Weber täte jetzt gut daran, diese Sache auf sich beruhen zu lassen und aus reinem Eigeninteresse die innerliche Kränkung nicht mehr weiter medial zu verbreiten.
Sportlich stellt er sich beim SCM mit solchen Interviews nur noch weiter ins Abseits. Dabei ist vollkommen egal, ob das aus seiner Sicht der Dinge legitimierte Aussagen sind.
Ob Wiegert in Menschenführung etwas hätte besser machen können, weiß man letzten Endes doch nicht mal.
Sportlicher Fakt ist, dass seit Anfang 2018 aufgrund von zuvor schleichend nachlassender Qualität die Ausführung gewisser Aufgaben auf der Platte an andere Spieler übertragen wurde. Ob dahinter menschlich noch mehr steckt, werden Außenstehende nicht erfahren.
Weber scheint ja insgesamt mit einigen Dingen in den letzten 2 Jahren nicht so gut zurecht gekommen zu sein. Einiges könnte im Verhältnis zum Trainer nicht gut genug gewesen sein. Ein anderes Thema, was auch im Interview durchkam, ist scheinbar, dass er im neueren Kader wohl kaum noch Anschluss gefunden hat.
Sportlicher Fakt ist auch, dass Weber bis zu dem Moment sportlich immer noch eine Schonfrist hatte, bis zur Art und Weise der Veröffentlichung seines Abganges.
Zumindest in Spielanteilen gemessen, kann man nicht behaupten, dass Wiegert nachtragend oder zukunftsplanend agiert hätte. Weber bringt das Melsungen-Spiel als Knackpunkt. Es war doch keine sportlich begründete Entscheidung, ihn nach 7/10 sportlich auf die Bank zu setzen.
Fakt ist auch, dass es realitätsnah und, mit den sportlichen Leistungen begründbar, wirtschaftlich nachvollziehbar ist, dass ein Spieler, der den letzten Vertrag auf dem Höhepunkt einer sportlichen Leistungen verhandeln konnte, nicht mehr das gleiche Gehalt angeboten bekommen sollte, wenn diese sportlichen Leistungen und seine Rolle in der Mannschaft nicht mehr diesen Status rechtfertigen.
Er sprach ja davon, dass im März die ersten Gespräche mit, zumindest wohl mündlichen, Angeboten begannen. Das war auch schon die Zeit, in der auch auf Rechtsaußen der zarte Versuch einer Zeitenwende anbrach, in der Spielzeit eben auch geteilt wurde. Das war ja bis zum Abschiedsinterview dann auch wieder schnell vom Tisch.
Weber hat also, trotz der Tendenz in den Gesprächen, sportlich viel Spielzeit erhalten, die mal mehr und mal weniger mit Leistungen gerechtfertigt wurde. Auch so ein Punkt, der wohl zeigt, dass Wiegert in gewisser Weise nicht nachtragend ist oder zumindest den mannschaftlichen Erfolg über seine eigenen Befindlichkeiten gestellt hat.
Weber hat ein gewisses Selbstbild von sich. Das ist auch vollkommen in Ordnung und in weiten Teilen auch sicherlich nicht falsch. Er kann sicherlich noch 2-4 Jahre auf hohem Niveau spielen. Wo es scheinbar kritisch wird, ist die Selbstreflektion der eigenen Leistungsentwicklungen.
Vollkommen außer Frage ist auch, dass er für den SCM auch mehr Wert als nur einen Ein-Jahres-Vertrag hätte, wenn seine sportlichen Leistungen in den Statistiken in den letzten beiden Jahren nicht so sehr zurück gegangen wären. Die Statistik, die da ausschlaggebend sein muss, ist seine Trefferquote - neben vielleicht weiteren Statistiken, die vereinsintern zur Leistungsanalyse der Defensive geführt werden.
Das Angebot über einen Ein-Jahres-Vertrag mit wahrscheinlich leistungsbezogenen Sonderzahlungen ist aus Vereinssicht eben auch deshalb durchaus nachvollziehbar. Nur müssten er und Nostalgieromantiker dieses "Jetzt" auch mal realistisch betrachten. Da scheint sein sportliches dickes Fell zu dick zu sein, solche, tendenziell negative Faktoren an sich ranzulassen.
Was vereinsseitig im Rahmen dieses Ein-Jahres-Angebot noch an Perspektiven in Aussicht gestellt wurden oder welche Begründungen es in den Gesprächen gab, werden nur die wissen, die gesprochen oder zugehört haben.
Es ist sicherlich schade, dass es so zu Ende geht nach 10 Jahren gemeinsamer Geschichte. Beide Handlungsstränge sind auf ihre Art und Weise für nüchterne Betrachter in sich sicherlich auch nachvollziehbar. Letzten Endes ist hier Weber der Akteur, der sich, leider und zumindest in der Art und Weise unnötig, überwiegend selbst in's Abseits stellt und die Sache mit eher negativen Tönen abschließen lässt.
Manchmal ist es eben doch besser, sich auf die Zunge zu beißen, auch wenn der Biss neben der vorhergehenden Kränkungen ihm sicherlich arg geschmerzt hätte.
Sportlich sollte sich der SCM vielleicht auch besser vorzeitig von ihm trennen. Das wurde in dem Interview leider auch deutlich, auch wenn man natürlich nicht erwarten braucht, dass die Leistungsmotivation da noch da ist. Der Störfaktor ist aktuell aber zu groß und auch innerhalb der Mannschaft wird das sicherlich noch offensichtlicher, wo manche hier doch schon ein scheinbares Außen-vor-lassen prognostiziert haben.