Die Frage, die man stellen müsste, wäre dann eigentlich, wie hoch die Qualität der medizinischen Abteilung wäre.
Wenn man davon ausgeht, dass die Ärzte und Betreuer ihren Job richtig machen und die Wehwehchen und Verletzungen richtig bewerten, müsste man auch feststellen, dass die Spieler aus medizinischer Sicht spielfähig waren und die Einsätze, wie auch immer sie zustande gekommen sein mögen, medizinisch vertretbar waren.
Die Spielweise "Tempohandball" kann man eigentlich auch kaum als eindeutige Begründung der Verletzungen / Handicaps herbeiziehen. Meldungen über Einschränkungen, die auf eine Überlastung aus der höheren Intensität schließen lassen würden, gibt es zumindest nicht.
Die Spieler haben die Physis, die Spielweise durchzuziehen. Auch die Belastungssteuerung scheint soweit zu passen. Das sieht man ja auch daran, dass immer wieder die gleichen Spieler 60 Minuten lang ohne nennenswerte körperliche Einbrüche das hohe Tempo durchziehen konnten. Infekte, Knieverletzungen oder Bänderrisse durch falsches Auftreten gehören zum normalen Ausfallrisiko bei Handballmannschaften.
Da es hier aber wichtige Säulen getroffen hat, fällt es schmerzlich ins Gewicht und es kommt jetzt wieder der Boomerang des nicht-ausgewogenen Kaders zurück.
Ich behaupte ja auch nicht, dass speziell Christiansen oder de la Pena keine Entlastung bringen könnten oder eben auch sollten. Sie können aber sehr wahrscheinlich nicht dazu beitragen, Spiele zu drehen, wenn die Stamm-Besetzung versagt.
Wenn man bei klaren Ergebnissen dann Nachwuchsspielern die Einsatzzeiten gibt, damit sie sich auch im Wettkampf entwickeln können, muss man ihnen und der Mannschaft eben auch eingestehen, dass die Differenz im Ergebnis am Spielende vielleicht auch nicht mehr ganz so deutlich ist. Wenn man mit +6 führt und dann mal de la Pena bringt, verbietet sich eben auch Kritik darüber, dass das Ergebnis am Ende vielleicht nur +3 statt +10 ist. Das kann dann eben passieren. Wenn man will, dass junge Spieler ihre Chance bekommen, muss man die Konsequenzen möglicher Fehler, die deshalb ins Spiel kommen, eben auch verkraften können.
Weber "Leistungsabfall" steht auf einem anderen Blatt. Der kam ja nicht erst nach der Nicht-Verlängerung. Dass sein Vertrag als Folge seiner Leistungskurve nicht so zur Verlängerung angeboten wurde, wie er es gern gehabt hätte, hat ihn vermutlich mit dem Kapitel SCM abschließen lassen. Das ist derzeit maximal Dienst nach Vorschrift.
Mich würde ja auch mal brennend interessieren, welche Trainerkandidaten es unter den aktuellen Gegebenheiten so viel besser machen würden? Ich bin mal gespannt, ob da fundierte Antworten gewisser Kritiker zu kommen. Stumpf poltern ohne Alternativ-Vorschläge kann ja jeder... Wer so viel Ahnung hat, wie man es richtig machen muss und warum es jemand anders mit einer gewissen Ausbildung ach so deutlich verkehrt macht, kann es ja auch gleich selber machen. Welche Meriten sind denn da also so als Handball-Trainer vorhanden? Sind da auch alle möglichen Trainer-Scheine dabei? Mehr als 30 Jahre Handball-Leben in direktem Kontakt zu höchstem Niveau? Nachweise sportlicher Erfolge unter Underdog-Bedingungen? Bist du Patrice Canayer?
Neutral betrachtet:
- Der Kader ist in seiner Qualität nicht ausgeglichen genug besetzt. Es fehlen auf RL und RR gefährlichere und stabilere Alternativen. Es fehlen Alternativen im Mittelblock und der zweite Torwart drängt sich auch nicht sonderlich auf. Wir haben Spieler im Kader, die es auf Bundesliga-Niveau nicht schaffen, den Stammspielern auch dann eine Alternative sein zu können, wenn die Stammspieler nicht 100% leisten.
- Es wird nach und nach an den Lücken im Kader gearbeitet.
- Die Spieler, die geholt werden, sind inzwischen besser als die Spieler, die sie ersetzen sollen. Neuzugänge sind inzwischen auch so jung, dass sie hier auf ihrem besten Niveau spielen könnten und wir einige Jahre was von ihnen haben.
- Der Cheftrainer erfüllt die Anforderung an seine Stelle, dass er die Mannschaft auf das Feld schickt, die die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit in Aussicht stellt.
Ich behaupte, dass es nur wenige Handball-Trainer gibt, die mit den Möglichkeiten, die es beim SCM gibt, eine bessere Entwicklung geschafft hätten.
Die Zusammensetzung des Kaders lässt auch noch Luft nach oben. Steinert wird vermutlich mehr Druck machen als Christiansen, Thulin wird hoffentlich stabiler in guten Leistungen sein als Quenstedt, Preuß sollte auf KM auch eine Verbesserung darstellen. Knackpunkt wird sein, wen man auf RL bekommt.