was mir nämlich gehörig auf den Zeiger geht, sind nicht diejenigen, die Veränderungen anmahnen und dabei z.B. auch den Bundestrainer nicht auslassen. Sondern die Sportsfreunde, die a) einen Tonfall an den Tag legen, als ob sie gerade persönlich beim Sesselfurzen beleidigt wurden und b) so tun, als ob man nur ein, zwei Deppen, Pfeifen, charakterlose Gesellen oder sonstwie ungeeignete Beteiligte aussortieren müsste, um wieder gut dazustehen.

    Die Reihenfolge ist übrigens ohne Wertung.

    1. Heiner Brand ist nicht mehr tragbar, weil
    a) er die falschen Leute mitgenommen hat
    b) er die falschen Leute spielen ließ
    c) er nicht das Optimum aus seinen Spielern geholt hat
    d) er falsche taktische Entscheidungen getroffen hat
    e) er überhaupt die falsche / veraltete / ineffektive Taktik gewählt hat
    f) er seine Mannschaft nicht mehr erreicht
    g) er sich zu lange vor seine Spieler stellt
    h) er einzelne Sündenböcke öffentlich an den Pranger stellt
    i) er von ihm ungeliebten Spielern keine Chance gibt bzw. ihnen jedes Selbstvertrauen raubt
    j) er für eine engere Zusammenarbeit von DHB und HBL verbrannt ist

    2. Hens und Kraus müssen weg, weil
    a) sie keine Führungsspieler sind
    b) Anspruch und Wirklichkeit bei ihnen zu weit auseinanderklaffen
    c) sie in ihren Vereinen nur Mitläufer sind
    d) sie sowieso nicht Handball spielen können
    e) ihnen der persönliche Erfolg über den der Mannschaft geht
    f) sie keine professionelle Einstellung haben (Kraus)

    3. Alternativen
    a) gibt es nicht
    b) gibt es, aber Heiner Brand ist zu dumm / zu stur / zu altmodisch / zu eingefahren, um sie zu erkennen
    c) gibt es aktuell nicht, können aber entwickelt werden, wenn man ihnen das Vetrauen schenkt

    4. Junge deutsche Spieler
    a) gibt es im Jugendbereich in Hülle und Fülle
    b) werden im Jugendbereich falsch ausgebildet (Stichworte: Härte / Abwehr; Taktik vs. Individuelle Fähigkeiten; körperliche Defizite)
    c) fallen durch ein ungenügendes Netz von Sichtungsmaßnahmen
    d) setzen sich in der HBL nicht durch, weil sie keine Chance erhalten
    e) setzen sich in der HBL nicht durch, weil sie zu schlecht sind
    f) setzen sich in der HBL nicht durch, weil sie zu früh zu viel Zucker in den Hintern geblasen kriegen
    g) werden von Brand ignoriert

    5. Kurzfristige Lösungsvorschläge
    a) Brand weg
    b) Kraus, Hens, Glandorf etc. weg
    c) Verbandsspitze / Bredemeier weg
    d) Spieler x auf Position y (Wunsch bitte eintragen) rein
    e) Nur noch Stammspieler in den Vereinen nominieren
    f) Mehr Vorbereitungszeit für Nationalmannschaft vor Turnieren
    g) Neuer BT von außen (Gislason, Serdarusic, Ausland; nicht Heuberger, Schwarzer, Baur)
    h) Runder Tisch / bessere Kooperation DHB / HBL

    6. Mittel- / langfristige Lösungsvorschläge
    a) „Auszeit“ bei großen Turnieren akzeptieren und neue Mannschaft aufbauen (junge Spieler nominieren, Perspektive statt aktuelle Leistung)
    b) Ausländerquote in der HBL
    c) Neue Strukturen für den Übergang Jugend – Erwachsene (U 23, Einsatzmöglichkeiten für Nachwuchs schaffen)
    d) Ruhig verhalten und auf bessere Zeiten warten (ok, das war jetzt nur meine Interpretation von Hotti Bredemeiers Statement)

    So, nun kann sich jeder nochmal die passenden Dinge aussuchen. Oder beliebig ergänzen...

    @ kuestentanne

    Das richtige Vorbild ist nicht das Thema. diese Kinder sind nämlich schon mal da, und da spielt es ein paar Jahre lang erst einmal gar keine Rolle, welcher Spieler Vorbild oder Idol ist. Aber davor, wenn es darum geht, Nachwuchs zu gewinnen, da hat ein deutscher Star in einer erfolgreichen Nationalmannschaft ein viel höheres Potenzial als ein noch so erstklassiger Vereinsspieler (ob Ausländer oder nicht).

    @ ojessen

    Der Gegensatz zwischen telegen und gut muss nicht zwingend einer sein und ist abgesehen davon durch die Realität längst überholt. Wenn ich eine Sportart über das lokale Umfeld hinaus vermarkten will, brauche ich eine Identifikations- und Projektionsfigur. Traditionalisten mögen die Nase rümpfen, aber das sind nun mal nicht zwingend die sportlich Besten. Weibliche Individualsportlerinnen, z.B. beim Skifahren, Biathlon, Eisschnellauf machen doch diese schmerzliche Erfahrung seit vielen Jahren. Gefragt ist, wer halbwegs erfolgreich ist, aber dabei am besten aussieht, fröhlich, sympathisch, offen, schlagfertig und sonstwie rüberkommt, kurz: wer geeignet ist, eine Marke zu bilden. Und über solche Leute hole ich auf lange Sicht Fans und Geldgeber. Ein letztes Beispiel: Stefan Kretzschmars wichtigste Leistung für den deutschen Handball waren doch nicht seine Tore auf Linksaußen. Nein, Kretzsche ist eine der wesentlichen Ursachen, dass Handball in den 90er Jahren cool wurde. Das ist an Werbewert, Fernsehpräsenz, Sponsorengeldern und begeisterten Jugendlichen nicht mehr zu toppen.

    Als ich die Ignoranz der Belange der Nationalmannschaft durch die HBL als arrogant und dumm bezeichnete, hatte ich nicht in erster Linie die vielleicht fehlende Akzeptanz einzelner Vereine im Blick. Es gab und gibt zum Glück viele Ausländer in der HBL, die bei ihren Fans ungeheuer populär sind - dank Leistung und Persönlichkeit.
    Mir geht es um etwas anderes. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ist Vereinshandball in Deutschland ein regionales Phänomen. Einen Boom der Sportart mit Kindern, die in die Vereine drängen, mit glänzenden Fernsehquoten und in der Folge mit Sponsoren, auch überregionalen, - den gab und gibt es bei uns nur mit der Nationalmannschaft. Und genau deshalb müssten die Vereine wenigstens ein minimales Interesse daran haben, dass die Nationalmannschaft in der Weltspitze halbwegs ordentlich mitmischen kann. Zumal der Hohn für die Bravo-Boys dieser Weklt gerade hier unter den Experten zwar groß ist - aber auch deren (sehr zahlreiche) Fans sind Fans. Kreischende Mädchen auf Autogrammjagd sind halt auch ein Zeichen, dass eine Sportart populär geworden ist. Und das geht mit Kretzsche, Pommes, Mimi und Mini allemal besser als mit Jicha, Karabatic und Szmal. Profisport ist Show, und da zählen nicht allein die sportlichen Fähigkeiten. Das werden einige Vereine noch bitter zu spüren kriegen, wenn die Entwicklung so weiter geht.

    Ich frage mich beispielsweise warum ein Andrei Kogut nicht zumindest als Nr. 2/3 in der Nationalmannschaft aktiv ist. Er ist jung, hat die A-Turniere durchlaufen, hat reichlich BL Erfahrung bei diversen Vereinen (weiß sich also zu integrieren) und spielt aktuell als Nr.1 auf seiner Position.

    Man muss nicht jeden Vorschlag ernst nehmen, oder? Der Junge hat Talent und hoffentlich eine Zukunft in der Nationalmannschaft. Das reicht offenbar neuerdings schon, um Mittelmann, Kopf der Mannschaft, Spielentscheider zu werden. Und in der Abwehr gleich auch noch den Roggisch zu ersetzen. Aus der Abteilung "Lustige Ideen" hätte ich dann auch noch einen: Kai Häfner. Der stammt aus meiner Gegend, hat in der Jugend-Oberliga oft auf RM gespielt, in der zweiten Liga auf RR und kann auf RA gehen, wenn den Sprenger mal wieder die Wade zwickt und der BT, warum auch immer, keinen zweiten dabei hat. Also Kraus, Haaß, Glandorf, Pfahl und Groetzki auf einen Streich ersetzt.

    Kraus hat schwach gespielt, Hens auch. Vor allem Kraus hat sich wohl endgültig als Spielmacher (im Sinne von Denker und Lenker) disqualifiziert. Und Hens konnte in engen Situationen auch keine Impulse geben. Aber die beiden jetzt als Vollpfosten ohne jegliche handballerische Fähigkeiten hinzustellen, ist auch daneben.


    RL: Christophersen, Kneer, Niemeyer (älter als Kaufmann)
    RM: Strobel, Salzer, Schindler (auch RL)
    RR: Pfahl, Weinhold, (Müller, ) Rojewski

    Mehr fallen mir da momentan nicht ein. Am meisten Potenzial sehe ich da auf RM. Auf RL ist aber irgendwie kaum Licht am Ende des Tunnels zu erkennen :(


    Die Liste sagt doch alles. Ich mag kaum einem der aufgeführten Spieler absprechen, dass sie noch eine positive Entwicklung nehmen können. Strobel z.B. ist einer meiner Lieblingsspieler. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann doch nur geistige Umnachtung, pure Verzweiflung oder eine ganz dicke Vereinsbrille zu der Annahme verführen, dass uns einer der fehlenden Spieler entscheidend weitergebracht hätte. Ich kann vor allem nicht ständig (und zurecht) klagen, dass unserer Mannschaft ein Kopf fehlt, und dann die B-Klasse oder pauschal irgendwelche "Jungen" ins Spiel bringen.

    Brack wäre wahrscheinlich keine schlechte Lösung. :bigok:

    Bei Gislason kann ich mir nicht vorstellen, das er zum DHB geht. Dazu gab es in der Vergangenheit zu viele Dissonanzen.

    Ich persönlich bin auch mal dafür sich im Ausland umzusehen :cool: . Vielleicht kann eine neue Handballphilosophie neuen Schwung bringen.

    Naja, eins ist sicher: Brack, den ich für den besten deutschen Trainer überhaupt halte, wird seine taktischen Finessen mit acht Tagen Vorbereitung auch nicht an den Mann bringen. Und Gislason wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er den THW (und den dortigen Kader) gegen die Nationalmannschaft eintauschen würde - zumal ich davon ausgehe, dass sein jetziger Job auch besser bezahlt ist.

    Abgesehen davon möchte ich vor allzu eifrigem Jugendwahn warnen. Vor allem der Verleich mit der DFB-Elf hinkt. Jogis Buben waren jung, aber in ihren Vereinen teilweise seit Jahren tragende Kräfte. Beispiele: Khedira war der strategische Kopf bei der deutschen Meisterschaft des VfB. Schweinsteiger hatte bei der WM schon ca. 70 Länderspiele auf dem Buckel und ebenso wie Müller eine überragende Saison beim Meister und Championsleague-Finalisten gespielt. Und schließlich waren mit Friedrich und Klose auch zwei alte Herren nicht ganz unbeteiligt am Erfolg. Was ich damit sagen will: Spieler von diesem Format hat Heiner keinesfalls übersehen, wenn mich mein Gedächtnis nicht völlig im Stich lässt. Vergleichbar wäre da vielleicht ein Aaron Palmarsson, und der wäre doch wohl auch in der deutschen Mannschaft nominiert worden.

    Und genau hier endet bei mir jedes Verständnis für die Liga bzw. die einzelnen Vereine. Ich finde, man muss Heiners Schlussfolgerungen (und daraus resultierende Forderungen) nicht in allen Details teilen. Aber zu glauben, der Vereinshandball in Deutschland könnte sich auf Dauer auch problemlos ein schwaches Nationalteam leisten, ist arrogant und dumm. Aber da sind wir schon wieder bei einer Diskussion, die selbst den unbeteiligten Zuschauer ermüden. Um so mehr kann ich Brand verstehen, falls ihm das an die Substanz geht.

    Ok, über die eine oder andere Taktik- bzw. Coaching-Frage kann man schon streiten: Warum waren z.B. Hens und Kraus so lange auf der Platte, Christophersen dagegen gar nicht? Schlechter hätte er es ja nun auch nicht machen können und auch Kaufmann hat wenigstens ein paarTore erzielt.
    Was mich aber wirklich erschüttert hat, war Brands Geständnis, dass die Mannschaft platt war. Nach einem Ruhetag, ohne Verletzungsausfälle, im günstigsten Fall inklusive dem heutigen vier Spiele vor Turnierende. Da frage ich mich schon, ob Heiner wissentlich nicht fitte Spieler mitgenommen hat (z.B. den einen oder anderen Rekonvaleszenten). Wenn ja, dann ist er selbst schuld. Immerhin hätte er ja in diesem Fall auch vorsorgen können, indem er von vorne herein frische Spieler für die Hauptrunde einplant. Was wurde im Vorbericht noch gelächelt über Opa Perez, der jetzt erst zum Einsatz kommt - und siehe da: Für Deutschland reicht es prompt.

    Wenn wir 6:4 Punkte haben, dann kann Island sogar gegen Spanien oder Frankreich gewonnen haben. Weil gegen uns müssen sie ja verloren haben.

    So geht´s, wenn man "und" und "oder" verwechselt. Aber wie schon gesagt - so richtig realistisch erscheint mir keine Variante. Wobei drei deutsche Siege noch wahrscheinlicher sind als die Annahme, dass Spanien oder Frankreich gegen Island gewinnt, aber gegen Ungarn und Norwegen keinen Punkt holt.

    Ist das Halbfinale für uns eigentlich wenigstens theoretisch noch möglich?

    Selbst wenn wir alles gewinnen, haben wir "nur" 6:4 Punkte

    Spanien und Frankreich starten schon mit 3 Punkten, Island sogar mit 4, ist das eig. überhaupt rechnerisch noch irgendwie möglich?


    Bei Punktgleichheit zählt der direkte Vergleich, oder? Dann wären wir mit 6:4 nämlich besser als das punktgleiche Island, falls die gegen Spanien und Frankreich verlieren. Bis hierhin noch durchaus drin. Der Knackpunkt: Eine der beiden Mannschaften aus der deutschen Gruppe darf außer gegen Island keinen weiteren Punkt mehr holen.

    Die Alternative hat Hjalti oben beschrieben. So richtig realistisch kling keine der beiden Varianten.

    Vergesst nicht, wir meckern hier auf einem ziemlich hohen Niveau, vergleicht die Repräsentanz des Handballs im TV und die akzeptablen bis guten Reporter, die wir mittlerweile haben, mal mit den Gurken von vor 10 Jahren.


    Das meine ich allerdings auch. Erinnert sich noch jemand an Handball in der ARD mit Rolf Kramer am Mikro? Der kannte kein einziges Schiedsrichterzeichen, von Dingen wie taktische Formationen etc. ganz zu schweigen. Und damit war er nicht allein. Das fiel nur oft nicht auf, weil die Zahl der möglichen Fehler in Zweiminuten-Einspielern naturgemäß begrenzt ist.