Handball-Bundestrainer Brand: "Der HSV kann Meister werden"
Bundestrainer Heiner Brand (54) wurde Weltmeister als Spieler (1978) und als Coach (2007).
HAMBURG -
Spannung pur in der Handball-Bundesliga: Fünf Mannschaften haben nach zwei Dritteln der Saison noch Chancen, Meister zu werden. An diesem Wochenende treffen die ersten vier der Tabelle aufeinander. Spitzenreiter THW Kiel tritt am Freitag in Köln beim VfL Gummersbach (3.) an (19.30 Uhr, WDR live), Verfolger HSV am Sonnabend gegen den Vierten SG Flensburg-Handewitt (neue Anwurfzeit: 15.20 Uhr, NDR live). Fünfter im Bunde ist der SC Magdeburg, der am Freitag gegen Aufsteiger Balingen-Weilstetten (15.) zum Siegen verpflichtet ist.
Bundestrainer Heiner Brand analysierte fürs Abendblatt die Meisterkandidaten: "Die fünf Spitzenklubs haben von ihrer Besetzung her alle das Potenzial, den Titel zu gewinnen. Es werden Kleinigkeiten entscheiden, Glück, Pech, vielleicht Verletzungen." Sollte Kiel bei Gummersbach gewinnen, so Brand, "muss der THW vor den letzten zehn Saisonspielen als Favorit gelten".
Dass Kiel, Hamburg und Flensburg mit DHB-Pokal und Europapokal das härteste Programm in den nächsten zwei Monaten vor sich haben, "sollte nicht gegen diese Klubs sprechen", glaubt der Bundestrainer. "Im Gegenteil: Der Erfolg kann zusätzliche Kräfte freisetzen, man schwimmt auf einer Welle der Euphorie. Das kenne ich aus meiner aktiven Zeit."
1. THW Kiel, 40:6 Pkt., +178 Tore
"Die Kieler sind erfahren im Meisterschaftskampf, haben gelernt, die kritischen Saisonphasen zu beherrschen. Aber: Aufgrund der Verletzungen von Szilagyi - er ist wieder fit - und Krogh Jeppesen konnten den Leistungsträgern bisher kaum Pausen gewährt werden. Die sechs schwedischen Nationalspieler wiederum mussten keine WM spielen."
2. Hamburg, 38:8 Pkt., +120 Tore
"Die Mannschaft ist auf jeder Position doppelt gut besetzt und bisher von großen Verletzungen verschont geblieben. Der Kader ist erstklassig, das Restprogramm mit den Heimspielen gegen Flensburg, Gummersbach und Magdeburg machbar; wobei ein Heimspiel nicht den Sieg garantiert. Der HSV kann Meister werden."
3. Gummersbach, 38:8, +100 Tore
"Trainer Gislasson hat bei der Entwicklung der neuformierten Mannschaft hervorragende Arbeit geleistet. Der Franzose Narcisse ist für mich auf einer für ihn neuen Position (Rückraum Mitte) der überragende Bundesligaspieler. 80 Prozent aller Gummersbacher Toraktionen gehen über ihn. Wird Kiel besiegt, ist alles möglich. Dann könnte es zum Vorteil werden, dass der VfL im Pokal und Europapokal draußen ist."
4. Flensburg, 37:9 Pkt., +99 Tore
"Auf die überragenden Champions-League-Auftritte gegen Barcelona folgte die blutleere Vorstellung in Gummersbach. Ich kann schwer einschätzen, wie viel physische und psychische Kraft noch in dem Team steckt. Auch die Flensburger plagen Verletzungen wichtiger Spieler."
5. Magdeburg, 35:9, +106 Tore
"Der Außenseiter. Magdeburg hat mit Spielen in Hamburg, Kiel und Flensburg das schwerste Programm. Das Team kann nach eigener Einschätzung jeden schlagen, aber auch gegen viele verlieren. Es fehlt an Konstanz."
erschienen am 14. März 2007