Preisfrage: Wer wird mehr hinters Licht geführt? A) Polizisten, B) Journalisten, C) Richter oder D) Finanzbeamte? Wer in Zeitungsredaktionen arbeitet, wer dabei auf- und erklären, wer innovativ tätig sein möchte und dabei den Anspruch hat, dem Abonnenten mehr bieten zu wollen, als es glattgebügelte Homepages von Vereinen tun können, der wird sich für B) entscheiden. Denn zaudern und zögern, taktieren und erfinden, aussitzen und abstreiten, egal, welche Fakten auch auf dem Tisch liegen, hat sich inzwischen gegenüber Redakteuren zu einer Art Volkssport entwickelt, der eine konstruktive Zusammenarbeit erschwert, der Misstrauen schürt, der vor allem aber die Jagd auf Exklusivität beflügelt.
(...) Oder dass die Verantwortlichen des größten Handball-Clubs der Region gegenüber den Medien behaupten, sie würden mit einem Etat von 3,3 Millionen Euro wirtschaften, obwohl sie über rund eine Million mehr verfügen. Und dies den 130 Kommanditisten ihrer GmbH & Co. KG in der jährlichen Gesellschafterversammlung auch so präsentiert haben. Zum 30. Juni 2014 wies die Gewinn- und Verlustrechnung der HSG Wetzlar einen Etat von 4,25 Millionen Euro aus, zum 30. Juni 2015, so der Entwurf, wird er 4,45 Millionen betragen. Alleine die Personalkosten der Grün-Weißen liegen dem Vernehmen nach bei 3,1 Millionen, dazu kommen noch die Miete für die Rittal-Arena (rund 400 000 Euro), Verbandsabgaben, die Kosten für Autos und Telefone, Mieten und die Ausgaben für die Geschäftsstelle. Über fast viereinhalb Millionen Euro verfügen zu können, sollte die HSG-Verantwortlichen stolz machen. Sie haben ihre Aufgaben erledigt, sie haben solide und seriös gearbeitet, sie haben es geschafft, den Dorfclub zu einer angesehenen Adresse in der stärksten Handball-Liga der Welt zu machen. Sie haben es überhaupt nicht nötig, mit falschen Zahlen zu operieren, sie brüskieren damit die Öffentlichkeit, vor allem aber jene kleinen Club der Liga, mit denen sie sich wirtschaftlich angeblich messen sollten, die ihnen finanziell (und sportlich) aber nicht das Wasser reichen können. Die Tabelle der Handball-Bundesliga spiegelt die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Vereine wider. Mit derzeit Rang sieben steht die HSG Wetzlar da, wo sie auch hingehört. Auf Augenhöhe mit MT Melsungen, den Füchsen Berlin, Frisch Auf Göppingen und dem SC Magdeburg.
Noch einmal zurück zum Thema oft unsäglicher Presseerklärungen, mit denen Vereine fast täglich versuchen, sich in der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken. Rund sechs Wochen, nachdem diese Zeitung exklusiv vermeldet hatte, dass der bosnische Nationaltorhüter Benjamin Buric zur HSG Wetzlar kommen wird, machten auch die Grün-Weißen den Wechsel öffentlich. Und gaben damit endlich zu, was sie vorher noch so vehement bestritten hatten. Über die Aussage des Keepers des slowenischen Spitzenclubs RK Gorenje Velenje, "ich bin überglücklich, dass ich bei der HSG Wetzlar das Vertrauen geschenkt bekomme, in der DKB Handball-Bundesliga zu spielen", hatten die Besucher der Homepage der Grün-Weißen indes viel zu lachen, schließlich ließ der Club aus Dutenhofen und Münchholzhausen gleich einen Satz später wissen, dass Benjamin Buric erst noch einen Volkshochschulkurs belegen müsse, um überhaupt die deutsche Sprache zu lernen.(...)