Interessant, wie Oberguru Manfred Amerell die strittigen Szenen auf Sport1 beurteilt:
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München - Es war der Aufreger des 7. Spieltages: Bayern-Keeper Oliver Kahn schnappt sich einen Flankenball vor Werder-Stürmer Miroslav Klose. Kaum gelandet rast Kahn auf Klose zu und attackiert seinen Nationalelf-Kollegen.Kahn brüllt, drückt seinem Gegenüber zweimal den linken Zeigefinger ins Gesicht, kommt aber ungestraft davon. "Das ist ein Unding. Ein Spieler, der einen anderen so provoziert, sogar droht, der gehört nicht auf den Platz", wetterte Bremens Trainer Thomas Schaaf.
"Nachträgliche Sperre ausgeschlossen"
Nicht nur Kahn, auch Teamkollege Michael Ballack und Hannovers Torhüter Robert Enke zogen sich mit unglücklichen Aktionen den Unmut der Fans zu.
Sport1 sprach mit Manfred Amerell, Sprecher der Bundesliga-Schiedsrichter, über die fraglichen Szenen. Sein Fazit: "Die Schiedsrichter haben ihren Ermessensspielraum zugunsten der Spieler ausgelegt."
Die vier Fälle im Einzelnen:
Kahn gegen KloseDas sagen die Beteiligten:
Klose: "Das ist eben seine Art zu diskutieren. Aber der Olli darf wohl alles." - Kahn: "Ich habe einen Schlag in die Nieren gespürt. Miro sagt, er war es nicht, also müssen das höhere Mächte gewesen sein." - Bremens Stürmer Ivan Klasnic: "Ich hätte Kahn voll eine geklatscht. Das war typisch für ihn. Der hat ein psychisches Problem, weil sein Familienleben beschissen läuft."
Das sagt Manfred Amerell:
"Herbert Fandel hat seinen Ermessensspielraum zugunsten von Kahn ausgeschöpft - wenn auch bis zur Schmerzgrenze, vielleicht sogar darüber hinaus. Es wäre nicht unklug gewesen, Kahn Gelb zu zeigen. Aber die Regeln schreiben hier nicht zwingend eine Strafe vor. Von einem Bonus für Kahn würde ich nicht sprechen.
Man muss die Szene isoliert von seinen bisherigen Ausrastern sehen und den Einzelfall beurteilen. Kahns Aktionen müssten aber bei Bayern intern zu Diskussionen führen. Eine nachträgliche Sperre für ihn ist - wie auch bei allen anderen Fällen - ausgeschlossen, weil Fandel nichts übersehen, sondern schon im Spiel entschieden hat. Damit haben wir eine Tatsachenentscheidung."
Ballack gegen Fahrenhorst
Das ist passiert:
Ballack schlägt Fahrenhorst im Bremer Strafraum beim Versuch, den Ball abzuschirmen, den rechten Ellenbogen ins Gesicht und bricht dem Bremer dabei die Nase. Schiedsrichter Fandel lässt weiterlaufen.
Das sagen die Beteiligten:
Ballack: "Dass die Nase gebrochen ist, tut mir Leid. Aber es lag keinerlei Absicht vor. Ich habe ihn einfach nicht gesehen." - Fahrenhorst: "Keine Ahnung, ob das Absicht war, jedenfalls hat er mich gut erwischt."
Das sagt Manfred Amerell:
"Die Fernsehbilder belegen eindeutig, dass Ballack in einer natürlichen Körperbewegung den Ball annimmt und dabei weder nach hinten schaut noch schlägt. Fahrenhorst geht von hinten drauf und prallt unglücklich mit Ballack zusammen. Da ist dem Münchner überhaupt nichts anzukreiden. Richtige Entscheidung von Fandel."
Ballack gegen Klose
Das ist passiert:
Vor dem 1:0 für Bayern hält Torschütze Ballack seinen Gegenspieler mit dem rechten Arm am Boden und köpft so unbedrängt ein.
Das sagen die Beteiligten:
Klose: "Er hat mich einfach weggedrückt. Das war nicht in Ordnung." - Ballack: "Das war ein ganz normaler Zweikampf."
Das sagt Manfred Amerell:
"Man sucht hier mit dem Feldstecher nach irgendwelchen Fouls. Ballack war beim Kopfball einfach schneller dran. Er setzt im Zweikampf um den Ball den Körper ein - das ist erlaubt und regelkonform. Das Tor wurde also völlig korrekt erzielt."
Enke gegen Antonio Di SalvoDas ist passiert:
Hannovers Keeper Enke eilt - das gestreckte Bein voran - aus seinem Kasten und rammt dem Rostocker Stürmer die Hüfte ins Gesicht. Di Salvo bleibt bewusstlos liegen, muss mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Schiri Jürgen Jansen entscheidet auf Freistoß für Hansa und Gelb für Enke.
Das sagen die Beteiligten:
Enke: "Es war keinerlei Absicht. Man kann Foul pfeifen, Gelb war auch in Ordnung. Der Schiedsrichter hat also richtig entschieden. Ich wünsche Antonio gute Besserung." - Rostock-Trainer Juri Schlünz: "Die Regelauslegung des Schiedsrichters kann ich nicht verstehen."
Das sagt Manfred Amerell:
"Es kommt zum Crash, weil neben Enke und Di Salvo noch der Hannoveraner Dariusz Zuraw beteiligt ist und mit einem Schubser gegen Di Salvo den Zusammenprall verursacht. Aber Enkes Vorgehen war rücksichtslos und grob fahrlässig. Man hätte hier - nach Betrachten der Fernsehbilder - durchaus Rot zeigen können. Zunächst sah es aber nicht so schlimm aus, weshalb die Gelbe Karte in Ordnung war. Parallelen zum Fall Schumacher sehe ich nicht, weil Battiston bei der WM 1982 alleine auf das Tor zugelaufen ist."