Beiträge von Urban79

    Was mich wundert: Warum setzt Gislason gg die Schweiz und Mazedonien erst den ganzen Kader ein und dann nicht mehr? Man hatte den Eindruck, dass er den ganzen Kader für so ein Spiel wie gegen Frankreich vorbereiten will. Aber am Ende gebe ich einem Vorredner recht: Es ist das Gefühl und der Eindruck des Trainers. Da stecken wir alle nicht drin. D hat ne Menge Potenzial, aber das Potenzial von Frankreich oder Dänemark (!) ist nun mal deutlich höher zur Zeit.

    Aber wie man sauber und gleichzeitig hart verteidigt, haben doch die Franzosen vorgemacht. Ohne, dass sich da jemand vor Schmerzen gekrümmt hat.

    Wer überhaupt? Ich habe Remili im Kopf, als er einen Ellenbogen von Golla ins Gesicht bekommen hat. Und das war trotzdem in dem Moment ein Gegentor…Wann hat sich im ganzen Spiel ein Spieler vor Schmerzen gekrümmt? Abwehr ist nicht gleichbedeutend mit Prügeln. Die Zeiten sind vorbei. Schnelle Beine sind entscheidend. Guck dir die Dänen an oder den SCM. Das sind alles keine Riesen, aber schnell und im Verbund abgestimmt. Bei den Deutschen gab es zu viele Lücken und die Franzosen bekommen trotz Körperkontakt den Ball weiter. Am Ende stand da immer ein Fabregas. Dass Prandi oder Mahe recht unbedrängt von 9 oder 10 m werfen konnten, lag unter anderem daran, dass man sich an Fabregas festhalten wollte. Einen Tod muss man sterben.

    Die beiden Linkshänder Remili und Mem haben in Verbindung mit Fabregas den deutschen Innenblock seziert. Das war schon Weltklasse. Fabregas ist zusammen mit Saugstrup der beste Kreisläufer der Welt.

    Aber, was den Deutschen wirklich den Rest gegeben hat, war die Umstellung des Inneblocks der Franzosen. Mit Koman (heißt er so?) kam so viel Lust auf Verteidigung und schnelle Beine, damit kamen die Deutschen immer weniger klar. Mahe als „Entlastung“ für Remili auch stark. Wenn der Rückraum der Franzosen Bock hat, gibt es vielleicht eine Mannschaft, die den stoppen kann und das ist Dänemark in Verbindung mit deren beiden Keepern.

    Die Identität des VfL Potsdam ist dann aber natürlich weg. Was passiert mit der Sportschule? Dort werden junge Handballer "hingelockt", aber welche Perspektive haben sie dann? Aus Sicht von Bob Hanning macht das alles Sinn und ich finde es wirklich herausragend, was er für den (Jugend-)Handball tut. Aus Sicht des VfL Potsdam ist es sowas wie die Aufgabe der eigenen Geschichte, die ja doch durchaus vorhanden ist. Allerdings ist die Perspektive des VfL ohne Hanning und die Füchse natürlich auch eher mau.

    Viele Mannschaften werden nach Eisenach fahren, zwar Respekt haben, aber sich insgeheim denken, dass sie den Platz bei dieser offensiven Abwehr schon werden nutzen können. Aber Binder sagte es schon richtig, man kann das nicht im Vorfeld trainieren. Und er sagte, dass es nicht so einfach ist, wie man von außen denkt: Warum rennen die da nicht einfach vorbei?

    Ich stimme ihm da zu. Das ist schon eklig zu bespielen. Und auch, wenn mich das überharte nervt, aber das ist ihre einzige Chance auf den Klassenerhalt.

    Ich finde schon, dass Potsdam durchaus taktisch gut spielt. Das muss ja nicht immer zwangsläufig bedeuten, große Spielzüge durchzuziehen, aber sie stoßen wirklich gut auf die Lücken, nutzen Räume und gehen nicht direkt auf den Gegenspieler zu. Eine weitere hohe Qualität: Sie machen recht wenig Fehler.

    Aber es stimmt auch, dass viel auf Athletik getrimmt ist. Tempo und schnell Beine. Da erkenne ich schon Parallelen zu den Füchsen.

    Bob Hanning ist einer der größten Fachmänner im deutschen Handball. Er hat ein sehr gutes Gespür dafür, wie Mannschaften funktionieren. Das sieht man seit Jahren an der Transferpolitik der Füchse. Und er ist ein super Trainer für die Jugend. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob ältere Spieler mit der Art und Weise klarkommen würden. Neben Taktik spielen da sicher auch Athletik und eine gewisse Portion Druck eine Rolle. Diese Jugendarbeit ist einerseits einzigartig in Deutschland, auf der anderen Seite gibt es da auch Verschleiß und viele Jungs haben da nicht ewig Bock drauf. Und die gehen dann nach Oranienburg.

    Ich finde es aus Berliner Sicht schon plausibel, aufzusteigen. Aber dann muss man die Sportschule in Potsdam mitdenken. Ich habe noch keine Phantasie, was die da für eine Rolle spielen soll, außer die großen Talente in der B- oder C-Jugend nach Berlin an deren Sportschule weiterzuleiten. Der eigene Potsdamer Nachwuchs dürfte dann im Männerbereich nur wenig Perspektive haben.