Es gibt Niederlagen, ... , die trotz der verlorenen Punkte einen gewissen Grad der Zufriedenheit auslösen. Das 24:25 (Halbzeit 12:14) des DHC Rheinland von Freitagabend beim TV Bittenfeld, die sechste Niederlage in Folge des Handball-Zweitligisten gehört zur letzteren Kategorie. Zumindest aus Sicht von Richard Ratka. "Wir haben die Dinge, die wir uns vorgenommen hatten, weitgehend umgesetzt", sagt der Trainer im Nachhinein, "wir hatten eine vernünftige Deckung und endlich mal wieder einen guten Torhüter. Letztlich sind wir an Kleinigkeiten gescheitert." Zu denen gehörte eine zumindest diskussionswürdige Regelauslegung durch die Unparteiischen ... "Wir sind nicht besonders gut weggekommen, aber damit muss man in Auswärtsspielen halt leben", sagt Ratka mit Blick auf die höchst ungleiche Verteilung der Zeitstrafen – 10 Minuten für Bittenfeld, 20 Minuten für Dormagen – und der Strafwürfe – fünf für die Hausherren, einer für die Gäste. "Was ärgerlich war, war die mehrfache Doppelbestrafung von Siebenmeter plus Zeitstrafe", so Ratka, der gleichwohl zugibt, "dass uns da auch ein bisschen die Cleverness fehlt."
Im Gegensatz zum Heimspiel gegen den ASV Hamm vor einer Woche (23:28) ließen die Dormagener diesmal nicht die Köpfe hängen: .. Nach Gunnarssons Treffer zum 25:23 blieben dem DHC zweieinhalb Minuten, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Doch es reichte nur noch zum Anschlusstreffer, ... "Dass wir danach noch mal bis auf ein Tor herangekommen sind, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", meint Ratka, "die letzten zehn Minuten waren gut und für die Mannschaft wichtig." (Alles aus NGZ-Online)
Die Kombination von Niederlage und Zufriedenheit verbietet sich doch zumindest dann, wenn nicht der von vorneherein hoffnungslos unterlegene Underdog gegen den absoluten Goliath antreten musste und das Spiel den erwarteten Ausgang nahm, der Underdog sich dabei aber noch passabel aus der Affäre gezogen hat (quasi analog zu Hildesheim gegen Hamburg)... An der fehlenden Cleverness gerade bei den jüngeren, unerfahreneren Abwehrspielern hätte man doch schon längst arbeiten können. Dennis Szczesny beispielsweise hat ja schon beim Saisonauftakt in Ahlen gezeigt, dass er oft zu ungestüm ans Werk geht. Und das Michael Wittig gerne mal im 1:1 aussteigt oder den Kreisläufer nicht im Griff hat, ist auch keine neue Erkenntnis... Dazu dann eine Bankstrafe wegen Meckerns. Ja, da war bestimmt gar nichts! Die Schiedsrichter wollten eben nur, dass Bittenfeld gewinnt... Und am Ende: Toll gekämpft, auch wenn es dafür noch nicht mal den einen Punkt gab. Was, bitte schön, soll an all dem der richtige Weg sein? Das gaukelt Richard Ratka den Medien und Fans doch schon seit Beginn der Saison vor. Erst lief es sehr gut ("Es werden noch Rückschläge kommen"), seit Mitte Oktober läuft es bis auf ein kurzes Strohfeuer nur noch schlecht ("Sind auf einem guten Weg") - und der DHC ist nach dem Überraschungserfolg der HSG gegen Bietigheim auf einmal nur noch Tabellenvorletzter! Hat der DHC nicht erst neulich gegen den gleichen Gegner mit 28:31 verloren? Nicht, dass die Rogwaska-Truppe am kommenden Freitag vorne wieder so einen kreativ-guten Tag erwischt... Aber halt, das Endergebnis steht ja eh schon fest. Ist auch besser so, denn ein sportlich unvoreingenommenes Lokalderby wäre für den DHC in der derzeitigen Lage vermutlich nicht das beste... Nun ja, ich bin gespannt, wie viele Zuschauer sich das Punkte-Geschiebe anschauen wollen. Viele gehen eh nur noch ins Sportcenter, um an der längsten Theke Dormagens Freunde zu treffen und ein Bierchen zu trinken. Da war jedenfalls in der zweiten Halbzeit gegen Ahlen mehr los als auf dem Spielfeld... Die Vorschau in der DHC-Presseinfo von heute ist jedenfalls eine Farce:
Die ersten beiden Punkte im Jahr 2012 sind indes bei der Heimpartie gegen die HSG Düsseldorf Pflicht. Die in der nächsten Saison anstehende Spielgemeinschaft interessiert bei dieser Begegnung nicht - beide Mannschaften sind in der laufenden Meisterschaftsrunde Konkurrenten. ... "Wir haben nach dem schwachen Spiel gegen Hamm gemeinsam intensiv daran gearbeitet, Wege aus der unbefriedigenden Situation zu finden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns gegenüber der zu großen Teilen guten Leistung gegen Bittenfeld weiter steigern und damit auch wichtiges Selbstvertrauen für die kommenden schweren Aufgaben erarbeiten", betont Richard Ratka.
Aha: Zwei geschenkte Punkte sorgen für das Selbstvertrauen, das der DHC nach zwölf sportlich verlorenen Punkten in Folge nicht mehr hat. Traurig, traurig, traurig!!!