Nicht nur Jubel im Labyrinth
ARENA-VORERÖFFNUNG / Fortuna-Sieg sorgt für ausgelassene Stimmung, einige Pannen aber auch für herbe Kritik.
Schweißnass lässt sich Helga Mertens auf ihren Sitz im Oberrang der Westtribüne fallen. 35 Minuten lang wurde die 67-jährige Fortuna-Freundin von orientierungslosen Ordnern auf Irrwegen durch das Labyrinth geschickt. "Dafür will ich jetzt etwas geboten bekommen", fordert die Rentnerin. Und bekam sie auch. Der 2:0-Erfolg der Düsseldorfer Regionalliga-Kicker über Union Berlin bescherte der Voreröffnung der Arena eine gelungene Feier-Atmosphäre mit Gesängen und der "Welle" auf den Rängen. Die sollen laut Angaben des Arena-Managements mit 38 123 Besuchern gefüllt gewesen sein. Die Jubelstimmung unterdrückte ein wenig die Misstöne über teils chaotische Zustände, die durch Organisations-Defizite hervorgerufen wurden.
Weil nur zwei Eingänge auf die "Arena-Baustelle" führten, herrschte vor dem Anpfiff ein dichtes Gedränge. Tausende Fans standen noch vor den Toren, als die Partie längst lief. "650 Toiletten hat die Schüssel, aber nur zwei Eingänge. Eine Unverschämtheit", wetterte Fortuna-Anhänger Felix Meinert (39), der soeben noch pünktlich eintraf, als Gustav Policella die Düsseldorfer um 19.49 Uhr zum ersten Mal jubeln ließ. Viele Rheinbahn-Kunden waren stocksauer. Das Verkehrsunternehmen setzte die Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof und Arena zwar im Drei-Minuten-Takt ein, doch wegen einiger Pannen war die Strecke blockiert. In überfüllten, stickigen Zügen dauerte die Fahrt teilweise über eine Stunde.
"Die Stimmung reißt einen mit"
Doch bei den meisten Fortuna-Freunden war der Ärger spätestens um 20.43 Uhr verflogen, als die erste La-Ola-Welle durchs Stadion kreiste. Überhaupt gab es für den 218-Millionen-Euro-Bau fast nur lobende Worte. "Man hat von allen Plätzen aus einen super Blick aufs Spielfeld. Ich bin restlos begeistert, die Stimmung reißt einen mit", freute sich Schreinermeister Erich Berg und kassierte kollektives Kopfnicken seiner Nachbarn.
Rückblende: Um 17 Uhr standen erst wenige hundert Besucher vor der Arena. Das Dorffest-Beiprogramm mit den Werstener Show-Fanfaren und Co. wollte sich kaum jemand antun. Und weil der Ordnungsdienst - 800 Ordner, Platzanweiser und Hostessen waren neben 300 Polizisten im Einsatz - Organisationsprobleme hatte, öffneten sich die Tore erst um 17.30 Uhr. Da sich die Ordrner zuerst selbst orientieren mussten, konnten sie den Gästen kaum helfen. Auf die Frage, wo denn die nach einem Sponsor benannte Warsteiner-Tribüne sei, bekam Ricarda Bauer aus Wersten die flapsige Antwort: "Die existiert hier garantiert nicht. Hier gibt es doch nur alkoholfreies Bier."
Ernst Böhmer hatte für sich, seine Frau und zwei Kinder die teuersten Karten gekauft (je 30 Euro): "Das ist happig für die Regionalliga, zumal wir auf einer Baustelle sind", monierte er. Die Preise für Getränke (0,5 Liter Wasser oder Cola 2,50 bis 3 Euro) fand er nicht zu teuer.
Ärgerlich reagierten Besucher auf der Westtribüne. Wo ihre Plätze sein sollten, waren keine Sitze montiert worden. So mussten sie auf dem mit hellem Staub übersäten Beton Platz nehmen. "Die Rechnung für die Reinigung meiner Hose schicke ich OB Erwin. Der wollte ja unbedingt seine Wahlkampf-Einweihung feiern", zürnte Erich Grünberg.
Der OB selbst blieb ungewohnt stumm. Die ursprünglich angekündigte Rede verkniff er sich. Fürchtete er ein gellendes Pfeifkonzert? So gab´s am Ende nur Jubel.