Die Diskussion um die Nationalmannschaft und die DHB-Präsidentennachfolge zeigt meiner Meinung nach die zunehmende Verkommerzialisierung des Handballs und die damit auftretenden Konflikte auf.
Dieses Spannungsfeld sehe ich durchaus auch: Kommerz (im Sinne von Profisport, nach Regeln des Marktes) kontra Tradition (im idealisierten Sinne von "ehrlichem" Sport, geldlos, wo die besten des Landes über Vereinsgrenzen hinweg antreten allein für Ruhm und Ehre).
ZitatSelbst diejenigen, die gegen Brand und Strombach wettern und auf der Seite von Glandorf sind, bestätigen doch im Grunde genau die Aussagen von Brand! Nämlich, dass DKB-Liga und DHB-Verband nicht mehr zusammenarbeiten, sondern gegeneinander.
Der Handballsport ist aber in diesem Land nicht so durchsetzungsfähig, da gebe ich TSVROT in seinen Ausführungen Recht, dass sich das eine ohne das andere halten oder gar weiterentwickeln kann, man ist also aufeinander angewiesen. Wer den anderen mehr nötig hat, und wer welche Verantwortung für den anderen trägt, vermag ich nicht zu beurteilen.
Und nur weil der Ligabereich professionell und geldgierig ist, heißt es ja nicht im Umkehrschluss, wenn man Nationalsport bewahren möchte, dass früher alles besser war und die verkrusteten Strukturen aus den 70ern, wie sie beim DHB vorzuherrschen scheinen, das Wahre sind. Und Brand scheint in diesem Konflikt nur Pflichten auf Seiten der Vereine zu kennen:
"Verein und Spieler stehen in der Pflicht, die richtige Einstellung für die Nationalmannschaft mitzubringen...." Von den Pflichten des DHB, z.B. dem respektvollen Umgang mit seinen Nationalspielern sagt er nichts.
Dass Brand den "Fall Glandorf" nochmal auffrischt (liest sich für mich auch so wie: "Frag mich doch noch mal was zu Glandorf"), kommt für mich nicht von ungefähr:
Mit Heubergers Attacke gegen einzelne Spieler, bzw. einem einzelnem Spieler und einem Verein, wollten sie die Erwartungen drosseln und vorab Schuldige nennen. Hat nicht ganz so hingehauen, weil sich nicht nur die Stimmung ergab "Glandorf ist blöd, Flensburg ist blöd, keiner will mehr Nationalspieler sein, wir können nichts dafür, wenn der Handball in Deutschland bergab geht". Sondern plötzlich ergab sich eine Diskussion über Terminhatz, Verheizen, Kommunikationsprobleme zwischen DHB und Liga und Vereinen und Spielern etc. Journalisten fragten nach, ließen den Spieler und Verein selbst zu Wort kommen, andere Spieler, Vereine äußerten sich.
Und immer steht am Ende, egal welche Meinung man zum konkreten Fall hat, es muss sich etwas ändern - aber das ist ja nun gerade das, was der DHB nicht sooo gerne möchte, ändern sollen sich immer nur die anderen, und deshalb musste Brand dringend vor der WM, quasi als Einstimmung, die jährliche Leier in zunehmend schärferem Ton abspielen.
Was mich aber wirklich schockt, ist, dass Brand nicht wusste, was auf einen Präsidenten so zukommt: Diskussionen und Einmischungen. Wenn man nie bereit war, anderen zuzuhören, aber irgendwie verständlich...
ZitatAber nachdem ich gesehen habe, wie die Arbeit des Präsidiums beeinträchtigt wird und welchen Diskussionen und Einmischungen man sich stellen muss, war ich regelrecht geschockt.
Brand zum Jahresende: WM-Viertelfinale drin, Kritik an Glandorf und Absage an Prsidenten-Job