Keine WM-Tickets, aber 80 € Kosten
WM-Fieber bei Alexander (26) und seinen Kölner Jungs Rainer, Tobi und Franco. Sie wollen unbedingt WM-Atmosphäre schnuppern. Also müssen Tickets her. Sie haben‘s versucht, keine bekommen und trotzdem 80 Euro gezahlt. Ist das fair?
Alex bestellt Karten: Vier Team-Serien-Tickets für Kamerun. Satte 1900 Euro buchte das WM-Organisationskomitee (OK) drei Tage nach der Bestellung am 1. Mai 2005 ab. Doch leider schafft Kamerun die WM-Qualifikation nicht. Die Tickets sind also futsch. Zu der Enttäuschung der vergeigten WM-Teilnahme bei Alex & Co. kommt der Frust, dass sie trotzdem zahlen müssen: Nicht den Ticketpreis, aber 80 Euro Bearbeitungsgebühr behält das OK ein. Pro Person 20 Euro. In der höchsten Karten-Kategorie wären es sogar 50 Euro.
„Wir machen vor der Bestellung auf die Gebühren aufmerksam“, erklärt WM-OK-Pressesprecher Jens Grittner. Aber was ist mit den Kunden, die keine Tickets bekommen? „Es ist ein Optionsgeschäft und die Bearbeitung der Anfrage fällt trotzdem an. Wir sehen das nicht als unfair.“ Der Bundesverband der Verbraucherzentrale allerdings schon: „Wir finden es absolut unzumutbar. Moralisch ist es sehr problematisch. Wir prüfen jetzt die juristische Lage“, sagt Verbands-Sprecher Christian Fronczak.
Nicht nur bei den Team-Serien-Karten, sondern auch bei der aktuellen Verkaufsphase der Optionstickets müssen Fußballfans, die leer ausgehen, zahlen. „Nach meiner Bestellung habe ich im Kleingedruckten gelesen, dass ich pro Karte 5 Euro zahlen muss. Abzocke! Jetzt überlege ich, die Überweisung zu stoppen“, beschwert sich Pepi Schmitt aus Frankfurt. Noch ein Grund zum Ärgern: Das Geld kommt nur verzögert zurück. Offiziell zwei Wochen nach der Qualifikation, die für Kamerun am 12. Oktober endete. Aber oft bleibt es bei der Ankündigung.
Alexander sagt: „Bei mir ist aber nichts angekommen. Das dauert bestimmt bis Ende des Jahres.“ Dann wären immerhin acht Monate verstrichen. Eine lange Zeit, in der das WM-OK vermutlich mit vielen Millionen Euro Zinsen verdient – auch von denen, die gar keine Tickets bekommen. Ist das nicht doppelt unfair? „Das WM-OK behauptet, die Zinsen seien in die Ticket-Kalkulation miteingeflossen. Doch wir haben unseren Zweifel an der Argumentation“, so Fronczak. Das WM-OK bleibt hart: „Wir bleiben bei unserem Kurs.“