Bundestrainer Heiner Brand: "Davon konnten wir vor zwei Wochen noch nicht ausgehen, dass wir im Halbfinale stehen. Ich war mir nie sicher, dass wir gewinnen. Es war bis zum Schluss ganz eng. Ich bin Fan von Fritz, deshalb habe ich ihn nominiert. Dass sich das so entwickelt, hätte ich auch nicht gedacht, aber er ist wieder ganz der Alte. Die Torhüter haben sehr hart mit Andreas Thiel trainiert - das Ergebnis sieht man jetzt."
Beiträge von Felix0711
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JBK ist ja immerhin Sportkommentator

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Herr Boßdorf ist nicht eben einer der schnellsten. Bis der gemerkt hat, dass Handball "in" ist, könnte die Euphorie schon wieder verflogen sein... dabei wäre gerade jetzt der Zeitpunkt, zumindest die Bundesligaspitzenspiele auch mal im Ersten zu bringen.
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Original von Miriam
Allerdings ging es schon stark in die Richtung: "Wir sind seit 28 Stunden betrunken"
War nicht anders zu erwarten, aber die Richtung war für meine Begriffe etwas zu deutlich. Für potenziell zuschauende Eltern von Halbwüchsigen, die überlegen mit dem Handball anzufangen, sicher kein Pro-Argument. Aber ansonsten LUSTIG
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das ZDF heute journal hat Bilder vom Training der B-Jugend des SCM gezeigt

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Original von Linksaussen
mist, in meiner ausgabe der sz ist ein anderer, früherer text von zaschke drin. längst nicht so schön. dabei wollte ich mir die seite doch ausschneiden! verfluchter redaktionsschluß für norddeutschland.
Wenn du mir deine Mailadresse gibst, kann ich ihn dir "ausgeschnitten" als pdf mailen... -
Ich glaube, in diesem Thread darf auch das jetzt schon legendäre Baur-Interview nicht fehlen:
"Er ist total gedrückt. Will eigentlich jetzt zurücktreten, weil er so enttäuscht ist, dass er jetzt endlich den Titel geholt hat. Er macht nen ganz geknickten Eindruck. Ich weiß nicht, wie wir den heut noch aufbauen sollen. Er ist Weltmeister geworden und das ist ja eigentlich das schlechteste, was man sich so als Trainer vorstellen kann. Insofern müssen wir jetzt alles dafür tun, dass er wieder aufgebaut wird."
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Hier ist ein ganz ähnlicher Thread: Jetzt noch mit Handball anfangen?
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Original von AnniK
nach welchen kriterien werden die titel denn vergeben?
is das nich paradox, dass ivano balic mvp geworden ist, aber nciht im allstars-team ist, dafür aber mimi kraus?
Doch, es ist paradox. Vermutlich doch ein Abonnementtitel für Balic, wie an anderer Stelle schon häufiger geäußert
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Die Franzosen haben um Platz 3 ein Spiel verloren, das ihrer offenbar nach eigenem Bekunden unwürdig war. Der Auftritt der gesamten Mannschaft bis auf Jerôme Fernandez sprach jedenfalls für sich und machte das Spiel von Beginn an unnötig. Nächstes Mal den Franzosen besser gleich Platz 4 geben, dann braucht sich der Gegner nicht unnötig anstrengen

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16,17 Millionen Zuschauer beim WM-Triumph
05.02.2007 - 09:47 Uhr, media control GmbH & Co. KG PressemappeBaden-Baden (ots) - Es war die Handball-Weltmeisterschaft der Superlative und gestern Abend erlebte sie ihren absoluten Höhepunkt: 16,17 Millionen begeisterte Zuschauer saßen beim 29:24 Sieg der deutschen Mannschaft gegen Polen vor den Bildschirmen. Der Marktanteil lag bei unglaublichen 58,3 Prozent, wie media control mitteilt.
In der Spitze schalteten bis zu 20,13 Millionen Fans das Finale Solche Werte kannte man bisher nur vom Fußball. Die Titelkämpfe übertrafen alles, was es in dieser Sportart bisher gab. Die Spieler von Bundestrainer Heiner Brand entfachten mit ihren Auftritten eine unglaubliche Welle der Euphorie.
Handball im TV stieß während der vergangenen zweieinhalb Wochen in neue Dimensionen vor. Im Durchschnitt verfolgten 7,16 Millionen die zehn Spiele von Henning Fritz und Co. am Fernseher. Der durchschnittliche Marktanteil aller Übertragungen betrug 31,2 Prozent. Mit solchen Quoten hat im Vorfeld niemand gerechnet.
Das kleine Finale zwischen Frankreich und Dänemark brachte dem DSF noch mal 1,01 Millionen Zuseher und 5,8 Prozent Marktanteil.
presseportal.de
Naja, wenn das DSF beim EM-Titelgewinn damals schon acht Millionen hatte, war es nur die logische Folge, dass es nun ein paar mehr sind, zumal eben das Erste eine viel größere Reichweite hat. -
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SWR 1 Leute mit Michael Kraus (auch via Webradio)
Sendung am Donnerstag, 08.02.2007, 10.00 bis 12.00 Uhr
Michael Kraus, Handball-Nationalspieler: Der Spielmacher und die Welt des SportsMichael Kraus wurde 2000 zum "Bravo-Boy des Jahres" gewählt. Aber eine Model-Karriere war ihm zu anstrengend. So wurde er lieber Handballer. Heute ist er die große Entdeckung in der deutschen Nationalmannschaft bei der gefeierten Weltmeisterschaft. Er hört auf den Spitznamen "Mimi" und stylt sich vor jedem Spiel seine Haare mit jeder Menge Gel.
Naja, allein schon der Vorstellungstext lässt nicht gerade auf tiefgründige Fachsimpeleien schließen

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Ein Schnauzer ist Weltmeister
Die Siegesfeier der deutschen Handballer war eine einzige Hommage an ihren Trainer - dennn der WM-Titel trägt die Handschrift von Heiner Brand.
Von Christian Zaschke
So sah es aus, als Heiner Brand einmal tanzte: Er sprang mit einem Satz von der Bank, und dann hüpfte er, den einen Fuß hebend, den anderen.
Christian Schwarzer rannte auf ihn zu, knapp zwei Meter groß, die Haare geschoren, abgekämpft, verschwitzt, er umarmte ihn, und dann wiegten die beiden sich erst, als hörten sie eine Musik, dann hüpften sie, den einen Fuß hebend, den anderen, schließlich lösten sie sich voneinander, und Heiner Brand hob die Arme in die Luft, er hüpfte noch immer, und er lachte, weil er wusste, dass nach dem Sieg im Halbfinale gegen Frankreich alles weitere Zugabe sein würde. Er hatte seine Mission erfüllt, und so lachte er da vor 19.000 Menschen, tanzend, in einem großen Moment seines Lebens.
Vor zehn Jahren hat er die Nationalmannschaft übernommen, und wenn dem neuen Hamburger Fußballtrainer Huub Stevens der Titel des "Knurrers aus Kerkrade" zufällt, so war Brand der "Grummler aus Gummersbach", wobei es noch besser wäre, wenn er aus einer Stadt mit dem Anfangsbuchstaben B käme, denn er brummt sehr gern.
Trockener Humor
Der Grummler führte die Mannschaft aus der Krise, er brachte sie allmählich wieder in die Nähe der Weltklasse, und ganz allmählich wurde aus dem Grummler ein immer freundlicherer Mann, kein Galan, aber einer, der immer entspannter wirkte und auch in Situationen des größten Drucks seinen trockenen Humor aufblitzen ließ. So locker wie bei dieser WM, als der bisher größte Druck auf ihm lastete, war er noch nie.
Brands Humor lässt sich kaum ins Geschriebene überträgt, weil er vom Timing lebt, und davon, dass Brand seine Scherze gern mit unbewegtem Gesicht herausbrummt. Mit seinem Sprecher Charly Hühnergarth hat er die Pressekonferenzen bisweilen in Comedy-Veranstaltungen verwandelt, die unter dem Titel "Heiner & Charly" durchaus gute Chancen hätten, im Privatfernsehen einen schönen Sendeplatz zu erhalten.
Einmal stand vor den beiden jeweils ein Mikrofon. Schaltete der eine seins ein, war damit das andere ausgeschaltet. In der Folge unterbrachen die beiden einander mehrmals, bis Brand vorschlug: "Herr Hühnergarth, machen Sie doch die sportliche Analyse. Ich übernehme dann die Betreuung der Damen und Herren von der Presse. Ich glaube, die würden sich bei mir sehr wohlfühlen."
Männer beim Witzeln
Das ganze wurde live im Fernsehen übertragen, zwei mittelalte Männer beim Witzeln. Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass das in anderen Sportarten möglich wäre. Handballer sind sehr bodenständige Menschen, wie ihre Sportart eine sehr bodenständige ist.
Hockey-Spieler sind oft Akademiker und können über die feinsten Verästelungen ihres Sports referieren, ebenso wie Ruderer, die jeden Schlag ins kleinste zerlegen, in großer sprachlicher Gewandtheit. Fußballer hingegen äußern sich meist in Floskeln, oft wirkt es, als hätten sie keinen Begriff von ihrem Sport, sondern ein Gefühl dafür.
Die Handballer haben überwiegend eine Berufsausbildung abgeschlossen, sie sind Bank- oder Reisekaufleute, Brand ist Versicherungskaufmann. Sie sind das, was einmal der einfache Mittelstand war, meist aus kleinen Städten stammend, Menschen mit Wurzeln. Ihr Sport ist sehr körperlich, sehr hart, und es erscheint wie die Erfüllung eines Klischees, wenn sie einander im Spiel mit allen Mitteln traktieren, bis es wirklich weh tut, und danach einander freundlich die Hände schütteln.
Aus Gummersbach
Brand ist in Deutschland das Sinnbild dieses Sports. Er stammt aus Gummersbach, wo er bis heute wohnt. 1978 war er Weltmeister, er galt als härtester Abwehrspieler der Welt. Sein heutiger Abwehrchef Oliver Roggisch sagt: "Wenn ich machen würde, was Heiner früher mit den Angreifern gemacht hat, dann flöge ich nach zehn Minuten mit der dritten Zeitstrafe vom Platz." Brand sagt über diese Zeit: "Da gab es schon mehr auf die Fresse, von beiden Seiten."
Er legt Wert darauf, dass er nie unfair gespielt hat. "Aber hart", sagt er, "eine gewisse Härte gehört zum Handball." Die hat er jetzt seiner von so vielen Verletzungen gebeutelten Mannschaft vermittelt, und es erscheint logisch, dass die Mannschaft des ehemaligen Abwehrbollwerks Brand die Grundlage des Erfolgs in der Defensive legte, wo sie mit einer Leidenschaft kämpfte, als stünde auf zu wenig Kampf die Versetzung zum Halma.
Köln war das Ziel der Mannschaft, die große Arena, so viele Menschen; Köln war das Ziel der ganzen Sportart, die zum Sprung in die großen Städte ansetzen möchte. Brand hat jedoch nicht vergessen, wo der Handball herkommt. Jürgen Klinsmann hat mit den Fußballern sein Hauptquartier im Sommer in Berlin aufgeschlagen, in der Hauptstadt, in einem feudalen Hotel. Brand hat zwar die Mannschaft nach Köln gebracht, das aufgrund der großen Halle als eine Art Hauptstadt der Handballrepublik gelten kann, doch er wohnte mit den Spielern in Wiehl, im Hotel zur Post. Wiehl liegt von Gummersbach 12,47 Kilometer entfernt, der Heimat von Brand. So lebte die Mannschaft das Kleine und das Große im Handball, sie wusste, wo sie herkam und wo sie hinwollte.
Es ist fraglich, ob ein anderer Trainer diesen Sinn für Balance entwickelt hätte. "Heiner ist mit uns den ganzen Weg gegangen", sagt Kapitän Markus Baur, "den richtigen Weg." Johannes Bitter, der zweite Torwart, sagt: "Er ist der Vater des Erfolgs, und er ist ein unglaublicher Taktikfuchs. Er versteht es, sein eigenes Leben als Handballer mit dem Handball von heute zu paaren."
DVDs am frühen Morgen
Damit ihm diese Paarung gelingt, schaut sich Brand fortwährend Handballspiele auf DVD an, er analysiert sie, teils bis tief in die Nacht und auch frühmorgens schon wieder, weil er bei großen Turnieren ohnehin nicht gut schlafen kann. Er ist mehr als das, was mit der Floskel vom "akribischen Arbeiter" beschrieben wird, er ist ein besessener Arbeiter. Christian Schwarzer sagt: "Er ist der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort mit der richtigen Mannschaft."
Zum Teil hat Brand diese Mannschaft zu seiner gemacht, und zum Teil hat die Mannschaft Brand zu ihrem Trainer gemacht. "Ich habe immer gern gesagt, er ist stur, aber er hat sich geändert", sagt Florian Kehrmann, "wobei stur gar nicht so negativ gemeint ist. Er lässt sich eben nicht von seinem Weg abbringen." Aber er lässt sich etwas sagen. "Wir reden als Mannschaft viel", sagt Kehrmann, "der Trainer ist ja nicht allwissend, sondern offen für das, was wir sagen. Das macht das Gebilde so stark." Brand genießt in der Mannschaft das höchste Ansehen, weil er sie respektiert.
Und weil er ihr vertraut. Als zum Beispiel Torwart Henning Fritz seine Form verlor, hielt Brand unbeirrt an ihm fest. Er war sich vielleicht nicht sicher, dass Fritz zurückkommen würde, aber er glaubte daran. Schließlich glaubte auch Fritz wieder an sich. Christian Schwarzer sagt: "Er ist ein Glücksfall, und ich hoffe, er wird dem Sport noch lange erhalten bleiben." Bis 2008 läuft der Vertrag. In dem Jahr stehen Olympischen Spiele an, und der Titel fehlt Brand noch.
(SZ vom 5.2.2007)
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Ihr größtes Spiel
Die Deutschen gewinnen mit einem 29:24 gegen Polen den Titel - am Ende sogar ohne den verletzten Henning Fritz.
Von Christian Zaschke
Sie trugen Kronen aus Pappe und vor allen Dingen trugen sie Bärte, und dereart gewandet marschierten sie ein in die Kölnarena wie Triumphatoren. Eben hatten die deutschen Handballer Polen im Endspiel der WM 29:24 (17:13) besiegt, und nun schritten sie zur Siegerehrung.
Torwart Henning Fritz ging an Krücken, er hatte sich im Spiel verletzt, und so kam er nun als humpelnder König. Christian Schwarzer hatte die Rührung die Tränen in die Augen getrieben, er kam als weinender König, und nachdem Markus Baur dem Bundestrainer Heiner Brand einen schönen Schuss Champagner ins Haar geschüttet hatte, stand dieser als begossener König in der tosenden Halle.
Nach dem Abpfiff hatte er kurz allein im Siebenmeterkreis gestanden und den Blick schweifen lassen, und in diesem Moment erinnerte er an Franz Beckenbauer, der nach dem Sieg bei der Fußball-WM 1990 allein über den Rasen des Römer Olympiastadions gelaufen war. Brand hat nun das gleiche geschafft, er war 1978 Weltmeister als Spieler und nun ist er auch Weltmeister als Trainer. Als der Champagner aus seinem Haar troff, griff er sich kurz ans Herz, wie um sich zu vergewissern, dass alles noch am rechten Fleck liegt.
Die Spieler präsentierten ihre zwar angeklebten, aber dennoch prächtigen Bärte. Vor drei Jahren, nach dem EM-Sieg in Slowenien, hatte Brand sich seinen Schnäuzer abrasiert. Diesmal war es also an den Spielern, etwas zu tun, und sie verbeugten sich vor ihrem Trainer, indem sie nun ihrerseits mit Gesichtsschmuck herumliefen. Manchen stand der Bart richtig gut, Florian Kehrmann zum Beispiel entpuppte sich als Naturtalent im Schnurrbarttragen. Und auch Torsten Jansen - der beste Mann dieses Finales - trug den Bart mit einiger Anmut, bis er ihm einfach aus dem Gesicht fiel.
Der Weg bis zu dem Punkt, an dem die Spieler sich Bärte ins Gesicht kleben konnten, war sehr weit. Schwierige Spiele liegen hinter dem Team, und auch das gegen Polen war eines, obwohl es so fulminant begann, dass der polnische Trainer Bogdan Wenta seine erste Auszeit nach zehn Minuten genommen hatte, weil er sah, dass es so nicht weiterging. Erst lief alles wie erwartet: Die Polen trafen aus dem Rückraum, die Deutschen erspielten sich geduldig eine Lücke oder kamen per Tempogegenstoß zum Erfolg.
Gleich der erste Treffer war ein kleines Spektakel, als Torsten Jansen zwar im Flug gerammt wurde, den Ball aber dennoch in Rücklage im Tor unterbrachte. Nachdem die Polen 3:2 in Führung gegangen waren, schien es, als habe sich die deutsche Mannschaft gesagt: bis hierhin und nicht weiter. Zwischen der siebten und der elften Minute erzielten die Deutschen sechs Tore hintereinander, es war wie ein plötzlicher Rausch im Spiel, der die Mannschaft zu einer Führung von 8:3 brachte. Bei 6:3 hatte Wenta seine Auszeit genommen, und normalerweise kommt eine Mannschaft anschließend besser ins Spiel. Die Polen kassierten jedoch schnell zwei Tore.
Der exzellente Hamburger
Anschließend beruhigte sich die Partie etwas, sie war ausgeglichener und wurde geprägt von vielen vergebenen Chancen. Christian Zeitz verwarf mehrmals frei vor dem Tor, sonst wäre der deutsche Vorsprung früh sehr groß geworden. So blieben die Polen im Spiel, und nach 25 Minuten hatten sie ihren Rückstand plötzlich auf zwei Treffer verkürzt. So etwas kann schnell gehen im Handball, und Bogdan Wenta sorgte nun zusätzlich für Stimmung.
Er legte sich mit Zuschauern an, einem bedeutete er, dass er sich nach dem Spiel mit ihm unterhalten wolle. Die Zuschauer reagierten mit den üblichen Schmähungen, und auf dem Spielfeld reagierte die deutsche Mannschaft, indem sie konzentrierter zu Werke ging. Drei der letzten vier Treffer der ersten Halbzeit fielen auf polnischer Seite, mit einer 17:13-Führung gingen die Deutschen in die Pause, begleitet von der Anfeuerung der Kölner.
Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: mit einem Tor von Torsten Jansen. Der Hamburger hat eine exzellente WM gespielt, in der Abwehr stellte er diesmal den rechten Rückraum der Polen kalt. In der Offensive agierte er gewohnt souverän, er ist in diesem Turnier eine der Leitfiguren des Teams geworden. Als nach einem Gegentreffer Michael Kraus und erneut Jansen auf 20:14 erhöhten, schien die Partie so gut wie gelaufen. Doch dann passierte das aus deutscher Sicht Schlimmste: Henning Fritz knickte um.
Bitter muss ran
Der Torwart hat ein sensationelles Turnier gespielt, er hat die Mannschaft mit seinen Paraden in dieses Finale gebracht, und nun zeigte die Uhr 34:37 und Fritz lag am Boden. Minutenlang wurde er behandelt, das Publikum skandiert seinen Namen, es rief "Henning", immer wieder, als könnten die Rufe die Verletzung des Torwarts heilen lassen. Doch Fritz wurde vom Platz getragen, Johannes Bitter stützte ihn, der zweite Torwart, der nun seinen Platz einnahm.
Die Frage war, wie die Mannschaft das verkraften würde, und sie verkraftete es zunächst sehr schlecht. Obwohl die Polen nach zwei Zeitstrafen in Unterzahl spielen mussten, vier gegen sechs, gelang es ihnen, den Rückstand zu verkürzen. Sie erzielten vier Tore hintereinander, die Deutschen wirkten nun fahrig und nervös, sie wirkten, als hätten sie Angst. Sie trafen nicht mehr, und plötzlich stand es, eine Viertelstunde vor Schluss, nur noch 22:21. Sieben polnische Tore standen einem deutschen Treffer gegenüber, und nun sah es so aus, als würden die Deutschen dieses Spiel, das sie schon gewonne hatten, doch noch verlieren. Das Momentum war auf Seiten der Polen.
Es dauerte bis zur 49. Minute, bis Pascal Hens diese Phase beenden konnte, indem er den Ball zweimal mit Wucht ins Tor jagte. Dann tat sein Hamburger Klubkollege Torsten Jansen es ihm gleich und erzielte ebenfalls zwei Tore. Danach wurden die Deutschen wieder ruhiger, sie behielten nun die Nerven in der vor Freude tosenden Halle, und sie spielten ihren Vorsprung in ihrem größten Spiel so lange über die Zeit, bis sie Weltmeister waren.
(SZ vom 5.2.2007)
ZitatAlles anzeigenAus dem Schatten des großen Bruders
Am besten lässt sich diese WM mit einem auf den ersten Blick eher sinnlosen Satz beschreiben: Erwartungsgemäß hat sie alle Erwartungen übertroffen.
Ein Kommentar von Christian Zaschke
Es war klar, dass dieses Turnier in Deutschland etwas sein würde, was es in dieser Sportart noch nie gegeben hat, aber es war nicht ganz klar, wie das aussehen würde. Am Ende sah es so aus: Es wurde in großen Städten in großen, ausverkauften Hallen gespielt, es saßen bei Spielen der deutschen Mannschaft mehr Menschen vor dem Fernseher als jemals zuvor beim Handball, in Dortmund und in Köln sind sogar einige Tausend zum Public Viewing gekommen.
Wie beim Fußball haben sich die Menschen als Deutschland verkleidet; sie trugen sehr große Hüte, aufsetzbare Irokesenschnitte und Girlanden, alles in schwarz-rot-gold. In den Hallen entfachten sie Lärm, gemessen wurde, dass die Zuschauer so laut waren wie ein Rockkonzert. Zwei Wochen lang wurde der Handball auf eine neue Ebene gehoben, und die Frage ist nun, was übrig bleibt von diesem Fest.
Wie alle erfolgreichen Sportler erhoffen die Handballer sich jetzt einen Boom für ihre Sportart. Der Verbandspräsident träumt von Spielen, die im Abendprogramm übertragen werden, der Bundestrainer hofft, dass Handball an den Schulen und in den Vereinen größere Akzeptanz findet. Diese Hoffnung ist nicht unberechtigt, denn immerhin haben nun Millionen Menschen erstmals Handballspiele gesehen und damit auch, welche Dramatik in diesem Sport steckt, wie viel Kraft, Geschick und manchmal sogar Eleganz.
Zudem haben Sponsoren gesehen, wie sehr dieser Sport das Publikum mitreißen kann und mit welchen Attributen er besetzt ist: Kampf, Härte, Fairness, Zusammenhalt, Dramatik. Es ist also immerhin möglich, dass mittelfristig mehr Menschen Handball spielen und Handball anschauen und dass mehr Geld in den Sport fließt. Bundestrainer Heiner Brand sagt: "Es wird nach der WM eine positive Entwicklung des Handballs geben, wenn nicht zu viele Heckenschützen dazwischenschießen."
Damit meint er unter anderem, dass er eine Ausländerbeschränkung in der Bundesliga will, damit mehr Deutsche bei den Spitzenklubs zum Einsatz kommen, und er meint auch eine Beibehaltung des Rhythmus von EM und WM, die jeweils alle zwei Jahre gespielt werden. Zwar ist die Belastung für die Spieler enorm, doch Brand argumentiert, dass nur die großen Turniere diesen Sport ins öffentliche Bewusstsein heben können. Die gerade zu Ende gespielte WM hat den Handball genau dorthin gebracht. Den Fußball kann er nie auch nur annähernd erreichen. Aber der Handball konnte für eine kurze Weile aus dem Schatten des großen Bruders treten und zeigen, dass er ebenfalls einiges zu bieten hat.
(SZ vom 5.2.2007)
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Die "Faszination Handball" hat ein Riesenpotenzial - Interview mit dem fassungslosen Bundestrainer Heiner Brand nach dem WM-Sieg der deutschen Handballer:
Herr Brand, wie oft haben Sie während der abgelaufenen WM-Tage an den WM-Triumph von 1978 gedacht?
Eigentlich nur dann, wenn ihr Journalisten mich daran erinnert habt.Nun sind sie als Spieler und Trainer Weltmeister ...
... und kann es noch gar nicht richtig fassen. Ich habe vor drei Wochen nicht für möglich gehalten, dass so etwas passieren kann.Rekordquoten im Fernsehen, Menschenspalier vor Ihrem Mannschafts-Hotel, Partys in der Halle ...
...und das ist ein Traum. Was sich hier abspielt hat, hat meine Erwartungen weit übertroffen. Es war außergewöhnlich. Deutschland hat erlebt, was für eine faszinierende Sportart der Handball ist. Die Atmosphäre in den Hallen hat dazu beigetragen, dass wir Weltmeister geworden sind. Und unsere Fans sind ebenfalls Weltmeister.Nach dem verlorenen Spiel gegen Polen in der Vorrunde meinten sie, dass Ihr Team zu brav sei. Was hat sich anschließend geändert?
Die Mannschaft hat an Selbstvertrauen gewonnen, ist in der Außendarstellung eine andere als zu Beginn der WM.Ein Verdienst auch von Christian Schwarzer?
Seine Nachnominierung war ein Glücksfall. Sein bloßes Erscheinen, seine Leistung, sein Engagement auf und neben dem Spielfeld – all das hat geholfen. Wie es ohne Blacky gelaufen wäre, vermag ich nicht zu sagen.Sagen Sie bitte etwas zu den einzelnen Positionen im Team. Wie wichtig waren die Torhüter, was haben die Spielmacher, was der Rückraum bewirkt?
Ich habe immer gesagt, dass die Torhüter den Unterschied zwischen den nahezu gleichwertigen Mannschaften in der Weltspitze ausmachen. Henning Fritz hat hier Tolles geleistet. Was mich noch mehr freut, ist, dass er mit Johannes Bitter ein großartiges Gespann bildet. "Jogi" hat Henning geholfen, wo er nur konnte, so haben wir wieder den alten Fritz erlebt. Bei den Kreisläufern gab es eine große Ausgeglichenheit. Sebastian Preiß war in wichtigen Situationen da, Klimowets hat sich eingebracht, außerdem war Schwarzer mit seiner Erfahrung wichtig. Auf der Spielmacherposition war Markus Baur der Leitwolf, der Etablierte, Michael Kraus ist nicht so klar in der Spielführung, aber dynamischer und für den Gegner unberechenbarer. Im Rückraum waren viele Dinge auf Pascal Hens zugeschnitten, Lars Kaufmann erfüllte in vielen wichtigen Momenten seine Rolle als Joker und Holger Glandorf bildete zusammen mit Christian Zeitz ein kongeniales Duo auf Halbrechts. Einer von beiden trifft immer. Dann die Außen: Alle drei, Torsten Jansen, Florian Kehrmann und Dominik Klein, gaben dem Team wichtige Impulse. Jansen war zudem ein ganz starker Eckpfeiler in unserem Abwehrgebilde.Sie haben die Mannschaft 1997 nach der verpassten WM-Qualifikation übernommen. Was ist seitdem Ihr Leitfaden?
Der Mannschaftsgeist, der Teamgeist ist das Wichtigste. Ein wenig Egoismus muss sein, den braucht jeder, um da zu sein, wo er jetzt ist. Grundsätzlich gilt aber: Für Egoisten habe ich in meinem Team keinen Platz.Der einstige Disziplin-Fanatiker Brand erlaubt seinen Spielern seit 2002 nach dem Erreichen des Halbfinales einen Besuch bei McDonalds, außerdem haben Sie mit der Mannschaft getanzt. Was hat sich verändert?
Aus sportwissenschaftlichen Gesichtspunkten ist der Besuch eines Fast-Food-Restaurant sicher nicht sinnvoll, aber er ist wichtig für den Teamgeist. Und getanzt habe ich schon lange nicht mehr. Deswegen kam es dazu.Ihr Vertrag als Bundestrainer läuft 2008 aus. Wäre jetzt nicht ein guter Zeitpunkt, um vorzeitig zu verlängern?
Wir werden im Frühjahr über die Möglichkeiten sprechen.Was erhoffen Sie sich an Nachhaltigkeit von diesem Triumph?
Sie ist automatisch da, auch wenn die Begeisterung abflachen wird. Ich glaube aber an eine sehr positive Entwicklung unseres Sports. Wir haben ein Riesenpotenzial. Viele haben gesehen, wie faszinierend der Handball ist. Über 60 Minuten hast du Action und Dynamik. Jetzt werden viele Beteiligte gefordert sein.Sie waren seit vier Monaten unterwegs, erst als Botschafter bei der WM-Roadshow, jetzt als Bundestrainer. Geht es nächste Woche in den Urlaub?
Die nächsten Tage werde ich sicher noch einige Termine haben. Dann muss ich aber abschalten. Wohin es geht? Keine Ahnung, mal schauen, ob meine Frau irgendwo etwas gebucht hat.Kieler Nachrichten vom 05.02.2007
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Westdeutsche Zeitung: Die Steilvorlage der Handball-Weltmeister verwandeln
Deutschland ist überreif für Olympia = von Michael Frisch
04.02.2007 - 19:52 UhrDüsseldorf (ots) - Die Frage nach der Olympiareife braucht sich
Deutschland spätestens seit der Fußball-WM 2006 nicht mehr zu
stellen. Die gigantische Sportbegeisterung, die auf die
Weltreiterspiele in Aachen, die Hockey-WM in Mönchengladbach sowie
auf das Weltfest des Handballs hinüberschwappte, fordert ein erneutes
Ringen um die Ringe heraus. Knapp 35 Jahre nach den Spielen in
München ist es für das vereinigte Deutschland an der Zeit, sich auch
auf olympischer Ebene als weltoffenes Land zu präsentieren.
Mit IOC-Präsident Jacques Rogge konnte sich der oberste Olympier bei
der Handball-WM hautnah davon überzeugen, dass Begeisterung und
perfekte Organisation in Deutschland zu Hause sind. Keine Frage: Der
gelungene WM-Marathon liefert Thomas Bach, Präsident des Deutschen
Olympischen Sport-Bundes, beste Argumente, trotz der Pleite mit
Leipzig 2012 eine erneute Bewerbung um Olympische Spiele auf den Weg
zu bringen. Noch ist Bach unschlüssig, ob die deutschen Chancen eher
bei Sommer- oder vielleicht doch bei Winterspielen größer sind. Mutig
wäre allerdings die Doppel-Kandidatur einer Stadt, für die München im
Gegensatz zu den Mitbewerbern Hamburg und Berlin prädestiniert wäre.
Dieser Schachzug brächte im langfristigen Bewerbungsprozess nicht nur
finanzielle Synergieeffekte mit sich. Vor allem könnte so der
drohende Streit zwischen den Wintersport- und
Sommersportverbänden verhindert werden. Denn ohne einen
bedingungslosen nationalen Rückhalt ist jede Bewerbung aussichtslos.
Positive Vorleistungen wurden indes genügend erbracht. Als beste
Botschafter der olympischen Tugenden haben sich die Handballer
erwiesen. Willensstärke, Leistungsbereitschaft, Fairness, Größe in
der Niederlage - das alles hat in den letzten zwei Wochen Millionen
von TV-Zuschauern fasziniert. Ohne Zweifel ist bei Bewerbungen gegen
andere Weltstädte auch Ausdauervermögen gefragt. Eine Grundtugend,
die auch die Sportfans unter Beweis gestellt haben. Deren
olympiareife Begeisterung ist einer der wichtigen deutschen Trümpfe
im weltweiten Pokerspiel um die Spiele.
Der Deutsche Olympische Sport-Bund sollte aber auch wegen des
konstant positiven Auftretens seiner Aktiven die guten Karten für
eine Doppel-Bewerbung ausspielen. Denn unsere neuen Weltmeister im
Handball, Biathlon, Bobfahren und Rennrodeln haben nicht erst seit
gestern für die olympische Gastgeberrolle Deutschlands aktiv
geworben. -
Die FAZ hat hier: http://www.faz.net/s/Rub2F881EFF8…n~Sspezial.html eine Bildersammlung zu den Eindrücken von gestern. Außerdem finden sich dort diverse themenbezogene Artikel.
ZitatAlles anzeigenDeutschland ist Weltmeister
Handballer feiern ihr WintermärchenVon Rainer Seele, Köln
05. Februar 2007 Goldene Hände, Zauberhände? Hände auf alle Fälle, die ein Prachtwerk schufen: Deutschland Weltmeister im Handball - und alle Dämme brachen in der Kölnarena, die für die Deutschen zur Goldgrube wurde. Nichts hielt sie mehr, niemand konnte sie mehr bremsen, nachdem der große Wurf gelungen, nachdem Polen geschlagen war. 29:24, das ist die Chiffre des Triumphes, des dritten Titels, nach 1938 und 1978. Deutschland wieder auf dem Gipfel also, nach 29 Jahren - und damit bereits für Olympia 2008 in Peking qualifiziert, gekrönt nach einer weiteren rauschenden Aufführung.
In infernalischem Lärm, verursacht von 19.000 enthusiastischen Zuschauern, tanzten die Deutschen ausgelassen im Kreis, als sie ihr Werk endlich vollbracht hatten. Als alle Anspannung und aller Druck von ihnen gewichen war und das Gefühl der Befreiung, der Erlösung sich Bahn brechen konnte. Und die Gewissheit, etwas Einmaliges zuwege gebracht zu haben. (Siehe auch: Kommentar: Aus den Schlagzeilen in die Zukunft)
Brand auf dem Höhepunkt seines Schaffens
Heiner Brand, der Bundestrainer, drückte als einen der Ersten Christian Schwarzer an seine Brust. Eine herzliche, innige Umarmung. Brand steht auf dem Höhepunkt seines Schaffens im Handball. Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Trainer. Niemand hatte ein solches Kunststück zuvor geschafft. Der Gummersbacher, 54 Jahre alt, ist die Galionsfigur des deutschen Handballs seit langem. Das Team, das sich selbst und ihm an dem denkwürdigen Sonntag einen Traum erfüllte, trägt seine Handschrift. Brand verlangt Teamgeist, das ist das oberste Gebot, alle Spieler müssen das verinnerlichen. Und sie haben erfahren, was entstehen kann, wenn sie sich daran halten.
Ein Wiedersehen also mit den Polen auf höchster Ebene. In der Vorrunde hatten die Deutschen 25:27 verloren, sie enttäuschten damals vor allem im Angriff und zogen schnell ihre Lehren daraus. Brand hatte das Geschehen damals exakt analysieren lassen, das blieb nicht ohne Wirkung. Sein Team wurde wesentlich schlagkräftiger, das hatten Weltmeister Spanien und zuletzt auch Europameister Frankreich zu spüren bekommen. Und die Polen sollten ein möglichst noch stärkeres Deutschland erleben, hatte Kapitän Markus Baur jedenfalls angekündigt: „Noch einmal einen draufpacken.“ Und sie schafften es auch, wenngleich zwischendurch mit einigen Mühen. (Siehe auch: Reaktionen: „Was Größeres gibt es nicht“)
Fritz wieder in exzellenter Form
Man kennt den Rivalen, der über einen sehr gefährlichen Rückraum verfügt, gut; viele Polen verdienen schließlich ihr Geld in der Bundesliga. Mithin war das Finale auch so etwas wie ein Liga-Treffen. Doch es trug noch eine andere pikante Note: Die Schiedsrichter des Tages stammten aus Frankreich, dem Land, aus dem die Deutschen nach dem Halbfinale heftige Vorwürfe zu hören bekommen hatten - wegen des vermeintlich sehr ausgeprägten Heimvorteils.
Die erste Aktion in diesem Duell war auf alle Fälle schon ganz nach dem Geschmack der Deutschen: Der Hamburger Torsten Jansen erzielte artistisch das 1:0. Zwar leistete sich das Team danach einige Fehlwürfe, etwa durch Christian Zeitz. Trotzdem reichte es zur Führung, auch weil Torhüter Henning Fritz sich wieder in exzellenter Form befand. Einige Male fuhr der Kieler den Polen bereits in den ersten Minuten in die Parade; so scheiterten sie auch mit einem Kempa-Trick an dem Mann, der schon zuletzt ein großer Rückhalt war. So wuchs der Vorsprung ständig.
Ein Bangen und Zittern
Brands polnischer Kollege Bogdan Wenta beantragte wegen der permanenten Angriffswellen der Deutschen früh eine Auszeit. Das änderte allerdings wenig an dem Geschehen. Zeitz aber erhielt kurz danach erst einmal eine Pause, just nachdem er beim Stand von 11:7 einen Gegenstoß nicht hatte verwerten können. Mit der Geduld von Brand war es damit vorerst dabei. Trotz verpasster Gelegenheiten verteidigten die Deutschen mit dem herausragenden Fritz und einer grundsätzlich energisch zupackenden Deckung ihr Hab und Gut. Und sie hatten ja Holger Glandorf, den schmächtigen Nordhorner, der immer wieder für den unberechenbaren Zeitz einspringt. Glandorf nahm jedenfalls noch einmal Maß, ehe Teil eins dieses Handball-Nachmittags beendet war, und er traf damit zum 17:13.
Die Deutschen wirkten bis dahin sehr entschlossen, häufig auch sehr konzentriert. Sie wollten sich die Chance, Handballgeschichte zu schreiben, natürlich keinesfalls entgehen lassen. 20:14 nach 34 Minuten, das verdeutlichte ihre Dominanz, ihre Energie. Doch plötzlich wurden die Mienen sorgenvoll: Fritz am Boden, umgeknickt bei einem Abwehrversuch, eine Beinverletzung. Die Fans skandierten seinen Namen, sie bemühten sich, ihn in seinem Schmerz aufmuntern. Fritz, der traurige Held, musste das Feld verlassen - Bewährungsprobe für Johannes Bitter, den Magdeburger. Bitter versteht sein Geschäft ja auch, er konnte es umgehend beweisen. Dennoch: Die Deutschen gerieten nun in eine schwierige Situation, sie schienen doch unsicher geworden zu sein nach dem Ausfall von Fritz. Sie verloren ihre Linie, einiges misslang ihnen in der Offensive, die Polen verkürzten den Rückstand, auf 21:22 etwa. Ein Bangen und Zittern nun.
Auf Bitter, gefeiert wie Fritz, war zwar Verlass, aber auf die deutschen Schützen nicht mehr. Ein Nervenspiel wieder, bis Pascal Hens sich zweimal in die Höhe schwang, den Ball in das Tor wuchtete: 24:21. Ein Aufatmen bei den Deutschen, sie wurden wieder stabiler, treffsicherer auch, sie kämpften, und sie kamen aus der Bredouille. Zwei Minuten vor dem Ende ließen sie sich von ihrem Publikum schon hochleben. Sie schwenkten eine Deutschland-Fahne, sie setzten sich später goldene Kronen auf, ehe sie geehrt wurden als Nachfolger von Spanien.
Text: F.A.Z. Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, REUTERS
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Der allseits beliebte Tagesspiegel schreibt Folgendes:
ZitatAlles anzeigenTränen, Champagner, Feuerwerk
Die deutschen Handballer werden Weltmeister und feiern nach dem 29:24 gegen Polen mit 19 000 Fans eine Riesenparty
Von Hartmut Moheit, Köln
Mit der Krücke in der Hand gab Henning Fritz den Takt an. Und so, als würden die 19 000 Fans in der Kölnarena den Anweisungen des deutschen Handball-Nationaltorhüters folgen, schallte „We are the champions“ durch die Halle, und mit den Fans sangen die deutschen Handballer. Es flossen Tränen und Champagner, Menschen lagen sich in den Armen, Laserstrahlen durchschnitten die Luft, ein Feuerwerk wurde gezündet, von der Decke fielen Glitzersterne. Mit so einer Party feiert man Sensationen. Und eine solche hatten Fans und Spieler gerade erlebt: Deutschlands Handballer sind Weltmeister, zum dritten Mal nach 1938 und 1978. Im Finale besiegte das Team von Bundestrainer Heiner Brand Polen 29:24 (17:13).
Für Bundestrainer Heiner Brand war es der zweite WM-Titel, er hatte 1978 als Spieler schon den Titel gewonnen. „Vor diesen einmaligen Zuschauern einen solchen Erfolg zu feiern, ist etwas ganz Besonderes", sagte der 54-Jährige völlig geschafft. Sein dichter Bart musste nicht wie damals dran glauben, stattdessen hatten sich seine Spieler selbst ähnliche Bärte angeklebt – zu seiner Verehrung. Auch der polnische Nationaltrainer Bogdan Wenta reihte sich in die Reihe der Gratulanten ein. Wenta hatte selbst im Team von Brand gespielt, er war mit ihm bei der EM 1998 mit Deutschland Dritter geworden. Am späten Abend folgte für den neuen Weltmeister ein Empfang vor dem Kölner Rathaus.
Welch ein Tag der Symbole. Gemeinsam waren Bundespräsident Horst Köhler und sein polnischer Amtskollege Lech Kaczynski in die Halle gekommen, sie tauschten Fanschals aus. „Das übersteigt alle Erwartungen“, sagte Köhler zur Pause, als die deutsche Mannschaft sich von einer rauschhaften ersten Halbzeit erholte. Kaczynski, in seiner Heimat mit Deutschland-kritischen Bemerkungen auffällig, trug einen deutschen Fanschal. Er sah eine Niederlage seines Teams. Die Deutschen dominierten das Spiel. In der Vorrunde noch hatte das Team gegen Polen 25:27 verloren. Den dritten Platz belegte Dänemark durch ein 34:27 über Frankreich im kleinen Finale.
Bevor jeder deutsche Spieler den 30 Kilogramm schweren Weltpokal, der einen werfenden Handballer symbolisiert, hochstemmen konnte, hatten sie Schwerarbeit zu leisten. Die Deckung um Oliver Roggisch und ein überragender Henning Fritz im Tor ermöglichten den WM-Gastgebern einen hoffnungsvollen Start. „Da stimmte fast alles", sagte Brand. Die sehr defensiv eingestellte polnische Deckung bekam den deutschen Angriff nicht in den Griff. Beim 11:6 sah es bereits sehr gut aus. Nur Christian Zeitz vergrub sein Gesicht auf der Auswechselbank. Er hatte zuvor klare Chancen vergeben, sonst hätte Deutschland zur Pause noch klarer als 17:13 geführt. „Wir haben uns in der Kabine geschworen, diese Führung nicht mehr herzugeben“, sagte Kapitän Markus Baur.
Vier Minuten und 42 Sekunden nach dem Wiederanpfiff (20:14) stockte plötzlich allen in der Kölnarena der Atem. Ohne Einwirkung des Gegners blieb Fritz plötzlich wegen einer Zerrung liegen; Johannes Bitter musste ihn ersetzen (siehe Artikel unten). Die Abwehr und Bitter schwächelten, im Angriff klappte kaum noch etwas. Der kritischste Punkt war beim 22:21 (45.) erreicht, als auch noch Lars Kaufmann eine Zeitstrafe von den guten französischen Schiedsrichtern Bord und Buy kassierte.
Bei den Deutschen schien jetzt plötzlich das Selbstvertrauen weg zu sein. In dieser kritischen Phase war es Bitter, der mit drei Reflexen das Team wieder aufbaute. Im Angriff überragten Pascal Hens (der in dieser Phase vier seiner sechs Treffer erzielte) und Torsten Jansen (fünf von acht). Als dann auch Florian Kehrmann zweimal erfolgreich war (28:23/29:23) hatten die Jubelfeiern längst begonnen. Selbst Henning Fritz hielt es nicht mehr auf der Bank, auf einem Bein hüpfte er an der Seitenlinie. Der Schlusspfiff ging in einem einzigen Jubelschrei unter. Trainer und Spieler tanzten, Fans umarmten sich, und die Spielerfrauen verschwanden aus der Halle. Mit goldenen Kronen und den Bärten für ihre Männer kamen sie zurück. Henning Fritz wurde als bester WM-Torhüter, Michael Kraus als bester Mittelspieler ausgezeichnet. Die Siegerehrung wurde zur großen Party, bei der schließlich der strahlende Bundestrainer Heiner Brand durch die Halle getragen wurde.
Außerdem haben sie einen Artikel vom allseits beliebten Herrn Eggers drin:
ZitatAlles anzeigenEiner dreht die Stimmung
Schwarzer führte das deutsche Team ins FinaleVon Erik Eggers, Köln
Mit hängenden Köpfen waren seine Kollegen vom Spielfeld geschlichen, die geschockten Zuschauer hatten stumm das Gerry-Weber-Stadion in Halle verlassen nach der ernüchternden 25:27-Niederlage in der Vorrunde gegen Polen, die Kampagne der deutschen Nationalmannschaft bei dieser Handball-Weltmeisterschaft schien bereits gescheitert zu sein. Es lief nicht gut vor knapp zwei Wochen. Und dann kam Christian Schwarzer.
Der Kreisläufer, der wegen der Verletzung von Klimovets just sein Comeback gefeiert hatte, war mitgekommen zur Pressekonferenz. Der 37 Jahre alte Lemgoer blieb ruhig sitzen, während Heiner Brand die schwierige Situation analysierte. „Heiner hat eigentlich schon alles gesagt“, meinte er schließlich, „aber ich will euch nur noch mal daran erinnern, dass wir schon mal in der Vorrunde verloren haben, und ihr wisst ja alle, was danach passiert ist“. Er meinte die Niederlage bei der EM 2004 gegen Serbien und Montenegro, als das Team danach mit Wut im Bauch zum Titel gestürmt war. Zu der aktuellen Situation befand Schwarzer mit seiner tiefen, durchdringenden Stimme: „Wir können auch alle vier Spiele in der Hauptrunde gewinnen.“ Und alle erklärten ihn für verrückt angesichts des Leistungsstandes der Mannschaft. Aber Schwarzer behielt recht mit seiner Prognose.
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Tagesspiegel Dossier: Handball-WM
Tags darauf erzählte Schwarzer, der im Sommer 2004 als Teil der sogenannten goldenen Generation um Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Klaus-Dieter Petersen zurückgetreten war, wie er sich seine Rolle vorstelle in der Mannschaft. „Ich kann jetzt nicht alles umwerfen, was war“, sagte er, „aber ich werde mir das alles jetzt in Ruhe angucken und die Dinge ansprechen, die mir nicht gefallen.“ Dass einige „ältere Spieler mehr mit sich selbst zu tun hatten“, hatte er freilich schon registriert.„Schwarzer hat zweieinhalb Jahre nicht in der Nationalmannschaft gespielt, man kann jetzt nicht erwarten, dass er Deutschland rettet“, sagte Bundestrainer Heiner Brand, als er ihn zurückholte. Man solle die Rolle des Rückkehrers nicht überschätzen. Doch knapp zehn Tage später schlug Brand dem Fachorgan „Handballwoche“ vor, Schwarzer „schon mal für die nächste Wahl zum Handballer des Jahrhunderts vorzumerken, denn wenn es so weit ist, bin ich ja nicht mehr da“. Gegen seine Erwartung hatten Schwarzers Hände eine am Boden scheinende Mannschaft tatsächlich wie durch ein Wunder zu blühendem Leben verholfen. Im wichtigen ersten Hauptrundenspiel gegen Slowenien warf Schwarzer vier Tore in vier Versuchen, aber es war nicht nur diese Quote, die die Mannschaft kurierte. Es war seine Präsenz, seine unbedingte Leidenschaft und Hingabe, die die Wende in diesem Turnier herbeiführte.
Natürlich half Schwarzer dabei dieser unglaublich hohe Stellenwert, den er sich im Verlauf seiner über 300 Länderspiele erarbeitet hat: Wenn andere Spieler meckern und eine Zeitstrafe kassieren, bekommt Schwarzer keine. Wenn andere Spieler einen Treffer aberkannt bekommen, weil sie zuvor im Wurfkreis aufgekommen sind, erhält Schwarzer das Tor oder wenigstens einen Siebenmeter. Wenn andere in der Abwehr vom Platz müssen, weil sie die Grenzen der Regeln überschritten haben, darf Schwarzer nach einem Schulterzucken weiterspielen. Auch die Gilde der Schiedsrichter hat Respekt vor ihm, spätestens seit dem olympischen Viertelfinale von Athen, als er in der zweiten Verlängerung gegen Spanien zwei Tore zum Ausgleich warf – wie in Trance, wie er hinterher einräumte: „Das war reiner Willen. Ich wusste nicht mehr, wie lange noch, und nicht, wie es stand, ich wusste nur noch, in welche Richtung es ging.“ Bei dieser Weltmeisterschaft dürfte es ähnlich sein.
last not least:
ZitatAlles anzeigenDer Star war das Team
Die Weltmeisterschaft hat gezeigt: Nur mit Einzelkönnern hält sich keine Mannschaft in der WeltspitzeVon Hartmut Moheit, Köln
Juan Carlos Pastor konnte sich nicht richtig freuen. Er gratulierte seinen Spielern, die gerade 40:36 gegen Island gewonnen und sich damit den siebten Platz gesichert hatten, aber der spanische Handball-Nationaltrainer spürte immer noch große Frustration. Die Niederlage des Titelverteidigers Spanien im WM-Viertelfinale gegen Deutschland hatte er noch nicht vergessen. „Ich bleibe dabei, die Schiedsrichter haben das Spiel entschieden“, sagte Pastor und wiederholte damit seinen Vorwurf, den er bereits unmittelbar nach dem Spiel am vergangenen Dienstag verkündet hatte. Die Spanier, die in den vergangenen Jahren zur absoluten Weltspitze gehörten, konnten mit Platz sieben wenigstens noch Schadensbegrenzung betreiben. Platz sieben berechtigt noch zur Teilnahme am Olympia-Qualifikationsturnier für Peking 2008. Doch viel mehr wird von den WM-Auftritten dieser Mannschaft nicht in Erinnerung bleiben. Dabei konnten die Konkurrenten bisher einiges lernen. Freilich: Wegweisende Neuerungen zeigten bei der Weltmeisterschaft 2007 auch nicht jene Teams, die besser platziert sind als die Spanier.
Auf einer vom Internationalen Handball-Verband (IHF) organisierten Trainertagung mit Teilnehmern aus 22 Nationen in Dormagen wurde das WM-Turnier analysiert. Eine der Erkenntnisse lautet: Die Teams in der Weltspitze sind noch ein Stück enger zusammengerückt. „Die Spiele im Viertelfinale wurden erst in der unmittelbaren Schlussphase entschieden, und in beiden Halbfinals kam es sogar zu Verlängerungen“, sagte Bob Hanning, der seit vier Jahren die Deutsche Trainervereinigung leitet. Die prominenten Trainer in Dormagen, etwa Staffan Olsson und Magnus Andersson aus Schweden sowie Valero Revira, der mit Barcelona sechsmal die Champions League gewonnen hat, urteilten: „Es gibt im internationalen Spitzenhandball kein dominierendes Spielsystem mehr.“ Es sind vielmehr Details, in denen sich die Teams unterscheiden. Die Spanier setzen zum Beispiel vor allem auf ihre Rückraumspieler. Die werfen entweder selbst, oder sie ziehen zwei Verteidiger auf sich und schaffen damit Freiräume für den Kreisspieler. Andere Teams wie etwa die deutsche Mannschaft setzen auf die Gefährlichkeit durch alle Angriffspositionen.
Bochumer Sportmediziner verfolgen und analysieren während des WM-Turniers die Laufwege der Spieler. Der Einsatz von modernster Computertechnologie liefert den Forschern hoch aufgelöste Bilder der Laufwege jedes Spielers. Anhand dieser Daten wird nach der WM ein physiologisches Beanspruchungsprofil, insbesondere der Weltklassehandballer, erstellt. So ist vor allem die Abfolge der Sprints und die Dauer der Erholungsphasen von Interesse. Ziel der Untersuchung ist es, das Leistungsvermögen der deutschen Handballer mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking zu optimieren.
Für Fachleute wie Bob Hanning gibt es weitere Details, die von den Mannschaften perfektioniert worden sind. „Da ist zum Beispiel der Konter beim Konter“, sagt er und erklärt diesen Satz: „Ein Team läuft einen Konterangriff, und der letzte Spieler verwirft den Ball. Noch während der am Boden liegt, beginnt der schnelle Gegenangriff des Gegners.“ Hanning spricht dann auch noch über „ein ballorientiertes Deckungsverhalten, verschiedene Deckungssysteme und vom Wert der Spieler auf der Auswechselbank“. Letzterer Punkt war zweifellos ein großes Plus der deutschen Mannschaft. Bei Auswechslungen gab es kaum einmal einen Leistungsabfall, nahezu in jedem Spiel setzte ein anderer Spieler die entscheidenden Akzente. Ohne diese Ausgeglichenheit ist es nicht möglich, in die Weltspitze vorzustoßen.
Island ist das beste Beispiel für diese These: Die Mannschaft hatte überragende Einzelkönner; mit Gudjon Valur Sigurdsson (66 Tore), Snorri Gudjonsson (53), Olafur Stefansson (53), Logi Geirsson (48) und Alexander Petterson (48) waren allein fünf Isländer unter den Top Ten der WM-Torschützenliste. Aber diese Spitzenspieler wurden so gut wie nie ausgewechselt und hatten so irgendwann nicht mehr genügend Kraft. Island landete auf Platz acht, einen Rang schlechter als Spanien. Wenigstens diesen Trost hatte der Titelverteidiger.
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Zitat
Original von wintermute
16.05: Sportschau live 12,91 Mio, 48,0 %
16.30: Handball-WM:
Deutschland - Polen 16,17 Mio 58,3 %
Dann sind das in der Spitze wohl deutlich über 20 Mio.