Nationalmannschaft als Vorbild" - Erfolgreiche letzte Härtetests bei der Saisoneröffnung
"Nach dem Turnier könnte man glauben", sinnierte Heino Kirchhoff, "die deutsche Nationalmannschaft könnte zu unserem Vorbild werden." Zwar griffen die Zweitligahandballer der SG bei ihrer eigenen Saisoneröffnung nicht gerade nach olympischen Edelmetall, doch die Art und Weise wie Kapitän Alois Mraz & Co. die beiden Gästeteams aus Belgien und den Niederlanden in die Knie zwang, erinnerte schon stark an die aktuellen Auftritte der Brand-Schützlinge in Athen.
Symptomatisch das Finale gegen den neunfachen niederländischen Meister Wealer V&L Geleen. Dirk van Walsems Tor zum 5:3 läutete eine 22minütige Feldtrefferflaute in Reihen der Gastgeber ein. Kapitän Mraz traf von besagter 9.Minute bis zum Seitenwechsel zwar dreimal traumwandlerisch – allerdings nur noch vom Siebenmeterstrich. Folgerichtig gingen die Niederländer mit einem Vorsprung in die Kabinen. Das dieser jedoch mit 8:9 Toren recht moderat ausfiel, offenbart die Stärken der Kirchhoff-Truppe kurz vor dem Pflichtspielstart der Saison 2004/05. "In der Abwehr fighten wir super", gewann der Trainer der leider äußerst karg besuchten Veranstaltung in der Klingenhalle einen ersten positiven Aspekt ab. "Damit können wir schon viel kompensieren, wenn es vorne mal nicht so rund läuft."
In der Tat musste der 50jährige Übungsleiter der SG im Angriff einige "Löcher stopfen." Fabian Düllberg wurde vom Trainer aufgrund von Schulterproblemen weitestgehend geschont und über die Offensiveistung der beiden Linkshänder Tim Zulauf und Neuzugang Carsten Lange musste man in beiden Spielen (leider) den Mantel des Schweigens hüllen. Und so blieb es wie schon so oft am Kapitän hängen, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Alois Mraz markierte in beiden Turnierspielen 21 Treffer (davon neun Siebenmetertore bei zehn Versuchen) und war damit gleichzeitig torhungrigster Schütze der ganzen Veranstaltung.
Die hatte am frühen Nachmittag mit dem Spiel der Gastgeber gegen die Belgier von Sporting Neerpelt begonnen. Der war zwar ohne Trainer Oleg Boiko und das derzeit national größte Talent Bram de Witt angereist, dafür aber mit jeder Menge Referenzen im Gepäck: Achtfacher Pokalsieger und zehnmal Landesmeister, zuletzt noch in diesem Jahr. Doch nur zweimal erlaubten die Gastgeber dem Serienmeister eine Führung: Beim 1:0 (3.Minute) und kurz nach dem Wechsel (36.) zum 14:13. Ansonsten diktierte die SG das Geschehen. Dank einer starken Abwehrleistung mit einem gut aufgelegten Keeper Marcel Leclaire im Rücken. "Wenn die Kraft da ist", analysierte Kirchhoff zusätzlich, "dann läuft auch vorne der Ball schon ganz passabel." Vor allem Mathias Fuchs (6) und Alois Mraz (11/3) waren kaum zu bremsen. So hieß es am Ende völlig verdient 26:24 (12:9) für die SG.
Das zweite Spiel des Tages entschied Geleen mit 29:26 (16:14) zu seinen Gunsten. Beim offensichtlich geschlossenen Nichtverteidigungspakt gingen die Niederländer von Beginn an in Führung und mit einer verdienten 16:14-Führung in die Kabinen. Neerpelt – angetrieben vom erfahrenen polnischen Routinier Szymon Dobrzynski (11/4) - drehte im Anschluss an den Pausentee das Ruder kurzzeitig um, ging mit 18:16 seinerseits in Führung (35.). Doch dann machte sich auch bei den Belgiern der Kräfteverschleiß breit. Mit bereits 100 Spielminuten in den Gliedern schwand beim Champions-League-Qualifikanten in den entscheidenden Schlussminuten die notwendige Gegenwehr.
So avancierte das abschließende Spiel der beiden Neerpelt-Bezwinger automatisch zum Finale. Heino Kirchhoff hatte in der Halbzeitpredigt wohl den passenden Ton getroffen. Matthias Deppisch, Lukas Schumacher, Alois Mraz und Mathias Fuchs wandelten binnen fünf Minuten den 8:9-Rückstand in eine 12:9-Führung um. Eine Führung die mit vereinten Kräften, einem überragenden Gerry Eylers zwischen den Pfosten, einem unermüdlich am Kreis rackernden Sebastian Hinze und last not least bis zum Spielende verteidigt werden konnte. 21:17 lautete das Endresultat, gleichbedeutend mit dem Turniersieg der Gastgeber.
"Beide Spiele gewonnen, den zum Ziel gesetzten Turniersieg errungen", resumierte Kirchhoff zufrieden, "das dürfte das Selbstvertrauen im Hinblick auf den Meisterschaftsstart entsprechend stärken." Nächste Woche wir das Trainingspensum der SG laut Coach "auf Saisonniveau" herunter geschraubt. "Bis zum Pokalspiel in Wuppertal nächsten Sonntag haben wir sogar einen Tag mehr Pause", setzt Kirchhoff jetzt auf regenerative Maßnahmen und verspricht, "die teilweise vermisste mannschaftliche Geschlossenheit werden wir bis dahin auch wieder finden. Heute haben mir noch zu viele die Verantwortung dem Alois übertragen."
SG-Saisoneröffnung im Überblick:
SG Solingen– Sporting Neerpelt (B) 26:24 (12:9)
Sporing Neerpelt – Wealer V&L Geleen (NL) 26:29 (14:16)
Wealer V&L Geleen – SG Solingen 17:21 (9:8)