Quelle: HP Friedberg
Fünfter Sieg in Folge für die Erste - Erfolg gegen Nieder - Roden nach Anlaufschwierigkeiten
Sonntag, den 02. Dezember 2012 um 09:41 Uhr | Geschrieben von: Domenico Giannino
Der TSV Friedberg ist mit seinem fünften Sieg nacheinander auf den zweiten Tabellenplatz der Dritten Liga gesprungen. Das 32:25 (13:16) gegen die HSG Nieder – Roden in der TSV – Halle war allerdings ein hartes Stück Arbeit, erst in der Schlussphase wurde es deutlicher.
Den Auftritt der Friedberger Handballer in der ersten Halbzeit hat Friedbergs früherer Abteilungsleiter Jens Ganzenmüller treffend mit dem Begriff „lätschert“ zusammengefasst. In der Tat wirkten die Handballer vor der Pause ein wenig unkonzentriert, in den ersten Minuten vergaben sie beispielsweise gleich vier freie Würfe.
Auch in der Abwehr fehlte oft der letzte Schritt, um die starken Gästespieler am Torabschluss zu hindern. So konnte auch der zuletzt so starke Keeper Willi Seiler wenig ausrichten gegen die Gewaltwürfe, die ihm aus acht Metern um die Ohren flogen. Friedberg war nach den vergebenen Großchancen zu Beginn gleich 1:4 hinten. Schon nach sieben Minuten nahm Trainer Hartmut Mayerhoffer seine Auszeit, um die Mannschaft wachzurütteln. Die harten Worte des Trainers hatten aber nur einen kurzfristigen Effekt: Zwar konnte der TSV innerhalb von drei Minuten zum 4:4 ausgleichen, doch Nieder – Roden konterte umgehend und holte sich die Führung zurück.
Zwei Baustellen gab es im Spiel der Gastgeber: Zunächst war die Abwehr nicht aggressiv genug gegen den starken Rückraum der Hessen. Viel zu oft reichte eine simple Kreuzbewegung aus, um einem der Shooter von Nieder – Roden aus acht oder neun Metern einen freien Wurf zu ermöglichen. Auch den sicheren Außen erlaubte der TSV zu viel Raum, Seiler konnte kaum einen Ball halten und musste in der Pause seinen Platz zwischen den Pfosten für Benjamin von Petersdorff räumen.
Aber auch im Angriff traten die Herzogstädter nicht souverän auf. Der Rückraum war gegen die stabile Deckung der Gäste zu oft abgemeldet, einige ungenaue Anspiele im Spielaufbau oder bei Gegenstößen führten zu Ballverlusten. Auch die mäßige Chancenverwertung trug ihren Teil dazu bei, dass die Mannschaft nach dem 6:9 Mitte der ersten Hälfte weiter einem Rückstand hinterher laufen musste. Mehrmals verpasste es Friedberg, den Schaden zu begrenzen. Beim 12:14 vier Minuten vor der Pause war es ein verworfener Ball vom Kreis, der Nieder – Roden das nächste Tor ermöglichte. Und beim 13:15 verlor der TSV zehn Sekunden vor der Sirene den Ball, so dass die Hessen mit einem 13:16 – Vorsprung in die Kabinen gehen konnte.
Fünf Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als Friedberg langsam wieder Zugriff auf die Partie bekam. Die Abwehr ging nun mit viel mehr Entschlossenheit zu Werke, auch die Pässe beim Gegenzug waren viel genauer. Jonas Link, dem im ersten Durchgang nicht viel gelungen war, zeigte jetzt seine ganze Klasse. Sein Treffer zum 19:19, einer von neun Stück, war ein Paradebeispiel dafür: Link bekam den Ball in der zweiten Welle auf Höhe der Mittellinie, nahm Anlauf und stieg hoch, um den Ball in den rechten oberen Torwinkel zu hämmern. Der Gästekeeper reagierte erst gar nicht.
In den folgenden Minuten war die Partie ausgeglichen. Für Kreisläufer Florian Antony, der seine zweite Zeitstrafe kassiert hatte, verteidigte ab der 41. Minute Manuel Vilches – Moreno im Mittelblock. Der Spanier machte seine Sache sehr gut und war mit dafür verantwortlich, dass Nieder – Roden kaum noch zu erfolgreichen Torabschlüssen kam. Es sollte bis Mitte der zweiten Hälfte dauern, ehe sich Friedberg erstmals ein wenig absetzen konnte. Nach dem 23:22 ging es dann aber schnell, nur fünf Minuten später lag Friedberg schon mit 28:24 vorne.
Miro Ilic übernahm in dieser Phase die Verantwortung und erzielte sehr wichtige Tore. Von Nieder – Roden kam kein letztes Aufbäumen mehr, der Aufsteiger, der auf einige verletzte Spieler verzichten musste, verzweifelte jetzt am Friedberger Abwehrbollwerk. In den letzten zehn Minuten gelang den Gästen nur noch ein Treffer, natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um einen Rückstand aufzuholen.
Friedberg spielte die Partie, in der man sich lange sehr schwer getan hatte, sicher zu Ende.Spätestens beim 30:24 vier Minuten vor Schluss war das Spiel entschieden. Umso unverständlicher war das extrem harte Einsteigen von Christian Schmid kurz darauf, der Jonas Link übel fällte und direkt Rot sah. Nur 20 Sekunden später folgte ihm Sebastian Schulz, der nach seiner dritten Zeitstrafe ebenfalls früher Schluss machen konnte. Nach 60 intensiven Minuten schaffte der TSV mit dem 32:25 (13:16) seinen fünften Sieg in Folge. Da Balingen – Weilstetten 2 nur unentschieden gespielt hat, sind die Herzogstädter auf den zweiten Platz vorgerückt und liegen weiterhin nur einen Zähler hinter dem Spitzenreiter aus Konstanz.
Trotzdem war Mayerhoffer mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht zufrieden: „In der ersten Halbzeit hat vieles nicht gepasst, gerade in der Abwehr waren wir da zu nachlässig. Mit einem Kraftakt haben wir das Spiel drehen können, aber Nieder – Roden war keinesfalls sieben Tore schlechter. Der Aufsteiger hat heute seine bisherigen guten Saisonleistungen bestätigen können, wir mussten alles geben, um zu gewinnen. Aber unsere Fehlerquote war besonders im ersten Durchgang zu hoch, das muss besser werden, sonst werden wir uns in dieser starken Liga gegen jede Mannschaft schwer tun.“
Seiler (1. – 30.); v. Petersdorff (31. – 60.); Vilches – Moreno (3/3); Ilic (3); Antony (3); Knorr; Maier – Hasselmann (3); Segmüller (3); Link (9); Feuchtmann (2); Scholz (2); Prause; Behr (4).
Domenico Giannino (gia)