Obwohl der EHV Aue gefühlt zum Inventar der 2. Bundesliga gehört, gibt es hier in der HE leider kaum Präsenz. Ich frage mich wie der aktuelle Absturz in Richtung 3. Liga zu erklären ist. Der Kader wurde gegenüber der letzten Saison kaum verändert - und die Spielzeit 2020/21 hatte der EHV immerhin auf Platz 5 abgeschlossen. Was sind die Gründe für das sportlich schlechte Abschneiden in diesem Jahr?
Nach der Hinrunde war der EHV mit 13:25 Punkten zwar auch schon auf einem Abstiegsplatz, aber mit nur einen Punkt Rückstand auf Platz 15. In den bisherigen 14 Spielen der Rückrunde haben sie nur sechs Punkte geholt (zwei Siege und zwei Unentschieden). Der einzige lichtblick ist, dass die verbleibenden fünf Saisonspiele gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte sind und am 36. und 37. Spieltag noch in Dormagen und gegen Emsdetten gespielt wird. Noch ist also nichts verloren.
Restprogramm des EHV:
VfL Eintracht Hagen (A) (Hinrunde 31:32)
Empor Rostock (H) (Hinrunde 34:35)
TSV Bayer Dormagen (A) (Hinrunde 28:28)
TV Emsdetten (H) (Hinrunde 26:24)
Dessau-Roßlauer HV (A) (Hinrunde 34:26)
Alles anzeigen
Hallo Arcosh,
erstmal vielen Dank für den kleinen
Hoffnungsschimmer. Ich glaube, der durchschnittliche Zuschauer des
EHV Aue ist nicht gerade internetforenaffin.
Hier kommt nun eine
demzufolge vermutlich unerwartete Antwort auf deine Frage.
Vorab: natürlich kann ich das Rätsel
nicht lösen, allerdings kann ich zumindest meine etwas
detailliertere Sicht auf die Situation darlegen.
Vorsaison
Zunächst muss man festhalten, dass das
Abschneiden in der vorigen Saison überdurchschnittlich gut war, was
meines Erachtens nach an einem exorbitanten Mannschaftszusammenhalt
durch zahlreiche Schicksalsschläge festzumachen ist:
- Einbruch in die Geschäftsstelle
inkl. Gelddiebstahl
- Brandstiftung bei
Vereinsfahrzeugen
- schwere Coronaerkrankung des
Cheftrainers Stephan Swat inkl. mehrwöchigem Koma und damit
verbundene Reaktivierung des bisher erfolgreichsten Trainers der
jüngeren Vereinsgeschichte Rúnar Sigtryggsson
- Tod des Vaters des Managers (eine
der „guten Seelen“ des Vereins) durch Herzinfarkt während des
Heimspiels gegen Konstanz
Nach dem letztgenannten Ereignis
startete eine schier unglaubliche Serie mit neun ungeschlagenen
Spielen bis zum Saisonende (davon acht Siege).
aktuelle Saison
Man startete recht gut mit 5:3 Punkten.
Danach folgte das Pokalspiel gegen den THW Kiel vor ausverkaufter
Halle. Eigentlich hatte ich erwartet, dass man nach diesem Erlebnis
den Ligabetrieb weiterhin erfolgreich gestaltet, doch dies war nicht
der Fall. Man könnte sagen, dass nach diesem Spiel etwas „die Luft
raus“ war. Mitte Oktober gab es die ersten Coronafälle der neuen
Saison in der Mannschaft, ausgerechnet erwischte es die beiden
Schlüsselspieler Kevin Roch (Kapitän, Abwehrchef, klare Nummer 1
auf Linksaußen) sowie Adrian Kammlodt (Toptorschütze). Alle drei
Spiele, die ohne diese beiden Spieler bestritten werden mussten,
gingen verloren. Zu allem Überfluss verletzte sich Kammlodt in einem
der ersten Trainings nach der Quarantäne am Sprunggelenk und fiel
weiter aus. Das Heimspiel gegen Ferndorf (es sollte das letzte bis
Februar sein, bei dem Zuschauer erlaubt waren) wurde knapp gewonnen,
allerdings hagelte es danach hohe Niederlagen in Hüttenberg und
Gummersbach sowie zu Hause gegen Eisenach. Anschließend gab es zwar
keine „Packungen“ mehr, jedoch größtenteils enge Spiele, die
meist knapp verloren wurden bzw. einmal Unentschieden endeten. Im
Weihnachtsheimspiel gegen Dessau gelang dann nach acht Spielen ohne
Doppelpunktgewinn endlich mal wieder ein Sieg (sogar mit 8 Toren
Differenz).
Nach der Winterpause folgten erneut
zwei Heimspiele (gegen Hüttenberg und Hamm), die mit einem Tor
verloren wurden, und ein Überraschungsauswärtssieg in Friesenheim.
Allerdings gab es danach wieder eine Niederlagenserie, die ganze fünf
Spiele anhielt. Man versuchte, mit einem Mentaltrainer
entgegenzusteuern, was allerdings bis heute offenbar nur mäßig
klappt. Danach gab es endlich wieder zwei Spiele ohne Niederlage,
allerdings auch ohne Sieg. Nach der Osterpause kam es dann zum mit
Spannung und Vorfreude erwarteten Heimspiel gegen Gummersbach mit
einer famosen ersten Halbzeit, in der nahezu alles klappte, und
desaströsen ersten zehn Minuten in der zweiten Halbzeit, in denen
fast nichts gelang. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert
werden, für mich war die Diskrepanz zwischen den Minuten 1 bis 30
und 31 bis 40 schlicht und ergreifend unverständlich und nicht
nachvollziehbar. Eventuell ein Wink der Mannschaft mit dem
Zaunspfahl?! Jedenfalls legte der bisherige Cheftrainer Kirsten Weber
direkt nach dem Spiel sein Amt nieder. Es folgte ein überzeugender
Heimsieg gegen Lübeck mit Interimscoach René Jahn (meine Worte nach
dem Spiel: „DAS war der EHV Aue, wie man ihn kannte!“). Nach
diesem Sieg und der Verpflichtung von Stephan „Apollo“ Just war
eigentlich der Weg geebnet für eine Siegesserie. Eigentlich! Das
Auswärtsspiel in Eisenach begann mit einer Roten Karte in der 4.
Minute gegen Kevin Roch für ein Foul, welches zumindest zu diesem
frühen Zeitpunkt mit einer Zeitstrafe angemessener geahndet gewesen
wäre. Diese harte Bestrafung war sicher der Hauptgrund für diese
Niederlage. Auch im folgenden gestrigen Heimspiel gegen Großwallstadt
gab es eine Niederlage aufgrund zu vieler Fehler auf Seiten des EHV.
Beigetragen haben dazu allerdings auch der eine oder andere
unglückliche Pfiff der Schiedsrichter (beide Jahrgang 1998), die für
einen solchen Abstiegsgipfel meiner Meinung nach überfordert waren.
Kader
Der einzige
Abgang war ja der Rückraumrechte Gabriel de Santis, der im Vorjahr
meines Erachtens nach die Nummer 1 auf seiner Position war. Nun
rückte also der bisherige „Ersatzmann“ Arnar Birkir Hálfdánsson,
über den bereits damals gesagt wurde, er schwanke mit seiner
Spielweise zwischen Genie und Wahnsinn, an dessen Stelle. Als zweiter
Mann für diese Position wurde Aki Egilsnes verpflichtet, der jedoch
leider die komplette Hinrunde unter seinen Möglichkeiten blieb.
Halfdansson hingegen baute im Vergleich zur Vorsaison erheblich ab,
mittlerweile landet fast jeder Torwurf nicht dort, wo er hin soll und
jeder Pass nicht bei dem, bei dem er ankommen soll. Egilsnes hingegen
ist in der Rückrunde mittlerweile einer der konstantesten Spieler,
allerdings eben ohne adäquaten Ersatz.
Auf
Rückraumlinks gab es in der Hinrunde das o.g. Corona- und Fußproblem
bei Adrian Kammlodt. In der Rückrunde fand er zwar zu alter Stärke
zurück, jedoch ist nun das Problem bei ihm, dass er in jedem Spiel
nahezu durchspielen muss (Abwehr und Angriff), da sich sein
Ersatzmann Nico Schneider in der Winterpause sämtliche Bänder im
Knie riss.
Zusammenfassend kristallisieren sich
folgende Gründe für die schlechte aktuelle Saison heraus:
- zahlreiche knapp verlorene Spiele
(5 x -1 Tor, 3 x -2 Tore) und 5 x Unentschieden
- kaum Alternativen auf den
Halbpositionen
- fehlende Siegesserie
- eventuell nicht optimales
Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer Kirsten Weber
Ich hoffe, damit zumindest etwas Licht ins Dunkel bringen zu können. 