Zurück aus Kassel, geschlafen, Spiel nochmal angeschaut ... Zeit für ein Fazit, auch wenn das derzeit noch etwas unsortiert ist.
Auswärtssieg!
Hatte ich, trotz der Verletzten bei Melsungen, nicht so richtig mit gerechnet. Und letztlich war es ja auch recht knapp. Von einer dominanten Vorstellung der Löwen kann jedenfalls nicht die Rede sein. Wie das gegen Mannschaften aussieht, die nicht verletzungsgebeutelt sind, wird man abwarten müssen.
Positiv war, dass die Löwen die Zahl ihrer technischen Fehler gegenüber der letzten Saison reduzieren konnten. Wie von mir schon mal angemerkt ist das Tempo in den Aktionen wirklich bemerkenswert. Insbesondere, wenn Baijens auf der Platte ist, kommt eine Tempoverschärfung auch mal urplötzlich. Ohne Baijens im Spiel sah das für mich so aus, dass Thrastarson klar die Kommandos gibt. Sobald Baijens drauf ist, ist er aber der Chef im Ring. Beide haben sich auf der Bank auch sehr oft unterhalten.
Tempogegenstöße waren selten; daran muss noch gearbeitet werden. In der Abwehr muss Jaganjac dringend lernen, seine Aggressivität zu kontrollieren, sonst wird er in vielen Spielen den Abpfiff weder auf der Platte noch auf der Mannschaftsbank erleben. Ich fand, dass die Löwen es in der zweiten Halbzeit auch ohne ihn ganz ordentlich gemacht haben. Timmermeister/Plucnar ist keine schlechte Kombi in der Mitte.
Sehr spannend, wie Machulla die Spielzeiten verteilt hat. Außer Steenaerts hat jeder gespielt, auch wenn Jensen nur für drei Siebenmeter auf der Platte war und Larson nicht allzu lange. Larson hat aber einen enormen Zug zum Tor, der Aspenbäck noch (?) etwas abgeht, und verdient mMn durchaus mehr Einsatzzeit. Kretzsche hat es mMn im Kommentar richtig erklärt: Die spielerisch stärkste Angriffsformation der Löwen (mit Baijens und Thrastarson) ist in der Abwehr sehr anfällig, wenn der Doppelwechsel nicht möglich ist; insbesondere, wenn die Löwen in eigener Unterzahl im Angriff auffüllen. Da würde ich eine andere Formation bevorzugen. Und die Siebenmeter sind nach wie vor leider keine Stärke des Teams, wie auch das Überzahlspiel. Da fehlte zu oft eine zündende Idee, aber das kann sich ja noch entwickeln.
Heymann kam in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr. Bei ihm wird es wirklich spannend, ob er eine Rolle im System von Machulla findet, bzw. wie er möglichst gewinnbringend eingebunden werden kann.
Gefallen hat mir, wie die Löwen insgesamt aufgetreten sind. Auch in schwächeren Phasen wie nach der 8:5 Führung oder am Ende, als es von 28:24 auf 28:27 ging, wurde das Team nicht panisch. Späth zu Beginn und dann nochmal gegen Ende mit guten Aktionen, dazwischen aber nicht immer. Seine Quote ist mit 29,4% nicht schlecht, aber da ist noch Luft nach oben. Wie überhaupt für das gesamt Team. Als Melsungen es nämlich geschafft hat, in der Abwehr etwas sattelfester zu sein, taten sich die Löwen schwer. Gut war aber, dass sie sehr oft den ball dennoch bewegen konnten und meist geduldig blieben.
Zum positiven Auftritt der Löwen gehört auch, dass nach Spielschluss alle, wirklich alle Spieler, bei uns Fans abgeklatscht haben. Kann mich nicht daran erinnern, ob und wenn ja, wann das mal der Fall war. Insgesamt scheinen hier wirklich etliche sehr positive Typen dazugekommen zu sein. Ganz vorne zu nennen sind hier Baijens und Aspenbäck.
Überbewerten darf man diesen Auswärtssieg sicher nicht; das wäre fatal. Aber darüber freuen kann und darf man sich bei den Löwen auf alle Fälle. Mal sehen, wie es am Mittwoch zuhause gegen Minden aussieht, wo man ohne Wenn und Aber klarer Favorit sein wird.