Auch das ist sicher richtig. Wobei ich aber zugeben muss, dass ich auch Mitleid mit Andreas Rudolph habe. Er ist ein Handballverrückter, im positiven Sinne, der viel in "sein" Kind investiert hat, nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Arbeit - und Emotionen. Wer ihn mal an der Bande hat toben sehen, weiß, was ich meine. Natürlich hat er Fehler ohne Ende gemacht, natürlich trägt er die Hauptverantwortung für das, was dort schiefgegangen ist. Das ist kaum zu bestreiten. Aber er hat es gut gemeint, er hatte eine Vision, für die er gekämpft hat, und steht jetzt vor einem Scherbenhaufen. Auch das muss man bei aller Häme sehen.
Und darum tut mir Andreas Rudolph eben auch leid.
Ich kann ihn beim besten Willen nicht bemitleiden. Den Scherbenhaufen hat er nicht vor sich, sondern den hat er rücksichtslos ohne Vorwarnung in Hamburg hinter sich gelassen, selbst wenn es ihm jetzt wieder leidtut und er dabei helfen will, ihn aufzukehren. Er hat vor Jahresfrist eine Patronatserklärung zur Lizenzerhaltung abgegeben - wieso sind jetzt so viele Verbindlichkeiten offen und es droht sogar Insolvenz, ohne dass er verpflichtet ist das jetzt auszugleichen? Mag ja sein, dass auch bei ihm das Geld nicht mehr so locker sitzt oder aus was für Gründen auch immer nicht mehr so reichhaltig vorhanden ist, aber man unterschreibt doch sowas nicht wie eine Autogrammkarte. Da lässt man sich vorher doch wohl eine Budget- und Finanzplanung zeigen, schließlich hängen Dutzende von Menschen bzw. Familien dran. Das diese Saison nach jahrelanger vergeblicher Suche urplötzlich ein neuer Großsponsor um die Ecke kommen würde, der nicht mitreden sondern nur zahlen will, kann er doch nicht ernsthaft erwartet haben und auch nicht, dass ihm die Stadt die nicht unerheblichen finanziellen Bürden abnimmt. Sportstadt hin oder her - es gibt sicherlich auch in Hamburg wichtigeres für die Allgemeinheit.
Er hat sich in seiner Pressemitteilung darüber beschwert, dass ihm der Respekt ihm gegenüber fehlt und dass er nur als "Geldfee" angesehen wird - das mag ihn nach seinem langjährigen Engagement verständlicherweise enttäuschen, aber kann er sich nicht vorstellen, dass seine Angestellten von ihm ebenso enttäuscht sind? Noch vor 4 Wochen waren alle, durch seine Sanierungsfall-PK initierten, kritischen Überlegungen "Sch..xxhausparolen" und die "Lizenz fürs nächste Jahr garantiert". Wie soll man das denn anders verstehen, als dass er persönlich finanziell dafür sorgen wird? Dann diese ominöse Ostereinladung an manche Spieler - erst beschimpft er sie öffentlich als "wir haben die falschen Spieler" und läßt sie mit den April-Gehälter hängen und dann sollen sie kurzfristig ihre eigenen Pläne aufgeben und nach Mallorca fliegen zum "Wir-haben-uns-alle-lieb"? Er hat seinen Angestellten sicher sehr viel Gutes getan in den letzten Jahren, aber viele öffentliche Äußerungen von ihm vor allem im letzten halben Jahr lassen davon wieder vieles vergessen. Ausserdem habe ich bisher noch keinerlei "Einsicht" von ihm gehört, dass ein wesentlicher Bestandteil der Probleme (zu teure Verträge, zu lange Laufzeiten, zu großer Kader, zu große Geschäftsstelle) durch ihn und seinen Bruder entstanden sind - für ihn waren immer die Geschäftsführer die Schuldigen, obwohl sie größtenteils doch wohl eher Marionettenfunktion hatten. Nee wirklich - Mitleid kann ich nicht aufbringen. 