13.02.2007 - Carsten Lappe - dpa
Aufbruchstimmung in Gummersbach: VfL hofft auf Gazprom-Einstieg
Fast zwei Jahrzehnte des Mittelmaßes sollen für den Handball-Rekordmeister VfL Gummersbach bald endgültig beendet sein. Seit 1991 hat der ruhmreiche Club keinen Titel mehr gewonnen. Doch seit Hans-Peter Krämer sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats wieder aufgenommen hat, herrscht Aufbruchstimmung in Gummersbach. «Ich bin nicht angetreten, um Mittelmaß zu verwalten. Der VfL funktioniert nur in der Regionalliga oder auf einem Spitzenplatz. Als graue Maus nimmt uns keiner war», sagte Krämer.
Am vergangenen Montag übernahm Krämer wieder das Kommando beim VfL. Zuvor hatte er auf einer Sitzung des Aufsichtsrats ein neues finanzielles Konzept vorgestellt, das dem in Turbulenzen geratenen zwölfmaligen deutschen Meister die Liquidität für die kommenden Jahre sichert. «Durch Sponsorenausfälle ist zuvor viel Unruhe entstanden. Da war die Betreuung der restlichen und neuer Sponsoren sehr wichtig. Das ist mir ganz gut gelungen», sagte Krämer, der am 3. Januar zunächst wegen offiziell «gesundheitlicher Probleme» überraschend zurückgetreten war. Nähere Angaben machten weder er selbst, noch der Verein. Wie wichtig Krämer für den VfL ist, merkten die übrigen Verantwortlichen während seiner Abwesenheit.
Der Rückzug des derzeitigen Hauptsponsors (TUI) zum Saisonende belastete den Club sehr. «Für den VfL war es existenziell wichtig, dass er wieder zurück ist», sagte Geschäftsführer Stefan Hecker. Nach Meinung des ehemaligen Nationaltorhüters war nur Krämer in der Lage, die Liquidität und damit die sportliche Zukunft des VfL zu sichern. «Ich bin froh, dass er wieder fit und für den VfL da ist, denn seine Kontakte sind Gold wert», sagte Hecker.
«Mir geht es jetzt wieder gut. Dazu haben mich viele Leute und Trainer Alfred Gislason gebeten, zurückzukommen», erklärte Krämer seine Rückkehr. Die Akquise neuer Geldgeber gelang ihm. «Wir haben einen neuen Hauptsponsor. Den werden wir demnächst bekannt geben», erklärte er. Doch dabei soll es angesichts der hehren sportlichen Ziele nicht bleiben. Mit blumigen Worten umschreibt Krämer weitere Gespräche mit einem «großen Energiekonzern». «Im Moment haben wir den Spatz in der Hand und sprechen mit der Taube auf dem Dach.»
Der zurückgekehrte «starke Mann» beim VfL wollte nicht bestätigen, dass es sich dabei um den russischen Energie-Riesen Gazprom handelt, der seit Januar auch den Fußball-Bundesligisten Schalke 04 finanziell massiv unterstützt. Hecker äußerte sich dagegen deutlicher über ein bevorstehendes Engagement der Russen. «Das hoffe ich, ich freue mich über jeden großen Sponsor. Gazprom ist sicherlich ein Thema.»
Am kommenden Montag reist Krämer zu weiteren Verhandlungen nach Berlin - dem Sitz der deutschen Gazprom-Niederlassung. Sollte das Geschäft klappen, ist der finanzielle Rahmen geschaffen, um endgültig wieder im Konzert der ganz Großen mitzuspielen. «Wir werden in der nächsten Saison besser aufgestellt sein», ist sich Krämer sicher.
Sportlich läuft es bereits in dieser Saison so gut, dass der 13. Meistertitel im Sommer möglich ist. Derzeit liegt der VfL nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Flensburg auf dem dritten Platz. «Es ist alles drin», sagte Krämer, für den aber noch der ebenfalls zwölfmalige Titelträger und derzeitige Tabellenzweite THW Kiel Favorit bleibt. «Den THW sehe ich mental noch stärker.»