Quelle: HP Zweibrücken
Zweibrücker Löwen überzeugen auch gegen Großsachsen!
Sonntag, den 27. Januar 2013 um 08:21 Uhr Geschrieben von: Christian Gauf
Einen in dieser Form nicht zu erwartenden 33:24 (16:13)- Heimsieg erspielte sich die erste Männermannschaft der Zweibrücker Löwen am Samstagabend gegen den Mitaufsteiger und derzeitigen Tabellensiebten der dritten Bundesliga Süd, den TV Germania Großsachsen.
Denn die personelle Situation beim Tabellenvorletzten sorgte im Vorfeld dieses Drittligaspieltages insbesondere auch beim eigenen Anhang für große Skepsis.
Immerhin war mit Thomas Zellmer (erkrankt) und Kubo Balaz (verletzt), die „etatmäßige“ rechte Angriffsreihe nicht mit am Start, konnte mit Kreisläufer Jonas Denk ein weiterer wichtiger Leistungsträger wegen einer Grippe nicht mit auflaufen.
Letzterer machte sich zwar, ebenso wie Dominik Schweizer etwa zehn Monate nach seinem Kreuzbandriss erstmals wieder im SV-Trikot, gemeinsam mit der SV-Truppe warm, beide waren allerdings eher als „Notlösung“ mit eingeplant. Fast wie ein Schock hatte da die Diagnose bei Kubo Balaz gesorgt, die Mannschaftsarzt Dr. Jürgen Knoch bereits am Freitag tätigte. Der Linkshänder, der zu Beginn des neuen Jahres erstmals in den Kreis der slowakischen A-Nationalmannschaft berufen wurde, am Samstag eigentlich gegen seinen Freund und Nationalmannschaftskollegen Peter Masica antreten wollte, wird voraussichtlich sechs lange Wochen ausfallen, weil er an der Leiste operiert werden muss.
„Wir haben auch im letzten Jahr immer dann die besten Spiele gemacht, wenn wir angeschlagene Spieler hatten“, lautete dann allerdings die eher „trotzige“ Situationsanalyse seitens des Zweibrücker Trainers Stefan Bullacher vor dem Spiel, als er seine junge Mannschaft auf die bevorstehende Aufgabe einschwor.
So mancher SV-Anhänger dürfte sich dann tatsächlich verwundert die Augen gerieben haben angesichts der eher ungewöhnlichen Anfangsformation der 64er.
Denn da waren der 27jährige Linksaußen Daniel Sorg und der 24jährige Spielmacher Torben Rixecker die beiden erfahrensten Akteure auf Zweibrücker Seite, neben den beiden 18jährigen Tim Burkholder und Erik Pohland, dem 19jährigen Aris Wöschler sowie Alex Eusterholz (21) und Keeper Nils Kawolus (23). Benni Zellmer (21) kam wie üblich auf der vorgezogenen Abwehrposition zum Einsatz, was einem Durchschnittsalter von 21 Jahren entsprach, mit Sicherheit also eine der jüngsten Anfangsformationen einer Drittligamannschaft bundesweit – und das unter den Augen des DHB-Jugendkoordinators Christian Schwarzer, der sich dieses Spiel in der Ignaz-Roth-Halle gemeinsam mit ca. 320 anderen Handballfans anschaute.
Und diese junge Truppe bekam nach der erwarteten Anfangsnervosität das Spiel schnell in den Griff. Als Grundlage diente dabei die offensive 3:2:1-Abwehrformation der Zweibrücker Löwen, die am Samstagabend in der Kombination mit Keeper Nils Kawolus eine famose Leistung auf den Hallenboden zauberte und die Gäste somit zu zahlreichen technischen Fehlern zwang. Wie unzufrieden Gästetrainer Uli Schuppler hier war, belegte das frühe Team-Time Out bereits in der neunten Spielminute beim Stande von 6:2 für die 64er, denen bis dahin bereits drei Tempogegenstoßtore gelungen waren. Danach fanden die favorisierten Gäste zu ihrem Spiel, kamen in der 12. Spielminute durch einen Doppelschlag durch den besten Gästespieler Tomas Zahn auf Linksaußen sowie den slowakischen Spielmacher Peter Masica zum 7:7-Ausgleichstreffer, waren also in der Partie zurück. Die 64er, bei denen Torben Rixecker hervorragend Regie führte, legten dann regelmäßig vor, ließen während des gesamten Spieles kein einziges Mal die Gästeführung zu, brauchten allerdings trotzdem bis zur 20. Spielminute, um sich beim 12:10-Zwischenstand erstmals wieder auf zwei Tore absetzen zu können.
Aris Wöschler, der in der Defensive eine gewohnt starke Vorstellung ablieferte, glänzte nun aber auch im Angriff. Am Kreis hatte der Allrounder begonnen, spielte später im linken und im rechten Rückraum und kurzzeitig sogar auf Linksaußen. Von all diesen Positionen kam er jedenfalls zum erfolgreichen Abschluss und war damit, neben dem im zweiten Durchgang überragenden Torben Rixecker ein absoluter Garant für den Zweibrücker Heimsieg.
Im Schlussspurt der ersten Hälfte gelang es den 64ern bereits, die eigene Führung zum 15:10-Zwischenstand auszubauen (25. Spielminute), um dann allerdings den sich nun mit Vehemenz gegen die drohende Niederlage stemmenden Gäste in der letzten Minute der ersten Hälfte noch zwei Treffer zum 16:13-Halbzeitstand zu gestatten. Das letzte Tor Großsachsens durch Zahn, von Linksaußen als Dreher, war dabei schon sehenswert.
„Wir haben uns eine ganz hervorragende Ausgangslage erarbeitet“, stellte SV-Trainer Stefan Bullacher bereits zur Pause fest, „da müssen wir jetzt einfach weiter machen“. Ein Absprachefehler in der Defensive, ein technischer Fehler im Angriff, beides bestraft durch einfache Gegentore, sorgten indessen wieder für einen 16:15-Zwischenstand in der 32. Minute – womit die Partie wieder völlig offen war. Bis zum 22:20 in der 45. Spielminute blieben die Gäste dran, ehe es den SVlern gelang, sich nun doch wieder kontinuierlich abzusetzen. Sensationell dabei die hervorragenden Gegenstoßpässe von SV-Keeper Nils Kawolus, der in der zurückliegenden Woche seinen Vertrag bei den 64ern verlängerte und am Samstagabend seine beiden Kollegen im Großsachsener Trikot deutlich „ausstach“.
Torben Rixecker war in dieser Phase allerdings der überragende Zweibrücker Spieler; er erzielte auch neun Tore und war damit erfolgreichster SV-Angreifer. Die letzten beiden SV-Tore machte allerdings der 16jährige Jugendnationalspieler Jerome Müller, zum 32:23 per Siebenmeter und kurz vor Spielende zum umjubelten 33:24-Endstand von Rechtsaußen. Danach war auf Seiten der 64er nur noch Jubel – Jubel über einen, zumindest in dieser Höhe nicht erwarteten Heimsieg, über eine ausgesprochen couragierte Spielweise und über zwei im Abstiegskampf der dritten Liga enorm wichtige Punkte.
Viel wichtiger noch als die beiden Zähler war im Endeffekt auf Zweibrücker Seite aber die Erkenntnis, auch deutlich Ersatz geschwächt gegen höher eingeschätzte Gegner mithalten zu können. Genau unter diesem Gesichtspunkt war dieser Sieg für die Zweibrücker Löwen so wichtig. Das merkten auch die SV-Fans, die bereits zwei Minuten vor Spielende ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen begleiteten. „Steht auf, wenn ihr Löwen seid“, lautete hier die kurze Aufforderung von Hallensprecher Thomas Wolf – und viele Fans erhoben sich von ihren Plätzen, spendeten langanhaltenden Applaus.
Der Blick in die Tabelle der dritten Liga Süd sieht aus Sicht der 64er nun ebenfalls schon wieder wesentlich freundlicher aus; denn der Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz beträgt momentan „nur noch“ zwei Punkte – und noch etwas ist in diesem Zusammenhang ganz wichtig: die SV-Truppe glaubt weiterhin an sich, glaubt weiterhin an eine erfolgreiche Fortschreibung des Zweibrücker Handball-Märchens in der dritten Liga.
Auf einen Blick:
SV 64 Zweibrücken: Nils Kawolus, Philipp Bartel (n.e.) und Philipp Serr (n.e.) im Tor – Torben Rixecker 9/2, Aris Wöschler 7, Tim Burkholder 5, Daniel Sorg 4, Benni Zellmer 4, Jerome Müller 2/1, Erik Pohland 1, Jonas Denk 1, Alex Eusterholz und Marian Müller.
TVG Großsachsen: Patrick Jahnke und Andreas Fischer (21. - 48.) im Tor – Thomas Zahn 7, Florian Sauer 5/1, Peter Marica 3, Marius Jörres 3, Sebastian Knierim 2, Tobias Kohl 2, Dominic Sauer 1, Tobias Wallenwein 1, Patrick Zweigner, Simon Gans, Simon Reisig und Christian Braun (n.e.).
Zeitstrafen: 2:4 min., Siebenmeter: 3/3 – 2/1, Zuschauer: 320, Schiedsrichter: Marcel Brückner/Thorsten Zimmermann (Bottrop/Tönisvorst).