So, dann will ich mich nach längerer "Forums-Pause" auch mal wieder einklinken. So viel ist im Mt-Strang ja auch selten los. Die aktuelle Situation um die MT bietet ja auch wahrlich Diskussionsstoff.
Auch ich habe die Halle am Sonntag recht "nachdenklich" verlassen, denn ein überzeugendes Spiel, bzw. eine echte Reaktion auf das Kiel-Debakel habe ich nicht erlebt. Dennoch war's ein Ergebnis, das zum Ende eigentlich unnötig eng wurde. Dadurch lassen sich die Unzulänglichkeiten im Spiel der MT aber auch nicht so leicht bei Seite schieben, wie es vermutlich bei +5 oder 6 (was bis 10 Min. vor Schluss ja durchaus möglich erschien) passiert wäre.
Es ist sicher auch richtig, dass die Müller-Twins gegen Göppingen (und auch im bisherigen Saison-Verlauf) zu den schwächsten Akteuren auf dem Feld gehörten. Das sie die Haupt-Verantwortlichen für die krassen Leistungsschwankungen und das teilweise sehr statische Spiel der MT sind, ist für mich jedoch noch nicht ausgemacht. Und das sage ich als jemand, der die beiden seit ihrer Ankunft bei der MT eher kritisch beäugt. Auch bei mir hatten ihre "Mätzchen", die sie ja auch bei ihren früheren Stationen bereits gezeigt haben, einen nicht so tollen Eindruck hinterlassen, so dass die Bekanntgabe ihres Wechsels nach Melsungen schon ein deutliches Stirnrunzeln bei mir hervorgerufen hat. Leider haben sie diese Seiten ihres Spiels auch bei uns nie abgelegt. Trotzdem ging mir ähnlich, wie wohl den meisten Fans der Teams, wo sie in der Vergangenheit gespielt haben. Man sieht das Ein oder Andere nicht mehr ganz soo kritisch wie als Fan der gegnerischen Mannschaft. Zumindest so lange es sportlich (halbwegs) erfolgreich ist. Ist halt auch immer eine Frage der Perspektive. Als Fan ist man halt seltenst wirklich objektiv.
Nichtsdestotrotz konnte ich zumindest anerkennen, dass die beiden aus meiner Sicht durchaus ihren Anteil an (zumindest vorübergehenden) Höhenflügen der MT hatten. Ein positiver Teil ihrer Persönlichkeit als Handballer (und nur den maße ich mir an etwas zu beurteilen) ist einfach ihre "Unerschrockenheit" vor großen Namen. Kretsche hat das mal ganz treffend während der Kommentierung eines Spiels beschrieben: "mit den Müllers kannst Du in den Krieg ziehen" (selbstverständlich nur eine Metapher!). Was damit gemeint ist: wenn die beiden, egal ob mit Wetzlar, Weilstätten oder eben Melsungen nach Kiel in die Ostsee-Halle (sorry, bin da Traditionalist) fahren, dann fahren die da hin, in der Überzeugung, dass da was zu holen ist! Auch wenn ihr Team gerade irgendwo zwischen Patz 10 und 14 in der Tabelle herumkrebst. Und mit diesem Glauben, das auch sportlich scheinbar unmögliches möglich ist, haben sie ihren Teams schon das ein oder andere Mal Flügel wachsen lassen. Ich denke schon, dass die beiden mit dieser extrem ausgeprägten Einstellung ("die Anderen sollen erstmal zeigen, dass sie besser sind als wir"), zumindest in der Vergangenheit durchaus positiv auf ihre Mannschaften gewirkt haben. Bei der MT haben sie das definitiv! Das dabei ihr Selbstbewusstsein bisweilen ihre spielerische Klasse übertroffen hat, ist allerdings auch meine Einschätzung. Vermutlich ist diese Lücke in den vergangenen 1-1,5 Jahren auch stetig größer geworden.
Und damit sind wir wieder bei den aktuellen Problemen der MT. Ich schätze mal, dass die beiden immer noch zu den Wortführern innerhalb des Teams gehören, und daher auch immer noch ein gewisses Standing haben. Zu den Leistungsträgern gehören sie aktuell nicht mehr (und ob doch nochmal irgendein 2./3.Frühling in ihnen steckt... habe ich so meine Zweifel). In dieser Konstellation bedarf es sicher auch eine Coaches mit einer gewissen Autorität. Ob die bei Heiko Grimm bereits in ausreichendem Maße vorhanden ist, bin ich mir auch nicht sicher. Aber das sind halt alles so Einschätzungen aus der Ferne der Stehtribüne zum Spielfeld. Ich bin jetzt kein Insider, der irgendwie "näher am Verein dran" ist und sein Wissen aus zuverlässigen Quellen speist. Sind aber hier ausser "Marcus-76" (und der meldet sich "wohl dosiert" hier) vermutlich die Wenigsten.
Immerhin haben wir mit H. Grimm, nach seinem zunächst holperigen Trainer-Einstand, zum Ende der letzten Saison einen bemerkenswerten spielerischen Aufschwung erlebt. Unter Anderem mit einem richtig begeisternden Auftritt gegen die Füchse, wo auch richtig tolle Spielzüge zu sehen waren. Sogar unter Einbeziehung der Aussen-Spieler!! Was ansonsten ein Manko ist, dass wir aber schon seit M. Roth´s Zeiten mit uns rumschleppen, in den letzten Spielen aber wieder sehr krass zu Tage getreten ist. Das stimmt schon, wenn die MT nicht gerade in Überzahl ist, versauern unsere Aussen regelmäßig. Diesbezüglich hatte fast jeder Gegner zuletzt mehr drauf. Dazu trägt M. Müller auf RR sicher auch seinen Teil bei, aber in dieser Hinsicht sehe ich auch bei Julius Kühn noch sehr viel Luft. Auch von unseren RM-Optionen hat sich in bislang noch keiner als ein konstant sicherer Spiel-Lenker bewiesen. Ob Pavlovic oder Mikkelsen da noch rein wachsen, muss man sehen. Hoffnung habe ich da durchaus.
So stehen wir momentan mit unserem vermeintlich so hochambitionierten Kader da, der (noch) nicht in der Lage ist dieses Potential verlässlich abzurufen, so dass es sich aktuell wirklich so anfühlt, wie es die HNA treffend beschreibt, das der Abstand zu den TOP-Team eher größer als kleiner geworden ist. Das ganze mit einem Trainer, der mir selbst noch in seiner "Findungs-Phase" als Coach (mit einer vermutlich nicht ganz einfach zu handelnden Truppe) scheint. Bin gespannt, ob ihm diese "Lehrzeit" zugestanden wird.