Dann ist allerdings erklärungsbedürftig, wieso man din Dormagen lange Zeit davon ausgegangen ist (und das auch kommuniziert hat), dass es keinen Zwangsabstieg gibt.
Die Diskussion darüber wurde hier schon drei Seiten zuvor geführt. Sie ist genau so müßig wie die Frage, ob der Insolvenzantrag richtig oder falsch gestellt wurde, weil das Insolvenzverfahren nun eröffnet ist (Folge: Zwangsabstieg, Abzug von acht Pluspunkten), und die Thematik jetzt eine andere ist.
Die Pressemitteilung, die der Pressesprecher des Insolvenzverwalters gestern Mittag herausgegeben hat, ging meines Erachtens inhaltlich viel zu weit. Sie war vor allem überflüssig. Es hätte völlig gereicht, sich abends nach dem Spiel in der Pressekonferenz zu äußern. Statt dessen wurde die ursprüngliche Version der Pressemitteilung auf der Homepage tagsüber durch eine Variante ersetzt, in der die Auswirkungen auf die Sponsorenzusagen herausgenommen worden war. In der Pressekonferenz wurde dann ja auch der Eindruck vermittelt, dass die Lage nun doch nicht ganz so schlimm ist. Tenor: Wenn die Sponsoren bei der Stange bleiben, dann werden alle Mittel und Wege beschritten, um die Saison zu Ende zu spielen!
In der PK wurde auch gesagt, dass dieser Fall des geordneten insolvenzrechtlichen Rückzugs Neuland für die HBL sei. Dem DHC sei am Anfang sogar nahe gelegt worden, doch erst mal bis nach dem Ablauf der Wechselfrist zu warten. Wenn das so war, dann brauche ich mich über die jetzigen Eiertänze eines Herrn Bohmann nicht zu wundern. Der HBL ist es also offensichtlich lieber, dass ein Verein so lange wartet und seinen Spielern so lange keine Gehälter mehr bezahlt, bis auch wirklich alle Barkassen und Konten leer sind!!! Ein Verein, der die Misere seriös abwickelt, sich rechtzeitig zu dem finanziellen Engpass bekennt und sich den Spielern gegenüber auch noch fair verhält (vor der Wechselfrist die Hose runter), soll einfach in die Drittklassigkeit verbannt werden, nur weil man so einen Fall noch nicht hatte??? Natürlich eröffnet das "ggf." in §10 der LizenzO einen Ermessensspielraum, aber nicht die Möglichkeit einer Entscheidung nach dem Motto: "Dormagen hat keine Lobby in der Liga, also weg damit!" Von einem gesunden Rechtsverständnis kann dabei auch keine Rede sein. Das Insolvenzrecht zielt ja gerade darauf ab, das bestehende Unternehmen möglichst aus der Misere herauszuführen, damit es danach wieder eigenständig wirtschaftlich arbeiten kann. In Dormagen wurden diese Voraussetzungen in den vergangenen Wochen geschaffen: Die Sanierung, das wurde gestern auch noch mal gesagt, wird im Juni abgeschlossen sein. Dann ist der Insolvenzplan abgearbeitet, der gesetzliche Zweck erfüllt - und der DHC kann ohne Schulden und mit einem abgesicherten, von Wirtschaftsprüfern durchleuchteten Etat in der Zweiten Liga starten. Einigen Herren bei der HBL scheint es aber wichtiger zu sein, die LizenzO über das Insolvenzrecht zu stellen. Wer hat daran ein Interesse, dass der Handballstandort Dormagen in der Versenkung verschwindet? Mir fallen da gleich zwei Namen ein, einer davon ist sogar Vize-Präsident...
Wer aber hat ein Interesse daran, dass damit der ganze Unterbau, die gesamte Nachwuchsarbeit (Landesleistungsstützpunkt, Teil- und Vollinternat) gefährdet wird??? Der deutsche Männer-Handball steht doch auch so schon schlecht genug da (schlechtes Abschneiden bei der WM, Olympia-Qualifikation gefährdet, Nationalspieler spielen in ihren Vereinen überwiegend keine tragende Rolle), da muss man nicht auch noch Eckpfeiler der eigenen Jugendarbeit kastrieren!!!
Noch ein Wort zum Ausfall des Hallensponsors: Es sind alle üblichen Auskünfte, z.B. bei der Creditreform, eingeholt worden. Wer behauptet, es sei absehbar gewesen, dass die Fima so schnell Pleite geht, der muss dies auch beweisen können. Ansonsten ist er nämlich nur schlau, weil es hinterher ist...
Im übrigen darf der Fan aus Düsseldorf durchaus mal vor seiner eigenen Türe kehren. Selbst mit dem "Zugpferd" Daniel Stephan ist es der HSG im Saisonverlauf nicht gelungen, zusätzliche 250.000€ zu akquirieren. In Dormagen ziehen alle Beteiligten an einem Strang und es sind in nicht mal acht Wochen mehr als 200.000€ zusammen gekommen. Ich hoffe, es kommt nächste Saison wieder zu zwei schönen Rheinderbys!
Mein Wunschkonzert:
1. Der DHC steht nach dem letzten Spieltag am 4. Juni auf dem Relegationsplatz und setzt sich in der Relegation gegen den Zweitligisten durch, um sich als nicht-sportlich abgestiegen in die Zweite Liga zu verabschieden.
2. Es werden alle juristischen Wege beschritten, an deren Ende festgestellt wird, dass die Lizenz für die Zweite Liga zu erteilen ist.
Bisher hat als Externer nur ein Einziger dem Dormagener Handball geholfen: Bob Hanning. Seine Ausführungen als anerkannter Experte zu der Situation waren zutreffend. Deshalb: JETZT ERST RECHT! Kämpfen, alle Wege gehen, die es gibt, um das Ziel zu erreichen - und um den HBL-Verantwortlichen zu zeigen, wie wenig auf sie das Wort "professionell" zutrifft!!!