Sicherlich sind einige der von Rheinschiffer genannten Aspekte nicht von der Hand zu weisen, aber der Vergleich mit Kai Wandschneider ist doch sehr weit hergeholt und damit so gut wie nicht passend, weil alleine schon die Rahmenbedingungen damals wie zum Beispiel der Etat ganz andere waren.
Jeder Trainer hat im Umgang mit der Mannschaft, mit einzelnen Spielern, mit den Medien etc. seine eigene Art. Da kann ich bei Jörg Bohrmann und Kai Wandschneider nur sehr bedingt Parallelen erkennen.
Als noch weiter hergeholt erscheint mir die Behauptung, dass ausschließlich das "System" schuld an der Entwicklung und damit am drohenden Abstieg ist! Welches System ist gemeint? Das im Handball allgemein: Geld wirft am Ende doch Tore? Oder das System "Wierich": Bei mir als Ehrenamtler laufen alle wichtigen Fäden zusammen; der hauptamtliche Geschäftsführer und der hauptamtliche Marketingmitarbeiter haben eigentlich nur das zu machen, was ich will? Ich schreibe das bewusst provozierend und zugespitzt...
Ich kann am Höhenberg seit dem Aufstieg aus der Dritten Liga leider nur das "System" erkennen, dass vergleichbare Fehler gemacht werden wie zu Zeiten der Herren Lieven und Derad. Der einzige Fehler, der nicht mehr gemacht wird: Es wird kein Geld ausgegeben, das nicht schon da ist. Ansonsten sind in gewissen Bereichen gewisse (personelle) Abhängigkeiten entstanden, die mit immer professioneller werdenden Strukturen und einer dauerhaften Etablierung des TSV in der Zweiten Liga ohne ständige Abstiegssorgen leider viel zu wenig zu tun haben.
Hinzu kommt die fehlerhafte Kaderplanung, die derzeit keinerlei mittel- und langfristige Perspektive erkennen lässt. Es wurden teilweise falsche Personalentscheidungen getroffen, so dass der Kader seit dem Aufstieg sukzessive schwächer wurde. Die generierten Zuwächse im Sponsorenbereich reichen gerade mal aus, um Gehaltssteigerungen und Kostensteigerungen aufzufangen. Immerhin, aber es gibt keinen Spielraum für mehr. Das ist mittlerweile leider wohl ein Fakt, wurde vor dem Saisonstart aber offensichtlich verschwiegen. Statt dessen hat man der Öffentlichkeit vorgegaukelt, man würde weiter nach einem Linkshänder für den Rückraum Ausschau halten, der sportlich, menschlich und finanziell passt. Es mag richtig sein, dass keiner zum Probetraining da war, der alle Kriterien erfüllt hat. Das ist aber auch kein Wunder, wenn es letztlich keine Möglichkeiten gibt, ein ligataugliches Gehalt anzubieten. Und die Nummer mit dem "halben Job" über eine Zeitarbeitsfirma, die kennen auch alle anderen Vereine... Darüber hinaus scheint es mir an der Kompetenz zu fehlen, auch "alternative" Wege bei der Spielersuche zu gehen. Das setzt voraus, dass ich in der Szene entsprechend gut vernetzt und entsprechend früh dran bin. Selbst wenn diese Kompetenzen da sein sollten und/oder einmal da waren, irgendwie scheint in diesem Bereich beim TSV ein ziemlichs Vakuum zu bestehen...
Schon jetzt hat sich bewahrheitet, was Kapitän Dennis Marquardt im Interview im Rheinischen Anzeiger vor dem Saisonstart gegen Ferndorf gesagt hat: "Der Klassenerhalt wäre ein absolutes Weltwunder!". Die Führung hat das offenbar etwas anders eingeschätzt, auch wenn sich der Trainer in der Saisoneröffnungspressekonferenz schon ordentlich geschützt hat. Da wurde offiziell das Saisonziel verkündet, den Klassenerhalt möglichst frühzeitig sicherzustellen. Jobst Wierich war im Sommer sogar mal der Meinung, es können eine Abschlussplatzierung zwischen Platz 11 bis 14 herauskommen. Gut, da gingen Wierich und Geschäftsführer Björn Barthel noch davon aus, dass es neben der Pinnonen-Verpflichtung noch einen weiteren Linkshänderneuzugang für den Rückraum geben würde. Der kommt vielleicht im Dezember, wenn der Kapitän operiert ist und dadurch im Personaletat ein gewisser Spielraum entsteht. Doch wer sollte in dieser sportlichen Situation, wer sollte angesichts der aktuellen Entwicklung und der zweifelhaften Perspektive dann am Höhenberg anheuern, um der Mannschaft sportlich sofort und signifikant in Abwehr und Angriff zu helfen???
Wunder geschehen bekanntlich immer wieder und ich lasse mich nur zu gerne von einem Wunde am Höhenberg, also dem Klassenerhalt überraschen. Es reicht, wenn dieser am letzten Spieltag zustande kommt! Selbst wenn es so kommt, was kommt danach?