Quelle: Schwäbische Zeitung
„Die HSG Konstanz lässt sich vom DHB nicht in die Insolvenz treiben!“
Präsident Otto Eblen, Geschäftsführer Frank Meisch und Kapitän Simon Flockerzie von Handball-Drittligist HSG Konstanz im SZ-Gespräch
Im Bild (v.l.) Geschäftsführer Frank Meisch, Präsident Otto Eblen und Mannschaftskapitän Simon Flockerzie. (Foto: Jochen Dedeleit)
Von Jochen Dedeleit
Die Mannschaft des Handball-Drittligisten HSG Konstanz „überwintert“ nach dem 22:22 im Spitzenspiel gegen Tabellenführer TSV Friedberg auf dem dritten Platz. Auf der Homepage des Vereins, der zu Beginn des Jahrtausends schon einmal drei Jahre der zweithöchsten deutschen Spielklasse angehörte, dankt das Team um Topscorer Matthias Faißt „für ein phänomenales Jahr“. SZ-Mitarbeiter Jochen Dedeleit wollte von HSG-Präsident Otto Eblen, Geschäftsführer Frank Meisch und Kapitän Simon Flockerzie Genaueres über das Umfeld der HSG wissen und bat das Trio um einen Ausblick auf 2013.
SZ: Ein 22:22 am vergangenen Wochenende gegen den Topfavoriten der 3. Liga, in einem begeisternden und hochklassigen Spiel. Ein würdiger Abschluss einer starken Vorrunde?
Frank Meisch: Ich denke ja. Wir haben uns gegen Friedberg, das mein größter Favorit auf den Aufstieg in die 2. Liga sind, hervorragend geschlagen (wobei Friedberg-Trainer Hartmut Mayerhoffer gegenüber dieser Zeitung nach Spielschluss verriet, dass der Primus der Liga nicht das Umfeld für Liga zwei habe und dessen Vorstandschaft derzeit nein zu einem möglichen Aufstieg sagt, d. Red.).
Simon Flockerzie: Wenn wir dieses Friedberg einmal genauer anschauen, dann lässt sich unsere Leistung umso höher bewerten. Wobei unser Rückraum an diesem Abend etwas überlastet war.
SZ: Wie ist die Leistung der HSG in der Vorrunde insgesamt zu bewerten?
Flockerzie: Ich bin schon überrascht, dass wir zu den Top Drei der Liga gehören. Das verdanken wir unserer Leidenschaft.
Otto Eblen: Im zweiten HSG-Magazin habe ich geschrieben, dass wir im Mittelfeld landen werden (grinst).
Meisch: Das ist der Arbeit, insbesondere der Jugendarbeit, der vergangenen Jahre geschuldet. Damit haben wir eine gewisse Kontinuität erreicht. Es macht Spaß, zuzuschauen.
SZ: Zweimal deutlich über 1100 Zuschauer, ansonsten aber rund 700. Einfach ist es nicht, die Konstanzer zu mobilisieren?
Meisch: Wir müssen jedes Mal kämpfen, um die 700er-Marke zu überspringen. Es könnten mehr sein, die permanent den Weg in die Halle zur HSG finden.
Flockerzie: Unser Rahmenprogramm in den vergangenen Spielen hat gezeigt, was möglich ist. Aber es ist auch so, dass die Leute nur dann kommen, wenn wir oben stehen. Das ist schade.
Eblen: Dank unseres Marketingkonzepts sehen wir, was für ein Potenzial vorhanden ist. Jetzt sagen die Konstanzer, heute gehen wir zur HSG, da ist was los. Aber um noch einmal ein anderes Niveau zu erreichen, sind viel mehr Leute nötig. Die, die jetzt kommen, besitzen eine Art Vorbildfunktion und müssen weitere mitreißen. Sie müssen ihnen sagen, dass wir sie jetzt brauchen.
SZ: Um vielleicht doch noch die 2. Liga in Angriff nehmen zu können, wenn die HSG am Saisonende denn ganz oben stehen sollte (Otto Eblen erteilte im HSG-Magazin vor zwei Wochen einem Aufstieg in die 2. Bundesliga quasi bereits das „Nein.“)?
Meisch: Wir haben mit sämtlichen Sponsoren gesprochen, mit Ausnahme von Rothaus hat keiner gesagt, dass er uns stärker unterstützt. Wir können nur einen großen Aufruf starten.
Eblen: Für die Stadtwerke oder die Volksbank hat es keinen Effekt, wenn wir in Frankfurt Handball spielen. Sie sehen das auch nicht als sinnvoll an, wenn wir ins kalte Wasser springen. Es ist auch ein negatives Image für unsere Sponsoren, wenn es uns schlecht geht. Nach dem derzeitigen Stand muss ich sagen: Wie soll ich ein Haus bauen, wenn nicht genügend Geld vorhanden ist? Da ist die Insolvenz nicht weit.
SZ: Sie führten zuletzt die Situation der Aufsteiger in den beiden oberen Ligen an.
Eblen: Ja, wir müssen doch nur auf die Tabellen der 1. und 2. Liga schauen. Die eingleisige 2. Liga wurde eingeführt, um die Bundesliga und die Nationalmannschaft stärker zu machen. Wo aber sind die Aufsteiger der 3. und 2. Liga in der nächsthöheren Spielklasse? Minden ist 14., Neuhausen 16., Essen 18. und Letzter. Und in der 2. Liga ist Aue 13. Und Henstedt, Leutershausen und Ferndorf auf den letzten Plätzen, wenn wir das schon insolvente Schwerin außen vor lassen. Wir lassen uns nicht kaputt machen, nur um dem DHB zu zeigen, dass sein Konzept nicht gut ist. Oder anders: Wir sind schlauer als der DHB und lassen uns nicht in die Insolvenz treiben. Denn dem DHB ist das Schicksal der Vereine wurscht.
SZ: Baden-Württemberg sind die Nationalteams weniger wurscht.
Meisch: Die drei Handballverbände in Baden-Württemberg – Badischer HV, Südbadischer HV, HV Württemberg – haben 1998 eine Arbeitsgemeinschaft gegründet und seitdem in vielen Bereichen die Zusammenarbeit kontinuierlich verbessert. Insbesondere trifft dies für den Leistungssport zu. Die Förderung der Talente bis zum Länderpokalturnier des Deutschen Handball-Bundes erfolgt in den Landesverbänden, die mit je einer Mannschaft männlich und weiblich an dem Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft teilnehmen. Danach werden die Talente in die Auswahlteams von Baden-Württemberg zusammengefasst und weiter gefördert, damit möglichst viele den Sprung in die Jugendnationalmannschaften schaffen und in die DHB-Kader aufgenommen werden. Dass dieses Konzept erfolgreich ist, belegt der Anteil von Kaderathleten in den Nationalmannschaften, der sich bei den Männern um 39 und den Frauen (jeweils A und B) um 14 Prozent bewegt.
SZ: Kam schon ein Spieler zur Vereinsführung und meinte, er wolle den Verein verlassen, wenn die HSG Konstanz nicht aufsteigen will?
Eblen: Konkret hat dies noch keiner gesagt, aber das muss jedem zugestanden werden. Hingegen haben schon einige gemeint, dass unser Konzept das richtige ist.
Flockerzie: Was machen wir, wenn wir am Mittwoch in Wilhelmshaven ran müssen? Wir sollten uns nicht auf den Aufstieg fixieren, sondern die Top Drei als Ziel nennen.
(Erschienen: 19.12.2012 19:50)