"Es mag komisch klingen", diktierte SG-Trainer Heino Kirchhoff den zunächst erstaunten Chronisten ins Protokoll, "aber ich bin das erste Mal in dieser Saison zufrieden. Ich fand, das war unsere bisher beste Saisonleistung." In der Tat komisch, hatte seine Mannschaft doch noch eben Saisonniederlage Nummer zwei im dritten Auswärtsspiel einstecken müssen. Doch die ohne Sandro Borschka (Bänderdehnung) und zudem mit den "fußlahmen" Mathias Fuchs und Seppl Hinze aufgelaufene Sieben hatte dem neuen Tabellenzweiten ein erbitterten Fight geboten und an den Rand einer Niederlage gebracht.
Das es nach Varel nicht zum zweiten Erfolgserlebnis auf fremden Terrain reichte, hatte mehrere Gründe. Den wohl wichtigsten lieferte der Trainer frei Haus. "Ausklammern möchte ich natürlich die ersten dreizehn Minuten", so der Pädagoge, "da waren wir einfach in allen Belangen zu hektisch." Da mangelte es gegen die enorm druckvoll beginnenden Hausherren vor allem in der Zuordnung im Defensivbereich. Keeper Gerrie Eylers bekam nicht einen einzigen Ball zu fassen und im Angriff reihten sich Fehlwürfe, technische Fehler und das wohl oder übel auswärts obligatorische Pech aneinander: Zur Krönung das nicht unbedingt pro Sportring gesonnene Schiedsrichtergespann welches zu häufig durch penibles Anlegen von Zollstock und Wasserwaage Erfolg versprechende Aktionen im Keime erstickte. An all den misslichen Umständen änderte auch Kirchhoffs Auszeit nach bereits neun Minuten nur wenig. Das niederschmetternde Resultat in besagter 13. Minute: 9:4 für die Hausherren.
Nach zwanzig Minuten machte sich zwar noch keine Weltuntergangsstimmung im Rund der gut 50 mitgereisten Fans breit, aber der 6:12-Rückstand vermittelte nur noch äußerst geringen Anlass zum Optimismus. Daniel Hammes (erfolgreich im Siebenmeternachwurf), zweimal ein erstaunlich selbstbewusster, zielstrebiger und treffsicherer Carsten Lange sowie der eingewechselte Marcel Leclaire mit den ersten erfolgreichen Paraden zwischen den SG-Pfosten sorgten jedoch zur Pause für halbwegs moderate Verhältnisse. Und der zweite Durchgang sollte es dann in sich haben!
Vor allem mit erhöhter Aggressivität in der Abteilung Tore Verhindern und der dazu entsprechend gesunden Härte kaufte die SG den Westfalen zunehmend den Schneid ab. Spätestens nach 41 Minuten war die Partie wieder völlig offen. Lukas Schumacher hatte soeben den ersten Ausgleich auf der Hand, doch sein Heber – allerdings in Bedrängnis - landete hinter dem Ahlener Gehäuse. Zehn Minuten später markiert Rechtsaussen Matthias Deppisch in seiner unnachahmlichen Weise den längst fälligen Ausgleich zum 23:23. Beim 26:26 (56.) durch den nicht einmal schlechten Tim Zulauf riecht es förmlich nach einer Entscheidung auf der Zielgeraden, doch nun stechen die "Ahlener Trümpfe" – die Kirchhoff als weitere spielentscheidende Gründe ausgemacht hatte - endgültig. Die Achse der bundesligaerfahrenen Tomasz Lebiedzinski (Rückraum) und dem alles überragenden Haupttorschützen Frank Habbe (Kreis) dupiert die SG-Deckung mit Sperren und Absetzen mehrfach erfolgreich, der jetzt zwischen den Pfosten stehende André Deppe verzeichnet gegen Hinze und Alois Mraz zwei bigpoints und der ebenfalls erst in der Schlussphase eingewechselte ASG-Kapitän Dirk Schmiedtmeier besiegelt mit drei Treffern in Folge zum 29:26 eine unterm Strich sogar vermeidbare Niederlage im Nachholspiel des vierten Spieltages.
Im "begradigten" Tabellenbild belegt die SG nun Platz sechs und führt dank der "besten Abwehr der Liga" und der daraus resultierenden Tordifferenz damit ein Quintett von Teams (OHV Aurich, Reinickendorfer Füchse, SV Anhalt Bernburg und HSG Augustdorf/Hövelhof) mit jeweils 8:6 Punkten an.
Die Statistik:
Ahlener SG – SG Solingen 30:27 (13:9)
Ahlener SG: Deppe (ab 52.), Katsigiannis; Mähler (n.e.), Lebiedzinski (1), Schmiedtmeier (4/1), Önder (n.e.), Wiegers (1), Habbe (11), Klaus, Bagel (1), Weber (7), Lindt (4/1), Greger (1).
SG Solingen: Leclaire (11. - 53.), Eylers; Fuchs (3), van Walsem, Schumacher (2), Hinze (3), Lange (4), Deppisch (3), Hammes (2/1), Düllberg, Mraz (6), Zulauf (4).
Schiedsrichter: Christoph Immel / Ronald Klein (Duisburg / Mülheim/Ruhr). - Zuschauer: 900. - Siebenmeter: 3:2 - 3:1 (Lindt scheitert an Leclaire (22.) – Hammes (20.) und Mraz (26.) scheitern an Katsigiannis). - Zeitstrafen: 8:10 Minuten (Lebiedzinski, Weber, Lindt, Greger – van Walsem, Düllberg / je zweimal, Fuchs).