26.09.2007 - EHF Champions League 2007/2008: Gruppe F, 1. Spieltag
Valur Reykjavik – VfL Gummersbach
Wenn der VfL am Freitagabend (19:30 Uhr Ortszeit, Live-Übertragung bei Eurosport 2 um 21:30 Uhr deutscher Zeit) beim isländischen Meister in dieser Saison sein Debut in der Champions League gibt, könnte bei einem Blick auf die Mannschaftslisten der Eindruck eines kleinen Familientreffens entstehen. Schließlich erscheinen bei den Gummersbachern neben Trainer Alfred Gislason, der ja auch immer noch Nationaltrainer seines Heimatlandes ist, mit Sverre Jakobsson, Robert Gunnarsson und Gudjon Valur Sigurdsson drei weitere Isländer im Aufgebot, die aber in keinem Fall ein verwandtschaftliches Verhältnis zu Spielern von Valur Reykjavik verbindet. Weder Olafur Haukur Gislason noch Orri Freyr Gislason hat das Blut des VfL-Coaches in seinen Adern, und auch Arnor Gunnarsson erscheint nicht im Stammbaum von Robert Gunnarsson.
Trotzdem verbindet der Handball natürlich in einem Land von nur 300 000 Einwohnern. So war zum Beispiel der Co-Trainer von Valur, Heimir Rikardsson, zehn Jahre der Förderer und Trainer von Robert Gunnarsson. Baldvin Porsteinsson nutzte es im Übrigen bislang wenig, dass Alfred Gislason mit seinen Eltern befreundet ist, denn im Nationalkader tauchte der Linksaußen noch nicht auf. Der Schatten von Gudjon Sigurdsson war zu groß. Das kann sich aber vielleicht bald ändern, denn Porsteinsson wirft inzwischen Tore am Fließband, nachdem er durch eine langwierige Krankheit, das Pfeiffersche Drüsenfieber, in seiner sportlichen Entwicklung zurückgeworfen worden war. In den beiden CL-Qualifikationsspielen gegen Panevezio "Viking Malt", den Meister aus Litauen, hatte Porsteinsson bei den beiden klaren Siegen (28:19 und 33:24) jedenfalls mit insgesamt 19 Toren als bester Werfer geglänzt.
"Valur ist einer der drei großen Vereine in Island, der im Fußball, Basketball und Handball viele Titel geholt hat", weiß Robert Gunnarsson zu berichten. Es gebe eine ganz besondere innerstädtische Rivalität zu FRAM Reykjavik, dem Gruppengegner der Gummersbacher in der vergangenen Saison. Die sei aktuell mal wieder angeheizt worden, weil Sigfus Sigfusson, der überragende Mittelmann von FRAM, kürzlich zu Valur wechselte. "Sie haben allerdings auch einen guten Spieler nach Dänemark verloren", so Robert Gunnarsson, "uns erwartet in jedem Fall aber eine sehr junge, ehrgeizige und vor allem kampfstarke Mannschaft, die nie aufgibt." Nach seiner Einschätzung sei Valur qualitativ sogar etwas höher einzustufen als FRAM.
Gespielt wird am Freitagabend in der neuen Halle des Clubs, die 2000 Zuschauer fasst und die in der supermodernen Vereinsanlage integriert ist.
Das Statement von VfL-Trainer Alfred Gislason:
"Der Meister von Island hat eine sehr junge Mannschaft mit vielen Talenten, die auf dem Sprung in die Nationalmannschaft stehen. Bislang hatte ich mit dem Torhüter in der Vergangenheit nur einen Spieler von Valur ins Nationalteam berufen, das wird sich aber wohl bald ändern. Denn der eine oder andere steht auf dem Sprung. Sigfus Sigfusson, den man vom Nachbarklub FRAM holte, ist auf der Mitte ein Spieler mit großer Perspektive.
Der Verein hat schon eine besondere Stellung in Island. Sie haben eine eigene Halle und sind für ihre gute Nachwuchsarbeit bekannt. Die beste Zeit hatte Valur in den 90er Jahren, da spielte im Übrigen auch Olafur Stefansson noch dort. Ich denke, dass wir es mit einer Mannschaft zu tun haben, die in etwa das Niveau von FRAM hat, die wir ja in der letzten Saison zweimal besiegt haben. Das muss natürlich auch in diesem Jahr unser Ziel sein. Ich freue mich, dass ich mal wieder in der Heimat bin und dass wir bis Sonntag in Reykjavik bleiben. Deshalb ist mit der Mannschaft auch ein Ausflug zum Gletscher geplant."