27.03.2008 - TOYOTA Handball-Bundesliga: SG Flensburg-Handewitt – VfL Gummersbach
Der Blick auf das Restprogramm der Titelkandidaten in der TOYOTA Handball-Bundesliga lässt erahnen, welch schweren Gang der VfL Gummersbach am Freitagabend in der Campushalle vor sich hat. Die SG Flensburg-Handewitt kann sich als Tabellenzweiter mit einem Punkt Rückstand auf den THW Kiel vor allem in den Heimspielen keinen Ausrutscher mehr leisten. "Wir müssen noch nach Mannheim, Magdeburg und Nordhorn", sagt auch Zita Newerla von der Geschäftsstelle der Flensburger, "dagegen hat Kiel mit dem einzigen schweren Auswärtsspiel in Hamburg nur noch einen Spaziergang." Das Team von Trainer Kent-Harry Andersson kann sich allerdings im Gegensatz zu den beiden norddeutschen Top-Konkurrenten (Hamburg hat mit zehn Minuspunkten auch noch eine Chance) voll auf die Meisterschaft konzentrieren, denn im Pokal und in der Champions League ist man nicht mehr dabei.
Der letzte Auftritt in der Königsklasse dokumentierte aber noch einmal, dass sich die Mannschaft derzeit in blendender Verfassung befindet und der Medienrummel um die personellen Veränderungen keine Auswirkungen hat. RK Zagreb wurde mit 36:29 besiegt und brachte dem Trainer die Erkenntnis, dass neben Dan Beutler auch Dane Sijan zwischen den Pfosten sein Metier außergewöhnlich gut beherrscht. Der Serbe, der zu Saisonbeginn aus Dänemark von Viborg HK gekommen war, hielt an diesem Tag 22 Bälle. Auch der letzte Gegner in der Bundesliga musste die Heimstärke der Flensburger neidlos anerkennen, die Füchse Berlin machten nach der deutlichen Niederlage nur durch ihren Busunfall Schlagzeilen.
Die sieben Minuspunkte fingt sich der Tabellenzweite bislang ausschließlich in fremden Hallen ein durch Niederlagen in Kiel, Magdeburg und Nordhorn sowie einem Unentschieden in Essen. Personelle Probleme hat Trainer Andersson aktuell nicht. Sören Stryger konnte noch gar nicht spielen und wird seine Karriere auch nach der Genesung beenden. Für Furore im Blätterwald sorgte allerdings Rechtshänder Blazenko Lackovic mit seiner Unterschrift unter einen Vertrag beim HSV Hamburg, der 2009 in Kraft treten soll. Laut einer Meldung von Flensborg Avis wäre bei einem vorzeitigen Wechsel eine Ablösesumme von 700.000 Euro fällig. Stolz ist der Club an der Förde auf seinen neuen Linkshänder Oscar Carlén. Der neunzehn Jahre alte Sohn des 329-fachen schwedischen Nationalspielers Per Carlén ist nach Ansicht von Manager Fynn Holpert "das größte Talent in der Welt" und wird die Lücke schließen müssen, die Marcin Lijewski (geht bekanntlich ebenfalls zum HSV Hamburg) hinterlässt. Mit den weiteren Neuverpflichtungen Lasse Boesen aus Lemgo und Frank Loke aus Norwegen verstärkte sich die SG Flensburg-Handewitt ebenfalls für die Zukunft.
In den 44 Spielen gegen den VfL Gummersbach registrierte Flensburg 19 Niederlagen und 20 Siege. Vor allem der letzte Erfolg in der Hinrunde der laufenden Saison nimmt in der Statistik einen besonderen Stellenwert ein. In der Kölnarena gewann Flensburg mit 30:28, Kasper Nielsen gelang in Unterzahl kurz vor dem Ende der entscheidende Treffer, nachdem sein Team schon einen 17:8 Vorsprung wieder verspielt hatte. Das Rückspiel am Freitag sollte im Übrigen in Kopenhagen stattfinden, doch diese PR-Maßnahme scheiterte am Veto des dänischen Verbandes.
Das Statement von VfL-Trainer Alfred Gislason:
"Wir fahren natürlich nicht nach Flensburg, um nur die tolle Atmosphäre zu genießen und ein paar Flens zu trinken. Wir haben auswärts in dieser Saison schon sehr gute Leistungen gezeigt und werden alles versuchen. Dass wir auf allen Positionen dafür das Optimale bringen müssen, wenn wir eine Chance haben wollen, versteht sich gegen diese Klassemannschaft von selbst. Flensburg verfügt über alle wesentlichen Qualitäten: einen perfekten Gegenstoß, einen starken Rückraum, eine starke Abwehr und zwei hervorragende Torhüter.
Ich war mit unserer Vorstellung gegen Melsungen sehr zufrieden. Die Torhüter waren zwar nicht immer auf der Höhe, aber die Abwehr stand gut, und im Angriff haben die Spieler taktisch alles richtig gemacht. Gedanken müssen wir uns aber über die Siebenmeter machen, diese Schwäche müssen wir schnell in den Griff bekommen. Vier vergebene Siebenmeter gegen Melsungen sorgten ja für eine unterirdische Quote, denn von den letzten zehn wurden nur zwei verwandelt."