Auszüge aus dem Schaufenster-Interview vom 9.5.2009:
"Schaufenster:Gibt es schon etwas Neues zum Thema "THW Kiel"?
Derad: Zum aktuellen Zeitpunkt ist noch nichts entschieden. Natürlich ist es ein verlockendes Angebot, das einem nicht jeden Tag gemacht wird. Ein Engagement beim THW wäre eine riesige Herausforderung für mich.
Schaufenster: Der THW, erst kürzlich erneut deutscher Meister geworden, ist eine große Hausnummer. Trauen Sie sich den Job zu oder plagen sie leise Zweifel?
Derad: Von einer der besten Club-Mannschaften der Welt angefragt zu werden, ist natürlich erst einmal eine große Ehre. Die volle Tragweite dieses Angebots wurde mir erst ein wenig später bewusst. In Kiel geht es ausschließlich um Handball. Von Mannschaft und Umfeld werden Titel erwartet. Nicht zuletzt ist der THW Kiel ein Wirtschaftsunternehmen. Selbstverständlich habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich diese Aufgaben schultern kann. Jedoch würde ich gar nicht erst über das Angebot nachdenken, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass ich für den Job geeignet bin.
Schaufenster: Nüchtern betrachtet ein Angebot, das eigentlich nicht abzulehnen ist. Was hindert Sie noch daran, dem THW zuzusagen?
Derad: Sehen Sie, ich bin seit 1995 in Dormagen. Zuerst als Spieler, dann von 1997 bis 2002 für den Handballsport verantwortlich und seit 2002 auch Hauptgeschäftsführer. Mein Herz schlägt natürlich für Dormagen. Es wäre doch schrecklich, wenn dies nicht so wäre, oder? Ich lebe hier mit meiner Familie. Meine Kinder gehen hier zur Schule. Ich habe mir deswegen etwas Zeit für meine Entscheidung erbeten.
Schaufenster: Der THW Kiel möchte Sie ab dem 1. Juli unter Vertrag nehmen. Wird dies von TSV Seite aus möglich sein?
Derad: Das gilt es zu prüfen. Ich möchte fair mit dem TSV umgehen. Einige Dinge müssen geklärt werden. Ich habe mich sofort mit Dr. Bertram Anders an einen Tisch gesetzt und das Angebot des THW mit ihm besprochen. Er stimmte mir zu, dass es ein reizvolles Angebot sei. Ich denke, niemand wird es mir verdenken können, wenn ich das Angebot annehme. Trotzdem muss natürlich alles korrekt laufen. Es wird keinen Schnellschuss geben.
Schaufenster: Die Nachwuchsabteilung des gesamten Vereins wird weiterhin von der Bayer AG gesponsert. Die Bundesligamannschaft muss seit dieser Saison auf diese Unterstützung verzichten. Was für ein Loch hat der Ausstieg von Bayer in die Finanzen des TSV gerissen?
Derad: Der Ausstieg von Bayer als Hauptsponsor tat natürlich weh. Trotzdem müssen auch Außenstehende anerkennen, dass es uns in den letzten zehn Monaten bereits gelungen ist, einen Großteil des finanziellen Loches zu stopfen. Insolvenz anmelden mussten in dieser Saison andere. Der TSV hingegen nicht.
Schaufenster: Für Ihre Informationspolitik was die Sponsoren angeht, wurden sie zuletzt kritisiert. Gibt es inzwischen neue Informationen?
Derad: Ich kann nur so viel sagen: Viele Verhandlungen laufen und stehen vor einem positiven Ende. Meine volle Zuversicht, dass der TSV auch im nächsten Jahr mit einem, zwar knappen, aber ausreichenden Etat planen kann, muss als Information vorerst reichen. Umso mehr finde ich es schade, dass Ihre Kollegen teilweise gedankenlos spekulieren. Eine einfache Anfrage würde solchen Unwahrheiten vorbeugen. So düster, wie die Situation des TSV zuletzt geschildert wurde, ist sie nicht.
Schaufenster: Auch über auslaufende Verträge wurde wild spekuliert. Die Vertragsverlängerung von Michiel Lochtenbergh ist inzwischen bestätigt. Wie sieht es mit den Verträgen von Christoph Schindler und Vitali Feshchanka aus?
Derad: Bei Christoph bin ich wirklich sehr, sehr zuversichtlich. Auch bei ihm greift unser Konzept „Ausbildung und Leistungssport“. Er hat inzwischen eine große Bindung zum TSV aufgebaut. Auch bei Vitali Feshchanka gehe ich von einer weiteren Zusammenarbeit aus. Gegen Flensburg hat er gezeigt, welches Potenzial er hat. In Jens Vortmann konnten wir ein weiteres junges Talent verpflichten. Die Zusammenarbeit mit Andreas Thiel trägt hier bereits erste Früchte.
Schaufenster: Szabolcs Laurencz wird den Verein am Saisonende verlassen. Auch Tim Henkel verlässt den TSV.
Derad: Das ist richtig. Ebenso wird es keine weitere Zusammenarbeit mit Denis Zakharov und Ingo Meckes geben. Besonders schade ist natürlich der Wechsel von Tim Henkel. Er hatte schon früher Kontakte Richtung Bergischer HC und möchte natürlich weiterhin regelmäßig eingesetzt werden. Daher fiel seine Entscheidung zu Ungunsten des TSV.
Schaufenster: Es wurde häufig kritisiert, dass Sie Hauptgeschäftsführer und sportlicher Leiter in Personalunion sind. Wie können wir uns Ihren Arbeitstag vorstellen und was können Sie den Kritikern entgegnen?
Derad: Die Bereiche in denen ich arbeite sind sehr vielfältig. Als Hauptgeschäftsführer des Gesamtvereins habe ich vor allem verwaltungstechnische und organisatorische Aufgaben. Als sportlicher Leiter kümmere ich mich intensiv um Spieler und Konzepte. Als Hauptgeschäftsführer verfüge ich über Kompetenzen, die der Handballabteilung häufig zu Gute kommen. Die Idee, die Handballabteilung vom Gesamtverein zu trennen, ist natürlich weiterhin in manchen Köpfen. Ich kann jedoch sagen, dass dies den TSV Dormagen nicht auf einen Schlag zu einer erfolgreichen GMBH macht. Wahrscheinlich wird die finanzielle Situation dadurch sogar schwieriger."
Und hier noch eine konkrete Zusatzinfo zum Wechsel von UD nach Kiel: Bereits vor einer Woche (Montag, 4.5.) hat es am Höhenberg eine außerordentliche Vorstandssitzung gegeben. Meine Theorie dazu: In dieser Sitzung hat UD die Freigabe bekommen - und einen zweifachen Arbeitsauftrag.
1) Nachfolger suchen/finden
2) Ablöse mit dem THW verhandeln. Das sieht bei UD ja dann meist so aus, dass es ein Ablösespiel gibt und die Einnahme beim TSV verbleibt. Kiel würde also in der Saisonvorbereitung für ein Freundschaftsspiel nach Dormagen kommen...
Dazu passen dann 2 Tage später die Veröffentlichung in den Kieler Nachrichten und der Eintrag auf der THW-Homepage. Alles andere, was dazu jetzt kommt, dient doch nur dazu, die Wogen am Höhenberg nicht noch mehr hochkochen zu lassen.
Spannend bleibt die Frage, ob es eine komplett interne Nachfolge oder eine Mischung aus intern (Hauptverein) und extern (Manager) wird?