Baloo schreibt ja durchaus sehr differenziert, aber eine negative Grundhaltung gegenüber der Mannschaft und mittlerweile altem und neuen Trainer lese ich schon massiv raus. Die halte ich dann auch meistens nicht mehr für fair, zumindest in den letzten Monaten.
Denn ehrlich gesagt...ich glaube nämlich tatsächlich diese sogenannten schwachen Phasen sind der Grund warum wir unter Umständen vielleicht gar nicht merken das wir erfolgsverwöhnt sind. Es geht nicht darum Titel zu gewinnen, ja da können wir tatsächlich die leidige Diskussion darüber führen was da mehr möglich gewesen wäre. Es geht darum das wir in den letzten Jahren sehr guten Handball gespielt und sehr sehr selten verloren haben. Das man wenn man mehr verliert auch mehr Fehler macht...als Ursache ja naheliegend, ist etwas was viele Fans glaube ich dann doch nicht sehen wollen.
Baloo hat insofern Recht das ich auch der Meinung bin das Vranjes in seiner letzten Saison alles der Meisterschaft untergeordnet hat und nicht über seine Amtszeit hinaus daran gedacht hat die Mannschaft weiter zu entwickeln. Genau das tut Machulla doch aber und das braucht eben wirklich Zeit. Gerade wenn du hinter Glandorf so einen Jungspund hast, gerade wenn Gottfridson und Lauge den Kern bilden sollen und sich dann einer für Monate verletzt, wenn der zweite Torwart monatelang ausfällt. Auch den siebten Spieler kannst du nicht von heute auf morgen spielen. Wenn ich dann Posts wie den über Zachariassen von Baloo lese, unterstellt das dem Trainer aber explizit und implizit die allerwunderlichsten Dinge...vorsichtig gesagt.
Das ist mein Problem mit dieser negativen Denke: Ja, es kann sein das wir nach der Saison zu dem Schluss kommen das das nichts war. Allgemein nicht, mit Machulla nicht und mit einigen Spielern vielleicht auch nicht...aber das kann man angesichts der den Umständen entsprechend doch sehr ordentlich laufenden Saison eben jetzt noch nicht sagen. Man kann nicht so schnell Dinge verändern, gerade mit dem Terminprogramm muss man das sehr pragmatisch angehen.
Tja, da muss ich wohl nochmals mit in die Diskussion eingreifen - auch wenn ich es eigentlich nicht mehr wollte, da wir scheinbar völlig unterschiedliche Einstellungen/Erwartungen bezüglich unserer SG und ihrem Umfeld haben...
Also:
1.) Falsch ist, daß ich eine negative Grundstellung gegenüber aktuellem Trainer und seinem Vorgänger habe. Vranjes haben wir hier so ziemlich alles zu verdanken, was in näherer Vergangenheit hier passiert ist. Allerdings - und das ist kritisch - wie bereits oben geschrieben auch die Stagnation im handballerischen, spielerischen und taktischen Bereich.
Unserem aktuellen Trainer, den ich übrigens persönlich kenne, werfe ich nur vor (vielleicht bin ich auch zu ungeduldig), daß bisher wenig eigener Weg zu erkennen ist. Er ist mir noch immer zu sehr „Vranjes 2.0“. Kaum Neuerungen im Spiel, weiterhin starres Festhalten am recht oft schwächelnden Stammtorwart, wie oft diskutiert weiterhin kein Kreisspiel außer Sperren. Und es geht sogar so weit, daß er die Zeitpunkte der genommenen Auszeiten seines Vorgängers starr kopiert. Immer etwa zwei Minuten vor der Pause und zu einem ähnlichen Zeitpunkt vor Spielende. Dafür fehlt sie oft (oder sie ist zu spät) in spielentscheidenden, spielkippenden Phasen. Soviel dazu! Ich hoffe, daß er spätestens in der Vorbereitung der kommenden Saison neue Ideen/Ansätze einstudieren wird. Ja, ich bin von ihm trotz allem so überzeugt, daß ich mit ihm in die kommende Spielzeit gehen möchte. Aber mit Maik und nicht mit „Ljubo2.0“!
2.) Richtig ist, daß wir dabei sind, hinter Glandorf einen „Jungspund“ zu installieren. Richtig ist aber auch, daß dieser Jungspund bereits Handball spielen kann. Er ist sogar Nationalspieler seines Landes und mischt bei großen Turnieren mit. Also sollte er in der Lage sein, seinen Vorgänger halbwegs zu ersetzen, wenn dieser mal einen schwächeren Tag hat - und zwar nicht nur in der Abwehr. Schwächer als der Glandorf-Auftritt gestern, hätte er gestern auch nicht spielen können. Warum also nicht mal ein Versuch über die zweite Welle hinaus?
3.) Ich fordere immer wieder den Einsatz von Zachariassen, da ich das oft erwähnte „Hand-hoch-Spiel“ von Toft nicht als Kreisspiel sehe. Zudem ist seine Harmlosigkeit vor dem Tor für mich mit ein Grund, warum unser Angriff so schwer arbeiten muss, um zum Erfolg zu kommen. Sei es Pekeler, Wienczek, Aguinagalde, Kohlbacher und wie sie alle heißen - sie sind dafür verantwortlich, daß deren Rückraumschützen viel einfacher zum Erfolg kommen. Sie strahlen alle Torgefahr aus und binden mindestens einen meist sogar zwei Verteidiger, die dann fehlen, um die Rückraumschützen zu attackieren. Bei unserem Spiel, wie schon oben geschrieben, müssen sich sechs Abwehrspieler auf drei Angreifer konzentrieren. Zachariassen beschäftigt die Abwehrspieler allein durch seine Beweglichkeit. Und da er ab und zu tatsächlich auch mal das Tor trifft, muss auch aufmerksamer auf ihn geachtet werden. Übrigens: Komischerweise kann Toft in der Nationalmannschaft auch ein deutlich torgefährlicheres Kreisspiel.
4.) Eine Negativdenke herrscht bei mir ganz sicher nicht vor. Dafür habe ich als Dauerkarteninhaber im dreiunddreißigsten Jahr (oder sind es schon 34?) schon viel zu viel durchgemacht und weiß, was ein Misserfolg ist. Negativ gegenüber dieser Mannschaft kann ich gar nicht sein, die mich inzwischen fast mein komplettes Leben begleitet oder umgekehrt! Ebenso kann ich meine Kritik - siehe oben - sehr gut als „Jammern auf hohem Niveau“ einordnen. Ich stehe aber immer noch mit offenen Augen in der Halle. Und ein kritischer Blick auf das Gezeigte darf wohl durchaus erlaubt sein. Und da fällt mir halt auf, daß uns seit knapp einem Jahr die Souveränität abhanden gekommen ist. Viele Ergebnisse dieser Saison spiegeln nicht den eigentlichen Verlauf der Partien wider. Selbst gegen die vermeintlich schwächeren Truppen herrschte meist 45 Minuten Krampf und zum Teil sogar Rückstände. Nur individuelle Klasse sowie eine hervorragende Fitness, um 60 Minuten das Tempo hochzuhalten, haben uns in vielen Schlussphasen gerettet. Und für die Topspiele ist es diese Saison dann halt zu wenig - nicht umsonst haben wir fast alle verloren.
5.) Es ist mir, so wie auch Dir, völlig freigestellt, meine Meinung und Sichtweise zu äußern. Bei einem Thread, der den Titel „SG Flensburg-Handewitt“ trägt, steht es jedem frei, seinen Gedanken und Wünschen freien Lauf zu lassen. Das tue ich so oft ich möchte. Und wenn ich mich dabei wiederhole, dann nur, weil ich mich Spiel für Spiel über die gleichen Dinge ärgere. Mit übertriebener Erwartungshaltung hat das nichts zu tun. Eher mit Sorge im Hinblick auf die Zukunft. Allerdings siehe Punkt1.) baue ich auf die Vorbereitung einer runderneuerten Mannschaft (ja THW, ein echter Umbruch) zur neuen Saison. Wahrscheinlich wird es am Anfang tatsächlich holprig und weiterhin Kritik geben, die sich dann allerdings hoffentlich im Laufe der Vorrunde legen wird!