Quelle: HP tsb Heilbronn-Horkheim
Nur das Happy-End fehlt
Ein spannendes Drehbuch, perfekt inszeniert − aus Horkheimer Sicht fehlte nur das Happy End. 59:23 Minuten waren gespielt, Spielstand 29:29, Siebenmeter für den TSB. Zeit für den Showdown, Zeit für einen Mann mit Nerven. Wer wird es sein?, fragten sich nicht nur die 50 mitgereisten TSB-Fans in der Leutershausener Heinrich-Beck-Halle. "Wer soll werfen", fragte auch Abwehrrecke Stefan Fähnle seinen Trainer Volker Blumenschein. Immerhin hatte das Team zu diesem Zeitpunkt schon vier Strafwürfe versiebt. "Schmeiß’ doch selbst", forderte Blumenschein den überraschten Fähnle auf. "Ich war mir sicher, dass der sich nicht in die Hose scheißt. Der war so heiß auf das Spiel", verriet Blumenschein nach Spielende − und hatte richtig vermutet. Fähnle verwandelte sicher zum 30:29. Der Sieg, das Happy-End eines würdigen Spitzenspiels? "Hier regiert der TSB", sangen die TSB-Fans bereits, doch zehn Sekunden vor Schluss glich der überragende Jochen Geppert doch noch für den Tabellenführer aus. Die SG-Spieler feierten den Punkt wie einen Sieg.
Gewonnener Punkt Die Horkheimer brauchten einige Momente, um den späten Tiefschlag zu verdauen. Doch dann überwog schnell die Freude über den "gewonnenen Punkt" (Blumenschein) beim besten Team der dritten Liga. "Das hat heute 60 Minuten Spaß gemacht. Die Fans haben uns Kraft gegeben, als wir mal drei Tore hinten waren. Das Unentschieden ist unterm Strich gerecht, Leutershausen war super stark", fasste Fähnle das Spiel zusammen. "Das war ein sehr, sehr gutes Handballspiel, mit sehr hohem Tempo. Wenn wir weniger Siebenmeter vergeben, noch entschlossener aus dem Rückraum werfen, hätten wir wohl gewonnen", analysierte Blumenschein.
Sein Team trat vom Anpfiff weg mit breiter Brust auf, spielte auf Sieg. Leutershausen fand gegen Horkheims 6-0-Deckung kein wirksames Mittel. Die meisten Tore der SGL resultierten im ersten Durchgang aus Tempogegenstößen. In der TSB-Offensive war Kreisläufer Felix Günthner ein entscheidender Faktor. Er blockte Räume für die Rückraumschützen frei, holte Siebenmeter raus und traf selbst. Dass der 25-Jährige gerade erst einen Kreuzbandriss überstanden hat, war nur anhand seiner Kniebandage zu erahnen. "Felix ist einer der Top- Drei-Kreisläufer der Liga", lobte Blumenschein.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs hakte das Angriffsspiel der Gäste dann aber. In den ersten zehn Minuten gelang nur ein Tor. Nach 47 Minuten zog Leutershausen erstmals auf drei Tore davon (25:22). Doch der TSB kämpfte sich zurück. Sieben Minuten vor Schluss glich Jan König zum 27:27 aus. Die Leutershausener Antwort war ein Tor per Kempa-Trick von Mark Wetzel. Dem wollte der TSB nicht nachstehen: No-Look-Pass von Philipp Kroll an den Kreis, Günthner traf aus der Drehung zum 28:28. Das Spiel war auf seinem Höhepunkt.
Keine Alpträume Markus Schumacher brachte Horkheim zum ersten Mal seit der 34. Minute wieder in Führung, vergab aber kurz drauf einen freien Wurf zum möglichen 30:28. "Nein, davon werde ich heute Nacht nicht träumen. Keiner verwirft absichtlich", sagte der 24-Jährige. So stand am Ende das 30:30-Unentschieden. "Der Punkt bringt uns mehr als Horkheim", sagte SGL-Trainer Holger Löhr. Angesichts von acht Punkten Rückstand bei noch acht ausstehenden Spielen gratulierte Blumenschein schon zum Titel. "Wir haben heute den Meister gesehen", hielt sich der TSB-Trainer aber ein Hintertürchen offen. Wer weiß, vielleicht soll es ja doch noch ein Horkheimer Happy-End geben.
TSB Horkheim: Honisch, Hirschmann (Tor); Weckerle, Günthner 4, Kaupert, Maurer, Knoll 4/2, Kroll 6/1, Fähnle 3/1, Schumacher 4, Prasolov 3, Blessing, Hau 3, König 3.
Beste Schützen bei Leutershausen: Geppert 9, Ruß 5, Gunst 4/3, Prestel 3.
Strafen: 4/5. Siebenmeter: SGL 4/3; TSB 8/4.
Schiedsrichter: Krag/Hurst (Oberursel).
Zuschauer: ca. 1000.
Written by Stephan Sonntag - http://www.stimme.de | 05.03.12 - 09:37 | Kommentare: 0 | 117x gelesen