Ich stelle einmal mehr fest, dass Unbekannte anonym online Alles und Jeden kritisieren dürfen, aber wenn das in den Dormagener Zeitungen passiert und dann auch noch in Bezug auf die TSV-Handballer, dann kommt bei manchen Spezialisten reflexartig die Reaktion, dass die Medien nur unterstützen, aber keine Kritik äußern dürfen. In der Sache findet dann meistens leider gar keine Auseinandersetzung mit der Kritik statt. Warum eigentlich, wenn sie denn berechtigt war???
Natürlich ist dieser TSV nicht Hagen und nicht Neuss, aber Krefeld ist in dieser Saison auch keine Spitzenmannschaft (siehe dazu die Tabelle). Natürlich muss man in Krefeld erst mal gewinnen, natürlich hat der Nachwuchs im Kader schon die Kohlen aus dem Feuer geholt, als Alexander Koke verletzt war, aber genau so ist zu kritisieren, was im Heimspiel gegen Leichlingen nicht gut gelaufen ist - und davon gab es eine Menge, vor allem bei den erfahreneren Spielern (Koke, Max Bettin, Jonathan Eisenkrätzer, Alexander Kübler)! Für die weitere Entwicklung bringt eine ewige Schönfärberei gar nichts. Oder ist es realistisch, dass der Spielertrainer nicht selber in seiner Analyse der einzelnen Spiele Kritik äußert!? Natürlich nicht.
Mit diesem Kader hat der TSV nichts, aber auch gar nichts in der Zweiten Liga zu suchen. Es ist erfreulich, dass es trotz der vielen Verletzungen bisher zu Platz 3 gereicht hat. Aber spricht das für die Liga? Noch mal zur Erinnerung. Gegen Hagen hätte ein Koke im Angriff und ein Dennis Marquardt in der Abwehr gereicht, um zu gewinnen. Spricht das für Hagen, das im Sportcenter spielerisch völlig enttäuschend war?
Die für mich entscheidenden Fragen über diese Saison hinaus sind: Wie entwickeln Koke, Erik Wudtke und Björn Barthel diesen Kader weiter? Wie soll es vor allem etattechnisch gelingen, den Drei-Jahres-Plan von Barthel zu realisieren, um mit einer vernünftigen finanziellen Basis wieder in die Zweite Liga aufzusteigen? Wie soll verhindert werden, dass so ein tolles Talent wie Lukas Stutzke nicht vorher abgeworben wird?
Für diese Spielzeit gibt es ja nach wie vor kein offizielles Saisonziel. Vor dem Saisonstart wurde darauf verzichtet, weil es enorm viele Verletzte gab und der Kader in Bezug auf die Linkshänderpositionen (Robin Doetsch weg) und in Bezug auf Marquardt eine Wundertüte war. Jetzt, mit 16:4 Punkten, ist klar, dass es reicht, um sich hinter Neuss und Hagen unter den Plätzen 3 bis 6 zu etablieren. Ansonsten gilt vor allem die von Koke und Wudtke ausgegebene Parole, die jungen Spieler besser zu machen. Dazu müssen sie spielen. Gegen Leichlingen hat Koke vielleicht zu wenig durchgewechselt, in Krefeld vielleicht zu viel. Das Abrufen einer konstanten Leistung über 60 Minuten - ein Problem. Der TSV zieht oft weg, macht den Sack nicht zu. Oder er läuft hinterher, kommt ran und dreht das Spiel nicht. Auch das hat mit Erfahrung zu tun. Daran muss gearbeitet werden. Und Kritik an diesen Auffälligkeiten, die für einen solchen Kader vermutlich völlig normal sind, ist durchaus erlaubt. Solange kein Spieler einzeln in die Pfanne gehauen wird, müssen die TSV-Handballer wie alle anderen auch damit leben. Es gibt Schlimmeres in einem Handballerleben - zum Beispiel eine 7-Tore-Führung zu vergeigen wie gegen Leichlingen oder eine 6-Tore-Führung wie in der Zweiten Liga gegen Rostock...