24.05.2006 - Vizemeisterschaftsfinale
Der Showdown der Bundesligasaison 2005/2006 in der Kölnarena ist am Samstagnachmittag ab 15 Uhr nur noch das Duell um die Deutsche Vizemeisterschaft. Der VfL und die SG Flensburg-Handewitt sind neben dem neuen Deutschen Meister THW Kiel vor den letzten beiden Spieltagen als Teilnehmer für die Champions League qualifiziert. Da hat der Nachholspieltag am Dienstag ergeben. Der Kieler Heimsieg gegen den TBV Lemgo und die Niederlage der Flensburger bei der SG Kronau-Östringen beendeten mit einem Schlag alle Gedankenspiele um Zahlen und mögliche Tabellenkonstellationen.
Die Fans in der wieder fast ausverkauften Kölnarena dürfen sich noch einmal auf ein Handballfest allererster Güte freuen, denn auch die Vizemeisterschaft ist für beide Mannschaften ein erstrebenswertes Ziel. Für acht Spieler, die den VfL verlassen, wird es unabhängig vom Ergebnis noch einmal ein besonderes Highlight in ihrer Laufbahn, wenn sie von mindestens 18.000 Fans verabschiedet werden. Wir befragten VfL-Trainer Velimir Kljaic nach seinen Befindlichkeiten vor diesem spektakulären Finale.
Herr Kljaic, nach dem Sieg gegen Magdeburg haben sie zunächst völlig allein in den Kölnarena-Katakomben eine Zigarette genossen.
Ich habe noch nie nach einem großen Sieg gebrüllt. Die Freude kommt bei mir immer erste einen Tag später. Ich habe auch nach dem Olympiasieg mit Kroatien direkt nach dem Schlusspfiff nicht mit den Spielern getanzt. Man ist in so einem Moment innerlich leer.
Endgültig war die Champions League Qualifikation ja erst am Dienstagabend.
Wir haben alle zusammen im Gummersbacher Brauhaus mitgefiebert. Zunächst sah es nicht so klar aus. Jeder weiß, dass im Handball vieles möglich ist. Auch im Hinspiel gab es beim 36:34 für Flensburg Dramatik bis zum Ende. Nach der Nachricht aus Mannheim und der Flensburger Niederlage war es bei der klaren Kieler Führung aber vorzeitig erledigt. Als mir Hans Peter Krämer gratuliert hat, war es endgültig. Das war schon eine tolle Stimmung und ein tolles Gefühl im Brauhaus.
Zwei Spieltage vor Saisonende steht die Teilnahme an der Königsklasse fest, das ist ein Riesenerfolg.
Natürlich. Andererseits haben wir elf Punkte und der Abstand hätte auch enger sein können. Wir hatten im Hinspiel in Köln die Möglichkeiten, gegen Kiel zu gewinnen. Auch in Lemgo waren wir nah dran. Man kann nicht eine ganze Saison alles perfekt machen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ohne den monatelangen Ausfall von Cedric Burdet zwei bis drei Punkte mehr hätten. Wenn mir jemand anbieten würde, EHF-Pokalsieg und den Deutschen Pokal gegen die Teilnahme an der Champions League. Ich würde nicht lange überlegen. Die Champions League ist einfach die Krone des Handballs.
Was hat sie denn in den letzten Monaten geärgert?
Desolate Einstellungen wie in Magdeburg und Großwallstadt kann ich nicht akzeptieren, auch wenn es bei diesen Niederlagen noch andere Gründe gab. Vor Magdeburg hatten wir Pech und eine fast neunstündige Anfahrt zu verkraften, vor Großwallstadt konnten wir zehn Tage nicht trainieren.
Was gab Anlass zur Freude?
Die Leistung der Mannschaft. Wir waren vor dem Spiel in Magdeburg lange ungeschlagen und haben uns nach der klaren Niederlage sofort gefangen und Flensburg in der Campushalle die erste Niederlage nach 27 Monaten beigebracht. Dieser Sieg war sicher einer der Höhepunkte. Im Übrigen muss man festhalten, dass wir auch in den Pokalwettbewerben nicht deklassiert wurden. Es waren ganz knappe Spiele. Wir haben die beste Abwehr der Liga und den besten Torschützen mit Sigurdsson, obwohl das normal nicht zusammenpasst.
Was kommt jetzt?
In der Champions League werden wir brutale Konkurrenz haben. Jede Nation hat mindestens eine überragende Mannschaft. Das hat auch Magdeburg gegen Bregenz erlebt, wer hätte da an eine Niederlage geglaubt. Wir haben einen konkurrenzfähigen Kader, aber wir brauchen noch einen Mittelmann. Wenn sich Zouzou Houlet verletzt, haben wir keine Alternative. Da muss noch etwas passieren.
Sind bei dem künftigen Anspruch nicht acht Neuzugänge ein Problem?
Nein. Ich hatte vierzig Tage, um Kroatien auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Trotzdem holten wir die Goldmedaille. Ich war ja Trainer in Essen und nur ausgeliehen. Nach zwei Trainingseinheiten blicke ich durch, welche individuellen Fähigkeiten die Spieler einbringen. Die mentale Stärke braucht etwas mehr Zeit.
Auch in Kiel kam der Erfolg trotz der fünf Neuzugänge schnell.
Das hat seinen Grund. Noka Serdarusic hatte Glück, eine so lange Zeit dort zu arbeiten. Inzwischen hat er nur noch Rambotypen in der Mannschaft, alle anderen hat er weggeschickt. Kiel hat nur charakterstarke Typen, Spieler wie Sigurdsson und Gunnarsson, die immer brennen. Sie spielen immer nur mit Vollgas und nie lustlos. Das ist ihre Stärke.
Was können die Fans am Samstag gegen Flensburg erwarten?
Der zweite Platz ist natürlich unser Ziel. Wir wollen alle mit einem Sieg und einem tollen Spiel positiv gestimmt in die Sommerpause schicken. Dann wird das letzte Spiel bei der Meisterfeier in Kiel ein Revuespiel.